08.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Geht hier bald der Nächste?
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Der Vorstandsvorsitzende des Immobilienfinanzierers ist schon gegangen. Der Chef des Aufsichtsrats will bleiben. Einem Bericht zufolge soll er sogar versucht haben, der Regierung eine Mitverantwortung nachzuweisen.
Einen Tag nach dem Wechsel an der Spitze des angeschlagenen Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate (HRE) steht Aufsichtsratschef Kurt Viermetz weiterhin unter Druck. Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte am Dienstag auch seinen Rücktritt gefordert, nachdem Vorstandschef Georg Funke abgetreten war. Sein Nachfolger ist der Deutsche-Bank-Manager Axel Wieandt. Presseberichten zufolge drängt nun der HRE-Großaktionär J.C. Flowers auf einen Wechsel an der Spitze des Aufsichtsrates.
Unterdessen widersprach der Immobilienfinanzierer einem Bericht, wonach er angeblich eine Mitverantwortung der Bundesregierung an den Liquiditätsengpässen überprüfen lasse. «Dieser Bericht ist falsch und ohne jede Substanz», teilte die Bank am Mittwochabend in München mit und trat damit einem Bericht der «Financial Times Deutschland» entgegen.
Die Zeitung hatte berichtet, das Aufsichtsgremium lasse von einer Wirtschaftsprüfungsfirma untersuchen, ob die Bundesregierung eine Mitschuld an der Vergrößerung der Liquiditätslücke von 35 auf 50 Milliarden Euro trage. Das entsprechende Gutachten solle schon Ende dieser oder Anfang nächster Woche vorliegen. Die HRE gebe Steinbrück indirekt eine Mitschuld an dem höheren Finanzierungsbedarf, weil der SPD-Politiker von einer «Abwicklung der Bank» gesprochen hatte, hieß es in dem Bericht. Dadurch könnte sich die Lage verschärft haben.
«Ein ganz neutrales Gutachten»Aus informierten Kreisen verlautete dagegen am Mittwochabend, in dem in Auftrag gegebene Gutachten gehe es lediglich darum, wie die Differenz zwischen den 35 Milliarden Euro und 50 Milliarden Euro zustande gekommen sei. «Die Politik spielt dabei keine Rolle, das ist ein ganz neutrales Gutachten», hieß es.
Steinbrück hatte in Zusammenhang mit dem Wechsel am Dienstag in einer Sondersitzung des Haushaltsausschusses von «erstaunlicher Hilflosigkeit» und «Wunschdenken» des bisherigen Managements gesprochen. Ziel sei es nun, die HRE «über Wasser zu halten». Wenn die HRE das neue Kapital von 50 Milliarden Euro nicht zurückzahlen könne, würden die vom Unternehmen angebotenen Sicherheiten gezogen. Dann könne auch von «Abwicklung» gesprochen werden. Bei den Sicherheiten handelt es sich dem Vernehmen nach unter anderem um Aktien an den Tochterunternehmen der HRE. Sollten sie in Staatsbesitz übergehen, bliebe die Holding lediglich als leere Hülle zurück.
Kredite stehen zum Abrufen bereitEin Großteil der von Regierung und Finanzwirtschaft zugesagten Kreditlinie über 50 Milliarden Euro steht unterdessen zum Abruf bereit. Die von der Bundesbank zugesagte Kreditlinie in Höhe von 35 Milliarden Euro sei bei Bedarf verfügbar, sagte HRE-Sprecher Hans Obermeier am Mittwoch in München auf Anfrage.
Der HRE-Großaktionär J.C. Flowers strebe einen Neuanfang mit einem anderen Aufsichtsratsvorsitzenden an, berichteten die «Frankfurter Allgemeine Zeitung» und die «Süddeutsche Zeitung» unter Berufung auf Finanzkreise. Flowers ist mit 24,9 Prozent größter Aktionär der Bank. Aus Unternehmenskreisen war am Mittwoch aber erneut zu hören, dass sich Viermetz gegen eine Ablösung sträubt. «Außer den beiden Personen, die den Vorstand verlassen haben, wird es keine weiteren Veränderungen geben», sagte eine mit der Lage vertraute Person. Darüber sei sich der Aufsichtsrat einig.
Kein voller Einblick in BücherDie deutsche Finanzaufsicht hatte bei Hypo Real Estate indes keinen vollen Einblick in die Bücher. Die HRE-Holding ist nach Darstellung der Bundesregierung selbst keine Bank und unterliegt damit nicht der Aufsicht durch Bundesbank und BaFin. Für die HRE-Tochter Depfa-Bank in Irland ist die irischen Bankenaufsicht zuständig. Eine Sprecherin der Finanzaufsicht BaFin sagte, bei der Depfa habe es eine gemeinsame Aufsicht der deutschen und irischen Behörden gegeben.
Die vor gut zehn Tagen überraschend aufgetauchten Finanzprobleme des HRE-Konzerns waren bei der Depfa aufgetreten. Nachdem das erste Rettungspaket geschnürt worden war, entdeckte die Deutsche Bank am vergangenen Wochenende bei der Depfa weitere Löcher. Das machte eine Nachbesserung des Rettungspakets notwendig. (dpa)