Krisengipfel der Bundesregierung:
Hypo Real erneut in letzter Minute gerettet
06.10.2008
Herausgeber: netzeitung.de
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Mit dem neuen, ebenfalls abgesicherten Liquiditätskredit von nochmals 15 Milliarden Euro werde «das Institut stabilisiert und damit der Finanzplatz Deutschland in schwierigen Zeiten gestärkt», heißt es in einer Mitteilung des Finanzministeriums.
Der vom Bund zur Verfügung gestellte Bürgschaftsrahmen von bis zu 35 Milliarden Euro werde nicht verändert. Bis zu einer Gesamthöhe von 14 Milliarden Euro trage der Finanzsektor 60 Prozent (das sind 8,5 Milliarden Euro) und der Bund 40 Prozent der möglichen finanziellen Belastungen, die sich aus einer Inanspruchnahme der Ausfallgarantie ergeben könnten.
Bundesregierung, Bundesbank, die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht BaFin sowie die Spitzenvertreter der deutschen Kredit- und Versicherungswirtschaft hätten damit eine Lösung für die in den letzten Tagen zusätzlich entstandenen Liquiditätserfordernisse der Hypo Real Estate Group (HRE) erzielt, hieß es in einer Mitteilung des Finanzministeriums weiter.
Auch der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Fritz Kuhn, verlangt einen Wechsel an der Bankspitze. «Die HRE hat offenbar nicht alle Fakten zum tatsächlichen Ausmaß der Krise auf den Tisch gelegt. Das Vertrauen in Vorstandschef Funke ist zerstört», sagte Kuhn dem Blatt. «Wenn der Bund Garantien für HRE gibt, muss er im Gegenzug Anteile übernehmen und die Abwicklung der Bank auch personell kontrollieren können.»
Der HRE-Vorstand begrüßte die Vereinbarung. «Wir sind für die Unterstützung aller Parteien sehr dankbar. Die gefundene Lösung stellt sicher, dass die Hypo Real Estate Group stabilisiert wird, auch bei andauernder Finanzkrise über ausreichende Liquidität verfügt und weiterarbeiten kann», sagte Vorstandsvorsitzender Georg Funke am Montagmorgen in München.
Trotz der Turbulenzen bei dem angeschlagenen Immobilienfinanzierer Hypo Real Estate sieht der Börsenexperte Wolfgang Gerke Hoffnung für den Steuerzahler. Bei der Bank sei eine Menge Substanz vorhanden, sagte Gerke der «Passauer Neuen Presse» laut Vorabmeldung. Dem aktuellen Kreditbedarf stünden werthaltige Forderungen gegenüber, so dass die Kredite auch zurückgezahlt werden könnten. Dann würde der Steuerzahler im Idealfall trotz Bürgschaft des Staates nicht in Anspruch genommen.
Der Experte sieht die HRE-Tochtergesellschaft Depfa, die 1998 ihren Sitz nach Irland verlegte, als eine der Schuldigen an der schweren Krise. «Die irländische Finanzaufsicht hat versagt. Erst werden Finanzinvestoren angelockt, dann nicht genügend kontrolliert», kritisierte Gerke. Deshalb sei auch die irische Regierung bei einer Rettungsaktion in die Verantwortung einzubeziehen. (dpa/AP)

