Vermeintliche Insolvenz gemeldet:
US-Börsenaufsicht prüft Kurssturz von UAL
Die SEC geht verstärkt der Verbreitung falscher Gerüchte an den Finanzmärkten nach. So hatte die Behörde Untersuchungen gegen einen Aktienhändler eingeleitet, der am Markt Fehlinformationen über eine bevorstehende Firmenübernahme verbreitet hatte. «Immer, wenn jemand falsche Informationen über Hörfunk, Fernsehen, Internet-Nachrichtenforen oder Chaträume verbreitet, erhebt sich die Frage, ob hier ein Fall von Aktienbetrug vorliegt», sagte der bei der SEC fürs Internet zuständige Abteilungsleiter John Reed Stark. Ob die SEC den Fall UAL beleuchtet, wollte Stark allerdings weder bestätigen noch dementieren.
Hintergrund dieser Kritik ist die neueste Erklärung der «Tribune» zu dem Vorfall: Am frühen Sonntagmorgen also zu einem Zeitpunkt mit wenig Web-Besuchern habe ein einzelner Klick auf den sechs Jahre alten Artikel im Archiv der zum Tribune-Verlag gehörenden «South Florida Sun-Sentinel» dafür gesorgt, dass dieser in die Liste der meist gelesenen Wirtschaftsnachrichten geriet.
Auf dieser Liste sei der Artikel dann vom Google-Algorithmus abgegriffen worden, führte die «Tribune» aus. Am Ende landete die Meldung als Schlagzeile im Abo-Nachrichtendienst der Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg, die an der Wall Street große Beachtung findet. Daher, so die «Tribune» weiter, habe man Google schon «vor Monaten» darum gebeten, den «Googlebot» nicht mehr zum Abgreifen von Zeitungs-Websites einzusetzen.
Ein entscheidender Fehler, der zu dem Vorfall führte, ist offenbar, dass der Zeitungsartikel, der über den UAL-Insolvenzantrag im Jahr 2002 berichtet, zwar archiviert war, aber wohl gar kein Datum trug. Medienbeobachter sind sich aber nicht sicher, ob mit einer Datumsangabe «Googlebot» die Meldung links liegen gelassen hätte. Manche Analysten geben sowohl dem Tribune-Verlag als auch Google einen Teil der Schuld. Ob neben der SEC auch die Airline selbst in der Sache vorgeht, ist noch unklar. (nz)

