Zukunft der Dresdner Bank:
Fusionspoker steuert auf den Höhepunkt zu
Fragt sich nur noch, an wen. Als einer der Hauptinteressenten gilt eben die Commerzbank. Doch im Rennen ist nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien auch die chinesische Staatsbank China Development Bank (CDB). Die Chinesen sollen für die Dresdner Bank deutlich mehr bieten als die Commerzbank und angeblich bereit sein, komplett in bar zu zahlen.
Der Preis der Dresdner Bank wird im Markt mit etwa neun Milliarden Euro angegeben. Die Commerzbank hatte im Zusammenhang mit früheren Möglichkeiten zu Zukäufen stets betont, sie sei nicht bereit, politische Preise für eine Transaktion zu zahlen. «Wir werden die Chinesen nicht überbieten können», hieß es am Mittwoch aus Commerzbank-Kreisen. Die Allianz wollte die Berichte über das Interesse der Chinesen nicht kommentieren. Der Versicherer hatte die Dresdner Bank im Jahr 2001 für rund 23 Milliarden Euro gekauft. Nach hohen Verlusten wurde die Bank saniert und wieder auf Kurs gebracht. Der Ausbruch der US-Immobilienkrise im vergangenen Sommer sorgte aber wieder für rote Zahlen.
Zugleich ist die Sache politisch relevant Bundespolitiker hatten sich immer wieder für einen zweiten nationalen Champion neben der Deutschen Bank, aus Dresdner und Commerzbank gebildet, ausgesprochen. Ein Verkauf nach Fernost könnte für die Allianz zwar verlockend sein, weil sich damit attraktive Vertriebsmöglichkeiten in dem wichtigen Wachstumsmarkt China auftun könnten. Gleichwohl würde damit die Politik vergrätzt.
Einem Bericht des «Handelsblattes» von vergangener Woche zufolge würde eine Aufspaltung der Dresdner Bank ein Zusammengehen mit der Commerzbank zwar nicht unmöglich, aber deutlich schwieriger machen. Allerdings sind sowohl die Commerzbank als auch die Chinesen Kreisen zufolge bereit, das Sorgenkind der Dresdner, die Investmentbank Dresdner Kleinwort, mitzukaufen.
Insofern heißt es in Expertenkreisen, in Sachen Zukunft der Dresdner Bank sei weiter alles offen. Hört man sich aber in Finanzkreisen weiter um, dann werden dort die etwa zeitgleichen Sitzungen der Aufsichtsräte von Commerzbank und Allianz auch als Zeichen gewertet, dass sich die Commerzbank gegen den chinesischen Mitbewerber durchgesetzt hat. Böse Zungen behaupten ohnehin, die Allianz habe die CDB nur ins Spiel gebracht, um kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen den Preis in die Höhe zu treiben. Wie auch immer: Am Wochenende könnte die monatelange Hängepartie einen ersten Abschluss finden. (nz)

