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Güterverkehr nach China ab 2009: 

Deutsche Bahn expandiert Richtung Osten

04. Sep 2008 16:11
Personenverkehr findet weiterhin mit der Transsibirischen Eisenbahn statt
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Kaum hat China Interesse an Bahn-Aktien geäußert, kündigt Bahn-Chef Mehdorn regelmäßigen Güterverkehr ins Reich der Mitte an. Zudem will die Bahn bei der polnischen Privatbahn einsteigen und eine rumänische Spedition übernehmen.

Die Deutsche Bahn plant bereits für 2009 regelmäßigen Güterzugverkehr zwischen Deutschland und China. Der Startschuss für den Schienenverkehr in Asien solle noch im September fallen, wenn 50 bis 60 Container auf den Weg geschickt würden, sagte Konzernchef Hartmut Mehdorn am Mittwoch vor dem Club Hamburger Wirtschaftsjournalisten.
Mit diesen Zügen will die Bahn die Marktlücke zwischen dem billigen, aber langsamen Gütertransport per Schiff und dem schnellen, aber teuren Flugverkehr füllen. Noch sei das Businessmodell für das Projekt nicht perfekt: «Wir konkurrieren hier natürlich mit dem Schiff», zumal gerade die Frachtraten zurückgegangen seien.

Zwei Wochen-Fahrt mit dem Trans-Eurasia Express

Aber der Bahn-Chef ist optimistisch: Die Industrie in China wandere zunehmend ins Landesinnere. Vor allem dann könnten Transporte in die USA schneller sein als auf dem Seeweg. Der Testzug habe noch 15 Tage von der Mongolei nach Hamburg gebraucht, aber man hoffe, dies gehe künftig schneller.

Die Leitung des Projekts übernimmt die Firma Trans-Eurasia Logistics im Auftrag von DB Intermodal. Anfang Januar hatte der Trans-Eurasia Express seine Jungfernfahrt nach China absolviert. Dabei benötigte der Zug für die rund 10.000 Kilometer lange Strecke nur gut zwei Wochen. Damals war der Fahrplan-Start aber noch für 2010 avisiert worden.

Über Kasachstan, Russland, Weißrussland und Polen

Die Fahrtroute verläuft über Kasachstan, Russland, Weißrussland und Polen bis nach Deutschland. Gleich zwei Mal müssen die Container dabei auf der Strecke umgeladen werden: einmal an der chinesisch-kasachischen Grenze von Normalspur auf Breitspur und an der weißrussisch-polnischen Grenze wieder auf Normalspur. Transportiert werden in erster Linie hochwertige Güter aus den Segmenten Elektronik und Automotive sowie Rohstoffe und Aktionswaren aus der Bekleidungsindustrie.

Bereits im vergangenen Jahr hatte die Deutsche Bahn gemeinsam mit der russischen Bahn RZD und den Partnern Polzug, Kombiverkehr und Trans Container das Joint Venture Trans-Eurasia Logistics gegründet. Nun interessiert sich die Deutsche Bahn laut Mehdorn auch noch für einen Einstieg bei der polnischen Privatbahn CTL Logistics.

«Ein weißer Fleck auf der Landkarte»

Das polnische Unternehmen mit 2.500 Mitarbeitern und rund 250 Millionen Euro Umsatz war erst im vergangenen Jahr mehrheitlich vom britischen Bridgepoint-Fonds gekauft worden, doch zu einem offenbar überhöhten Preis. «Wir waren damals interessiert, und wenn das Unternehmen jetzt wieder auf den Markt kommt, werden wir uns das wieder ansehen», sagte Mehdorn. CTL transportiert vor allem Massengüter und könnte für die Deutsche Bahn einen Brückenkopf in Richtung Russland bilden.

Ebenso wolle die Bahn die führende rumänische Spedition Romtrans mit 1.300 Beschäftigten übernehmen. «Das ist für uns bislang ein weißer Fleck auf der Landkarte», sagte Mehdorn. Bei den angestrebten Zukäufen in Osteuropa handele es sich um kleinere Akquisitionen. Er sei auch gefragt worden, ob die Bahn die Hamburger Reederei Hapag- Lloyd kaufen wolle, habe aber abgelehnt. «Selbst wenn es vielleicht strategisch sinnvoll gewesen wäre, hätten wir das in der Phase des Börsengangs nicht machen können», sagte Mehdorn.

Preiserhöhung verteidigt

Der Bahnchef verteidigte die umstrittene Preiserhöhung um 3,9 Prozent zum Ende des Jahres. Das sei angesichts der Kostensteigerungen für Energie und Personal die untere Grenze des Möglichen gewesen. Der Bedien-Zuschlag von 2,50 Euro für Kunden, die ihre Tickets nicht über das Internet oder am Automaten kaufen, sei notwendig gewesen, um nicht mit den Reisebüros als wichtigstem Vertriebspartner in Konkurrenz zu treten.

Die Reisebüros erheben einen Zuschlag auf den Fahrpreis. «Das ist im Transportgewerbe üblich, zum Beispiel im Luftverkehr», sagte Mehdorn. «Nur bei der Bahn wird es kritisiert.» Im Gegenzug würden die Reisezentren der Bahn auf absehbare Zeit erhalten und personell verstärkt, um Wartezeiten zu verkürzen und den Service zu verbessern.

Geld für die Minister

Für den Ende Oktober oder Anfang November geplanten Börsengang der Güter- und Personenverkehrstochter DB Mobility Logistics zeigte sich Mehdorn optimistisch. Es gebe zahlreiche interessierte internationale Investoren für den 24,9-Prozent-Anteil, so dass ein ordentlicher Preis erzielt werden könne.

Von dem Erlös werde die Bahn ein Drittel erhalten, das zur Verbesserung der Eigenkapitaldecke eingesetzt werden solle. Ein weiteres Drittel erhalte der Verkehrsminister, der das Geld zur Verbesserung der Bahn-Infrastruktur ausgeben werde. Das letzte Drittel gehe an den Finanzminister.

Unterdessen greift auch China nach der deutschen Bahn: Nach einem Treffen mit Pekings Chefinvestor Lou Jiwei erklärte Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) am Dienstag, das Land habe „durchaus Interesse“ an dem für Oktober geplanten Teil-Börsengang. Während der Olympischen Spiele sei bereits Bahn-Chef Hartmut Mehdorn zu Gesprächen in Peking gewesen und habe von „neugierigen Anfragen“ berichtet.(nz/dpa/AP)

 
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