Vermeintliche Insolvenz gemeldet: 

netzeitung.deUS-Börsenaufsicht prüft Kurssturz von UAL

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Google News (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

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Die US-Börsenaufsicht untersucht jetzt den plötzlichen Fall der United-Airlines-Aktie. Auslöser war eine Uralt-Meldung über UAL - deren Verbreitung bringt Google News unter erheblichen Beschuss.

Die US-Börsenaufsicht SEC hat eine erste Prüfung des gewaltigen Einbruchs der UAL-Aktie am vergangenen Montag eingeleitet. Das berichtete das «Wall Street Journal» unter Berufung auf SEC-Kreise. Ob die Behörde daraus eine offizielle Untersuchung des Falls macht, ist demnach noch offen.

Die SEC geht der Frage nach, ob «unangemessenes Verhalten» hinter der Veröffentlichung eines sechs Jahre alten Zeitungsberichts über einen vermeintlich bevorstehenden Insolvenzantrag von United Airlines steckt. Der Artikel des «Chicago Tribune» war am Montag von der automatisierten News-Site von Google aufgegriffen worden. Da die Meldung dort weit oben gelistet war, verbreitete sie sich rasch. Daraufhin fiel der Aktienkurs von UAL binnen 15 Minuten von 12,50 Dollar auf drei Dollar.

Die SEC geht verstärkt der Verbreitung falscher Gerüchte an den Finanzmärkten nach. So hatte die Behörde Untersuchungen gegen einen Aktienhändler eingeleitet, der am Markt Fehlinformationen über eine bevorstehende Firmenübernahme verbreitet hatte. «Immer, wenn jemand falsche Informationen über Hörfunk, Fernsehen, Internet-Nachrichtenforen oder Chaträume verbreitet, erhebt sich die Frage, ob hier ein Fall von Aktienbetrug vorliegt», sagte der bei der SEC fürs Internet zuständige Abteilungsleiter John Reed Stark. Ob die SEC den Fall UAL beleuchtet, wollte Stark allerdings weder bestätigen noch dementieren.

Ein User, und prompt meist gelesen
In der Geschichte um den Kurssturz der Fluggesellschaft zeigen inzwischen der Tribune-Zeitungsverlag und Google. Tribune warf dem Betreiber von «Google News» vor, die automatisierte Nachrichtenaufbereitung habe eine von der «Tribune» archivierte Geschichte über die 2002 erfolgte UAL-Insolvenz als neue Nachricht einsortiert. Schuld sei «die Unfähigkeit von Googles automatisiertem Suchagenten 'Googlebot', zwischen brandneuen Nachrichten und häufig gelesenen Stücken auf Zeitungs-Websites zu unterscheiden».

Hintergrund dieser Kritik ist die neueste Erklärung der «Tribune» zu dem Vorfall: Am frühen Sonntagmorgen – also zu einem Zeitpunkt mit wenig Web-Besuchern – habe ein einzelner Klick auf den sechs Jahre alten Artikel im Archiv der zum Tribune-Verlag gehörenden «South Florida Sun-Sentinel» dafür gesorgt, dass dieser in die Liste der meist gelesenen Wirtschaftsnachrichten geriet.

Auf dieser Liste sei der Artikel dann vom Google-Algorithmus abgegriffen worden, führte die «Tribune» aus. Am Ende landete die Meldung als Schlagzeile im Abo-Nachrichtendienst der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg, die an der Wall Street große Beachtung findet. Daher, so die «Tribune» weiter, habe man Google schon «vor Monaten» darum gebeten, den «Googlebot» nicht mehr zum Abgreifen von Zeitungs-Websites einzusetzen.

Artikel ohne Datum?
Ein Google-Sprecher dementierte diese Darstellung gegenüber dem US-Finanznachrichtendienst MarketWatch. Er gab vielmehr «Tribune» die Schuld am Vorfall: Der «bot» sei durch fehlerhafte Zeitangaben zu dem Artikel in die Irre geführt worden. Der Google-Sprecher erklärte, es liege in der Verantwortung der Verlage und Zeitungsredaktionen dafür zu sorgen, dass die Nachrichten auf ihren Websites akkurat abgebildet sind.

Ein entscheidender Fehler, der zu dem Vorfall führte, ist offenbar, dass der Zeitungsartikel, der über den UAL-Insolvenzantrag im Jahr 2002 berichtet, zwar archiviert war, aber wohl gar kein Datum trug. Medienbeobachter sind sich aber nicht sicher, ob mit einer Datumsangabe «Googlebot» die Meldung links liegen gelassen hätte. Manche Analysten geben sowohl dem Tribune-Verlag als auch Google einen Teil der Schuld. Ob neben der SEC auch die Airline selbst in der Sache vorgeht, ist noch unklar. (nz)