Gnädige Bahn:
Senioren dürfen offline Fahrkarten kaufen
10.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Mehdorn hatte zuvor Änderungen an den ursprünglichen Plänen bekanntgegeben. Wer eine Senioren-Bahncard mit 50 Prozent Rabatt besitzt, die es ab einem Alter von 60 Jahren gibt, brauche den Zuschlag nun nicht zu zahlen. Vorgesehen sei eine solche Ausnahme auch für eine neue Senioren-Bahncard mit 25 Prozent Ermäßigung, die Anfang 2009 eingeführt werde. Verschont bleiben sollen zudem Menschen mit einem Behinderungsgrad ab 50 Prozent, bisher war dies erst von 70 Prozent an vorgesehen.
Der Sozialverband Deutschland und der Wohlfahrtsverband Volkssolidarität drangen am Mittwoch wie Tiefensee auf einen Verzicht. «Gerade ältere und behinderte Menschen sind auf den Fahrkartenkauf am Schalter angewiesen. Ältere Menschen haben oft gar keinen Zugang zum Internet und kommen mit den komplizierten Fahrkartenautomaten nicht zurecht», sagte Sozialverbandspräsident Adolf Bauer.
Zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember erhöht die Bahn auch ihre Preise um durchschnittlich 3,9 Prozent. Mehdorn nannte die Anhebung bei einer Veranstaltung in Berlin «sehr kommod» angesichts stark gestiegener Energiekosten und auch im Vergleich zu den Mehrausgaben, die Autofahrer leisten müssten. «Die Deutschen fahren billig Bahn - das ist eindeutig so», sagte der Bahnchef. In Frankreich und Großbritannien zahlten Bahnfahrer deutlich mehr. Zum Zeitpunkt der nächsten Preiserhöhung merkte Mehdorn an: «Ich schließe nicht aus, dass wir im Jahr 2009 im Dezember wieder vor der gleichen Frage stehen.»
Mehdorn und Finanzvorstand Diethelm Sack beginnen demnächst eine Werbetour bei internationalen Investoren. Geplant sind zwei Runden in jeweils 25 Städten vom deutschen Finanzplatz Frankfurt bis nach Tokio, wie Sack sagte. Auch in Peking, Hongkong, Singapur, Dubai und Kuwait wollen die Manager die künftige Bahn-Aktie vorstellen. Zu den Stationen in Europa gehören London, Paris, Zürich, Mailand, Madrid, Amsterdam und Brüssel. Moskau steht nicht auf dem Plan. Es gebe aber Kontakte zu Investoren aus Russland, hieß es. Interesse gebe es auch bei Staatsfonds aus China und dem Nahen Osten. Sack bekräftigte, dass der Börsengang weiterhin in diesem Herbst geplant sei, ohne den genauen Termin zu nennen. (dpa)

