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Sparen statt feuern: 

SAP-Chefs fliegen nur noch Holzklasse

09. Okt 2008 12:42
Dax-Schlusslicht setzt auf Sparmaßnahmen
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Die Finanzkrise erreicht deutsche Vorzeigefirmen: SAP und Henkel treten auf die Kostenbremse und nehmen Dienstwagen, Reisen oder Fortbildungen unter die Lupe. Von Entlassungen ist noch nicht die Rede.

Der von der Finanzkrise hart getroffene Softwarekonzern SAP hat umfangreiche Sparmaßnahmen angekündigt. Offene Stellen würden vorerst nicht besetzt, Reisen zwischen den Standorten auf ein Minimum reduziert und Dienstwagen überprüft, sagte ein Sprecher am Donnerstag und bestätigte damit einen Bericht der «Rhein-Neckar-Zeitung». «Das sind Vorsichtsmaßnahmen, falls die Finanzkrise länger dauern sollte», sagte der Sprecher. Eine Summe, die eingespart werden soll, konnte er nicht nennen. Die Aktie verlor als Dax-Schlusslicht trotz eines erholten Gesamtmarktes rund 2,6 Prozent. Diese Nachrichten trübten die Stimmung nach der relativierten Jahresprognose vom Wochenanfang erneut, sagte ein Händler.

Die Vorstandssprecher Henning Kagermann und Leo Apotheker hatten die Mitarbeiter in einer E-Mail und auf einer Betriebsversammlung am Mittwoch über die Einschnitte informiert. «Wir wollen nicht in eine Situation kommen, wo einschneidendere Maßnahmen beschlossen werden müssen», zitierte der Sprecher die Vorstände. Weitere Maßnahmen seien dennoch möglich, fügte er an, gleichsam wie eine rasche Rücknahme des bereits Beschlossenen, sollte sich die Wirtschaftslage wieder entspannen.

Vorstände opfern Urlaub

Die Vorstände beteiligen sich am Sparen. Sie opfern zehn Urlaubstage und werden nun wie alle Mitarbeiter nur noch Economy fliegen. Auch die Mitarbeiter sind aufgerufen, auf Urlaub zu verzichten. Ob bereits erste Beschäftigte freie Tage hergegeben haben, konnte der Sprecher nicht sagen. «Unsere Kunden werden unter den Sparmaßnahmen nicht leiden», unterstrich der Sprecher.

SAP hatte erst am Montag mitgeteilt, dass sich die Kunden seit der Zuspritzung der Finanzkrise bei Bestellungen stark zurückhalten. Dies schlug sich in schwachen vorläufigen Zahlen für das abgelaufene dritte Quartal nieder. Bereits damals hatte der Vorstand einen Einstellungsstopp verkündet.

Henkel kappt Weihnachtsessen und Fortbildungen

Auch der Konsumgüterhersteller Henkel tritt intern auf die Kostenbremse. Alle Aktivitäten, die nicht direkt im Zusammenhang damit stehen, Erträge in den Henkel-Geschäften zu erwirtschaften, würden im vierten Quartal gestrichen oder zumindest verschoben, heißt es in einer E-Mail des Henkel-Vorstandes an die Mitarbeiter.

Betroffen sind interne Weiterbildungsprogramme ebenso wie Reisen ohne Kundenbesuche, Weihnachtsessen oder Beratungsausgaben. Auch die Investitionen für IT-Projekte sollen soweit wie möglich eingefroren werden. In der momentanen Marktsituation müssten alle Unternehmen verschärft darauf achten, wo ihnen Kosten entstehen, erklärte ein Sprecher des Konzerns.

«Rezession nicht mehr zu vermeiden»

Deutschland steuert nach Einschätzung des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) auf eine Rezession zu. Angesichts der Finanzkrise sei eine Rezession nicht zu vermeiden, sagte RWI-Präsident Christoph Schmidt der «Rheinischen Post». Bereits für das abgelaufene dritte Quartal sei ein Rückgang des Bruttoinlandsprodukts zu erwarten und auch für das vierte Quartal deuteten die vorliegenden Indikatoren einen Abschwung an.

Werkschließungen in der Autoindustrie?

Die Finanzkrise wird nach Einschätzung des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer «in vollem Umfang auf die deutsche Automobil-Industrie durchschlagen». Der Oldenburger «Nordwest-Zeitung» sagte der Hochschulprofessor, er erwarte, «dass es als Folge zu weiteren Produktionskürzungen und bei den Zulieferern wahrscheinlich sogar zu Werkschließungen kommen wird. Die Hersteller werden ihre eigentlich geplante Produktion in den nächsten Monaten um bis zu 15 Prozent drosseln.»

Dudenhöffer warnte, der US-Markt sei bereits zusammengebrochen, auch in Europa, Brasilien und China werde der Absatz deutlich nachlassen. «Ich rechne damit, dass in den nächsten zehn Jahren bis zu 100.000 Stellen in der deutschen Automobilindustrie wegfallen werden», sagte er. (dpa/AP)

 
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