01.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Zentrale der Postbank in Bonn
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Nach dem Kauf der Dresdner durch die Commerzbank schauen die Branchenbeobachter auf den nächsten heißen Kandidaten - die Postbank. Mit einem baldigen Deal rechnen Analysten aber nicht und verweisen auf die Bundestagswahl.
Mit der Übernahme der Dresdner Bank für 9,8 Milliarden Euro stemmt die Commerzbank den größten Deal in der deutschen Finanzbranche seit Jahren und macht damit den ersten großen Schritt zu der seit langem geforderten Neuordnung der deutschen Bankenlandschaft. Nach dem Verkauf der Dresdner richtet sich das Augenmerk des Marktes nun auf den nächsten heißen Kandidaten: die Postbank.
Allerdings rechnen Beobachter nicht mit einer baldigen Übernahme der größten Publikumsbank Deutschlands. «Der Zeitpunkt für eine Übernahme ist denkbar schlecht», sagte Analyst Georg Kanders von der WestLB. «Wenn die Post klug ist, wird sie ihre Verkaufspläne nach hinten schieben.» Derzeit müsse einfach abgewartet werden, bis sich die Märkte erholen.
«Vor der nächsten Bundestagswahl wird eher nichts passieren», sagte auch Robert Halver von der Baader Bank. Bei einer Übernahme der Postbank würden erneut Arbeitsplätze abgebaut vor einer Wahl tue so etwas besonders weh. «Zudem ist der Kurs der Postbank-Aktie derzeit zu niedrig», fügte Halver hinzu. «Der Staat ist über die KfW an der Post beteiligt und zuletzt wurde bereits die IKB Deutsche Industriebank zu einem Niedrigpreis verkauft. Das wird man nicht noch einmal wollen.» Analysten betonen zudem, dass die Post nicht in Zeitnot sei.
Deutsche Bank unter ZugzwangVor allem der unter Zugzwang geratene Branchenprimus Deutsche Bank dürfte nun wieder verstärkt um die Postbank werben. Schließlich hatte Vorstandschef Josef Ackermann erst Ende Juli bekräftigt, dass sein Unternehmen das Kerngeschäft auch «durch sinnvolle Übernahmen» weiter ausbauen wolle. In der Vergangenheit hatte Ackermann dabei auch die Postbank - mit 14,2 Millionen Kunden die größte deutsche Privatkundenbank - genannt.
Es sei denkbar, dass die Deutsche Bank nach der Übernahme der Dresdner durch die Commerzbank noch einmal etwas großzügiger über einen Kauf der Posttochter nachdenke, meint Bankenexperte Wolfgang Gerke. «Klar ist aber, dass die Deutsche Bank bei der Prüfung ihrer Optionen auch weiterhin auf den Preis schauen wird.» Die Deutsche Post will Medienberichten zufolge rund zehn Milliarden Euro für die Tochter, bisherige unverbindliche Angebote liegen dem Vernehmen nach aber nur zwischen acht und neun Milliarden.
Die Postbank könnte allerdings auch bald wieder als weiterer Partner für die Commerzbank/Dresdner Bank ins Spiel kommen. Denn obwohl das neue Institut klare Nummer Zwei der Branche in Deutschland ist, ist es relativ klein sowohl gemessen am Primus Deutsche Bank als auch international. Dass die neue Gruppe auch die Postbank übernimmt, sei zumindest längerfristig denkbar, meint der Wirtschaftswissenschaftler Thomas Hartmann-Wendels. «Kurz- und mittelfristig ist dies jedoch wegen der bevorstehenden Aufgaben infolge der Dresdner-Integration schwer vorstellbar», sagte er.
Postbank eher nichts für ChinesenFür Analyst Robert Mazzuoli von der Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) scheint ein Zusammenschluss von Postbank, Dresdner und Commerzbank indes vom Tisch. «Commerzbank und Dresdner haben in den nächsten Jahren eine Fusion zu stemmen und daher erst einmal genug mit sich selbst zu tun», sagte Mazzuoli. «Einen neuen Partner werden sie sich in der nächsten Zeit kaum noch aufbürden wollen.»
Der LBBW-Analyst sieht als wahrscheinlichste Variante, dass bei einem Verkauf der Postbank am Ende ein ausländisches Geldinstitut den Zuschlag erhält. «Ein Ausländer wird wohl den höchsten Preis zu zahlen bereit sein.» Als mögliche Interessenten wurden da unter anderem die spanische Santander, die britische Großbank Lloyds oder die französische BNP Paribas gehandelt.
Auch die China Development Bank (CDB), die Berichten zufolge an der Dresdner Bank Interesse gezeigt haben soll, hätte - nachdem sie nicht zum Zuge kam - die nötigen Finanzmittel für die Postbank übrig. Am Markt wurden solche Überlegungen aber ausgeschlossen. Die Postbank sei unter anderem für einen Einstieg der Chinesen in den deutschen Markt denkbar ungeeignet, meinte ein Händler. «Es fehlt an Beratungsmöglichkeiten und dem Investmentbanking.» Die Postbank sei daher eher für jemanden geeignet, der bereits in Deutschland etabliert sei und weitere Kunden gewinnen wolle. Zudem habe man bei der Entscheidung um die Dresdner Bank gesehen, dass politische Aspekte eine große Rolle spielen das dürfte bei der Postbank noch verstärkt in den Vordergrund rücken.
Die Post selbst gibt sich wortkarg. «Wir befinden uns in einem ergebnisoffenen Prozess und stehen nicht unter Zeitdruck», sagte eine Konzernsprecherin. Berichten zufolge will die Post bis spätestens Anfang Oktober entscheiden, ob sie ihre Tochter verkauft. (nz/dpa/AP)