01.09.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Der Name Dresdner Bank dürfte verschwinden.
Foto: Stefan Krutsch, Dresdner Bank
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Zwei Marken machen keinen Sinn, meint Commerzbank-Chef Blessing. Das wird nicht die einzige Veränderung sein, die Kunden nach der Dresdner-Übernahme bemerken werden. Welche Vorteile sie davon haben, bewerten Experten unterschiedlich.
Das «grüne Band der Sympathie» wird wohl zum Auslaufmodell. Die Commerzbank will nach der Übernahme der Dresdner Bank eine Marke streichen, wie Commerzbank-Chef Martin Blessing am Montag in Frankfurt ankündigte. «Wir werden im Marketing stärker werden, weil wir künftig nur noch eine Marke haben werden.» Es mache wenig Sinn, zwei Marken zu behalten. Welche wegfällt, sagte Blessing zunächst nicht deutlich.
Andeutungen machte er aber schon: Denkbar sei etwa «Commerzbank, die Beraterbank». Damit fusioniert der Coba-Chef den Namen seiner Bank mit dem Slogan der Dresdner. «Dresdner Bank, die Beraterbank» sei sehr bekannt, so Blessing. Beobachter erwarten, dass der Name Dresdner Bank untergeht.
«Doppel»-Filialen verschwindenDas ist nicht die einzige Veränderung, die die zusammen rund elf Millionen Privatkunden der beiden Institute in Zukunft bemerken werden. Gerade bei den Filialstandorten sind die Überschneidungen enorm. Gerade in größeren Städten liegen eine Commerzbank- und eine Dresdner-Filiale häufig nahe beieinander. Zusammen unterhalten Commerzbank und Dresdner in Deutschland gegenwärtig rund 1900 Zweigstellen. Das fusionierte Institut soll künftig auf 1200 Filialen kommen.
Damit würden mehr als 600 Filialen wegfallen. Dennoch betont Blessing: «Keine andere deutsche Bank wird ihren Kunden so nah sein können wie wir.» In der Tat: Selbst mit nur noch 1200 Zweigstellen hat das fusionierte Institut deutlich mehr Filialen als die Deutsche Bank oder die Postbank. Dennoch stelle sich mit der Ausdünnung des Filialnetzes auch die Frage nach der künftigen Servicequalität des neuen Unternehmens, sagte Frank-Christian Pauli vom Verbraucherzentrale Bundesverband (VZBV) dem dpa-Themendienst.
Andererseits sehen Experten durch die Fusion durchaus auch neue Möglichkeiten für die Fläche. Mit den zusätzlichen Kunden könnte sich gerade auch in ländlichen Regionen eine Präsenz wieder eher lohnen, sagt der Chef des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln, Michael Hüther, der «Welt». Nach den Bereinigungen der vergangenen Jahre hätten viele Kunden nur noch eine Sparkasse oder Volksbank vor Ort. «Künftig kann das für eine große Privatbank wieder attraktiv sein.»
Vorteile für Kunden umstrittenOhnehin sieht Hüther für die Kunden finanzielle Vorteile in der Fusion. «Wenn sich zwei Banken zusammentun und dadurch ihre Verwaltungskosten senken, haben sie größere Spielräume für wettbewerbsfähige Konditionen», sagte der IW-Chef. Die Übernahme werde beispielsweise Kredite eher billiger als teurer machen.
Skeptischer ist da der Kölner Professor für Bankbetriebslehre Thomas Hartmann-Wendels. Seiner Einschätzung nach sind die Auswirkungen auf die Privatkunden vor allem wegen des nach wie vor vergleichsweise niedrigen Marktanteils gering. «Mit künftig sieben bis acht Prozent Marktanteil der neu formierten Bank im Privatkundengeschäft ist die Auswirkung auf den deutschen Privatkundenmarkt begrenzt», sagte Hartmann-Wendels der Nachrichtenagentur dpa-AFX. Im Privatkundengeschäft dominierten hierzulande vor allem die Sparkassen und Genossenschaftsbanken.
Vertragsbedingungen bleiben bestehenAuch der Bankenexperte der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, Dirk Müller-Tronnier, sagte kürzlich, die Kunden bräuchten einen solchen Zusammenschluss nicht. Er sieht vor allem den Wegfall eines Konkurrenten und befürchtet eine geringere Produktauswahl. Zunächst ändert sich für die Kunden beider Banken jedenfalls nichts, wie die Verbraucherzentrale Berlin am Montag mitteilte: «Die bisher bestehenden Vertragsbedingungen bleiben bestehen, das heißt, es ändern sich weder bestehende Verzinsungen noch gibt es Änderungen bei den Kosten.»
Kunden sollten aber die weitere Entwicklung genau verfolgen, rät der Finanzexperte der Verbraucherzentrale, Peter Lischke. Der Zusammenschluss werde neben der angekündigten Filialschließungen sicherlich auch dazu führen, dass vereinzelt bisherige Angebote vom Markt genommen werden. Es bleibe abzuwarten, inwieweit durch die Fusion tatsächlich Raum für neue wettbewerbsfähige Angebote und Konditionen geschaffen wird. Letztlich werde der Wettbewerb durch das Verschwinden eines Konkurrenten eingeschränkt, so Lischke.
Allianz erhofft sich VorteileDie Allianz, die mit knapp 30 Prozent größter Aktionär der neuen Commerzbank wird, verspricht sich vom Deal indes eine erhebliche Ausweitung des sogenannten Bancassurance-Geschäfts, also des Verkaufs von Versicherungsverträgen am Bankschalter. Das Volumen dürfte sich durch den Zusammenschluss mehr als verdoppeln, heißt es in einer Präsentation des Allianz-Vorstands.
Die Commerzbank hatte angekündigt, ihre im Jahr 2010 auslaufende Vertriebskooperation mit dem italienischen Allianz-Konkurrenten AMB Generali nicht zu verlängern. Künftig wolle sie nur noch Versicherungsprojekte der Allianz anbieten.