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Deutsche und Postbank: 

«Die beiden passen nicht zusammen»

12. Sep 2008 15:11
Maestro-Card der Postbank
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Der Bund ist mit dem Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank zufrieden, die Arbeitnehmervertretung sieht den Schritt zumindest langfristig mit Sorge. Branchenexperte Gerke hätte der Deutschen Bank zu einem anderen Schritt geraten.

Was hatte die Politik nicht jahrelang gebetsmühlenartig eine Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft eingefordert. Kein Wunder: Der deutsche Privatbank-Primus, die Deutsche Bank, mag national groß erscheinen, im internationalen Vergleich ist sie dagegen eher unscheinbar. Das liegt daran, dass viele Geldhäuser in anderen Ländern Europas schon vor Jahren durch Fusionen und Übernahmen gewachsen sind, während sich in Deutschland wenig tat. Das führte schließlich sogar dazu, dass ein deutsches Institut, die Hypovereinsbank, von der italienischen Unicredit geschluckt wurde.

Doch nun geschah binnen zwei Wochen geradezu Erstaunliches: Erst kauft die Commerzbank die Dresdner Bank, und nun erwirbt die Deutsche Bank knapp 30 Prozent an der Postbank. Damit schließt die größte deutsche Privatbank zur europäischen Konkurrenz auf. Entsprechend «sehr erfreut» zeigte sich Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD), der derzeit zu einem Treffen mit seinen EU-Ressortkollegen in Nizza weilt. Der Verkauf der Postbank-Anteile sei eine «gute Entwicklung» im Interesse der Konsolidierung der deutschen Bankenlandschaft.

Verdi fürchtet radikalen Stellenabbau

Weniger begeistert ist dagegen die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Der Teilverkauf sei ein «überflüssiger Schritt», teilte Verdi mit. Zwar hat der Einstieg der Deutschen Bank zunächst wohl keine Auswirkungen auf Standorte und Arbeitsplätze. Das hebt auch die Postbank selbst hervor. Verdi-Vorstandsmitglied Uwe Foullong sieht aber bei einer späteren kompletten Übernahme die Gefahr, dass «Tausende Arbeitsplätze vernichtet» würden, wie er dem «Handelsblatt» sagte.

Die stellvertretende Verdi- Vorsitzende Andrea Kocsis kritisierte, der Teilverkauf sei «ein Kniefall vor den Interessen der Aktionäre». Spätestens, wenn die Deutsche Bank ihren Anteil an dem Institut aufstocke, würden auch Arbeitsplätze bei der Postbank in Mitleidenschaft gezogen. Anders dürfte es bei den Filialen aussehen: Dass ähnlich viele Zweigstellen geschlossen werden wie im Falle der Dresdner Bank, glaubt der Nürnberger Bankenexperte Wolfgang Gerke nicht. Dazu seien die Filialstrukturen von Deutscher und Postbank zu unterschiedlich, sagte er der Nachrichtenagentur dpa.

«Gewaltige Unterschiede»

Die Deutsche Bank übernimmt von der Deutschen Post in einem ersten Schritt 29,75 Prozent der Postbank und ist damit größter Einzelaktionär, zugleich erhält sie die Option für eine Mehrheitsübernahme. Doch so einfach ist die «Hochzeit auf Raten» nicht. Wird der Anteil kräftig aufgestockt, so dass die Deutsche Bank die Postbank integrieren kann, stehen mühsame Schritte bevor, glaubt Gerke. Seiner Ansicht nach passen die beiden Institute nicht zusammen.

«Es gibt gewaltige Unterschiede. Man muss zwei sehr unterschiedliche Kulturen integrieren», sagte Gerke. «Das Drumherum ist überhaupt nicht vergleichbar, die Kunden sind nicht vergleichbar.» Traditionelle Postbank-Kunden seien beispielsweise weniger empfänglich für neue Produkte als Kunden der Deutschen Bank.

Gerke bezweifelt, dass sich der Einstieg für die Deutsche Bank lohnt. «Ich hätte lieber im Ausland investiert», sagte der frühere Professor für Bank- und Börsenwesen an der Universität Nürnberg-Erlangen, der heute Präsident des Bayerischen Finanz Zentrums in München ist. Bei der Dresdner Bank und der Commerzbank sieht Gerke große Synergien. «In diesem Fall frage ich mich aber sehr, ob der Einstieg der Deutschen Bank bei der Postbank notwendig ist.»

Der Fachmann vermutet hinter dem Interesse der Deutschen Bank an der Postbank in erster Linie den Wunsch, möglichen Konkurrenten die Butter vom Brot zu nehmen. «Es handelt sich in erster Linie um eine Defensivstrategie. Ich gehe davon aus, dass die Deutsche Bank bei der Postbank erstmal nur einen Fuß in der Tür haben will, um anderen Banken den Markteintritt zu erschweren.»

 
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