Private Telefonverbindungen gespeichert:
T-Mobile sammelte Daten der eigenen Aufsichtsräte
06. Okt 2008 12:04
 |  Der Datenskandal bei der Telekom ist um eine Episode reicher | Foto: dpa |
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Jeder Person, die im Aufsichtsrat einer der Töchter-Unternehmen sitzt, zahlt die Telekom Festnetz- und auch Handy-Rechnungen. In einem Unternehmen, das den Datenschutz nicht ernst nahm, ist der Service nicht nur von Vorteil, wie sich zeigt.
Der Datenskandal bei der Deutschen Telekom zieht weiter Kreise: Die Mobilfunktochter T-Mobile sammelte über Jahre hinweg detaillierte Telefonrechnungen ihrer Aufsichtsräte. Er sei darüber informiert worden, dass im Aufsichtsratsbüro entsprechende Rechnungen gefunden worden seien, sagte T-Mobile-Aufsichtsrat Ado Wilhelm am Montag in Bonn und bestätigte damit einen Bericht des «Handelsblatts». Betroffen sei bei ihm ein Festnetzanschluss, der vor allem dienstlich genutzt wurde.
Nach dem Zeitungsbericht haben wurden die privaten Einzelverbindungsnachweise der Aufsichtsräte systematisch archiviert. Die Telekom zahlt ihren Aufsichtsräten den privaten Festnetz- und DSL-Anschluss sowie einen Mobilfunkvertrag.Wilhelm, der für die Arbeitnehmerseite im T-Mobile-Aufsichtsrat sitzt, kritisierte die Informationspolitik der Konzernführung. «Grundsätzlich wird nur das zugegeben, was kurz darauf öffentlich wird.»
Daternschützer bemängelt «Schlamperei»
Der neuerliche Vorfall wirft neue Fragen über den Umgang mit dem Datenschutz im Konzern auf. Erst am Wochenende hatte die Telekom einräumen müssen, dass bereits vor zwei Jahren Daten von 17 Millionen Handy-Kunden gestohlen worden waren. Zudem ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn wegen der Bespitzelung von Journalisten und Aufsichtsräten.Datenschützer reagierten sehr kritisch auf die jüngsten Datenpannen der Telekom. Bei dem Unternehmen müsse schon ein «gewisses Maß an Schlamperei» konstatiert werden, sagte der Datenschutzbeauftragte des Landes Schleswig-Holstein, Thilo Weichert. «Wenn nicht protokolliert worden ist, wer die Daten abgerufen hat bei solchen riesigen Mengen, dann ist da was falsch gelaufen», sagte er am Montag im ZDF.
Das gelte aber auch für die Staatsanwaltschaft. «Ich denke, das große Problem ist, dass nicht nur die Telekom, sondern auch die Staatsanwaltschaft hier keine weiteren Ermittlungen vorgenommen hat und auch nicht die Öffentlichkeit informiert hat», fügte er hinzu. Die Behörde sei noch vielmehr in der Pflicht, Gefahrenvorsorge und Gefahrenabwehr zu leisten. Sowohl Telekom als auch Staatsanwaltschaft hätten wohl gehofft, dass «diese Informationen irgendwo versandet» seien. Er hoffe, dass die Staatsanwaltschaft die Ermittlungen erneut aufnehme. Die Entschuldigung von Telekom-Chef René Obermann sei «nur die Hälfte der Sache»: «Er weiß ja nicht, wofür er sich entschuldigt.» Daher müssten zunächst die Ursachen für den Datenklau gefunden werden. (nz/dpa/AP)