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Zukunft der Dresdner Bank: 

Fusionspoker steuert auf den Höhepunkt zu

28. Aug 2008 15:36
Dresdner Bank in Frankfurt
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Die monatelange Hängepartie um die Dresdner Bank scheint dem Ende zuzugehen. Mutterkonzern Allianz und die Commerzbank haben für Sonntag zu Aufsichtsratssitzungen geladen. Doch abgehakt ist ein möglicher Verkauf nach China noch nicht.

Der Frankfurter Finanzmarkt dürfte die Terminankündigungen mit großem Interesse und wachsender Neugier aufgenommen haben. Zwei Aufsichtsräte kommen – getrennt voneinander – am Sonntag zu außerordentlichen Sitzungen zusammen: das Kontrollgremium der Allianz und das der Commerzbank.

Damit scheint eines klar: Die Entscheidung über die Zukunft der Allianz-Tochter Dresdner Bank steht unmittelbar bevor. Zwar wollten sich beide Unternehmen zu den Tagesordnungen der Sitzungen nicht äußern, aber den Beobachtern in Frankfurt erscheint nur allzu logisch, worum es geht. Schließlich ist ein Verkauf der Dresdner seit Monaten Gesprächsthema in der Finanzmetropole – als sicher gilt, dass die Allianz die Bank, die im Zuge der Finanzkrise tief ins Minus gerutscht war, zumindest teilweise verkaufen will.

Fragt sich nur noch, an wen. Als einer der Hauptinteressenten gilt eben die Commerzbank. Doch im Rennen ist nach übereinstimmenden Berichten mehrerer Medien auch die chinesische Staatsbank China Development Bank (CDB). Die Chinesen sollen für die Dresdner Bank deutlich mehr bieten als die Commerzbank und angeblich bereit sein, komplett in bar zu zahlen.

Der Preis der Dresdner Bank wird im Markt mit etwa neun Milliarden Euro angegeben. Die Commerzbank hatte im Zusammenhang mit früheren Möglichkeiten zu Zukäufen stets betont, sie sei nicht bereit, politische Preise für eine Transaktion zu zahlen. «Wir werden die Chinesen nicht überbieten können», hieß es am Mittwoch aus Commerzbank-Kreisen. Die Allianz wollte die Berichte über das Interesse der Chinesen nicht kommentieren. Der Versicherer hatte die Dresdner Bank im Jahr 2001 für rund 23 Milliarden Euro gekauft. Nach hohen Verlusten wurde die Bank saniert und wieder auf Kurs gebracht. Der Ausbruch der US-Immobilienkrise im vergangenen Sommer sorgte aber wieder für rote Zahlen.

Verdi offen für Verkauf nach China

Die Frage, wer zum Zuge kommt, ist für die Arbeitnehmervertreter von großem Interesse. Verdi fürchtet, dass bei einem Zusammenschluss der Dresdner mit der Commerzbank bis zu 15.000 Jobs auf dem Spiel stünden, weil es zahlreiche Überschneidungen geben würde. Daher steht die Gewerkschaft einem Verkauf nach China wohlwollender gegenüber. «Wir haben immer gesagt, dass wir nichts gegen einen ausländischen Käufer haben», sagte ein Gewerkschaftssprecher. Es komme aber darauf an, welches Geschäftsmodell dahinter steht. «Jedes Konzept, das Arbeitsplätze vernichtet, ist ein schlechtes Konzept.»

Zugleich ist die Sache politisch relevant – Bundespolitiker hatten sich immer wieder für einen zweiten nationalen Champion neben der Deutschen Bank, aus Dresdner und Commerzbank gebildet, ausgesprochen. Ein Verkauf nach Fernost könnte für die Allianz zwar verlockend sein, weil sich damit attraktive Vertriebsmöglichkeiten in dem wichtigen Wachstumsmarkt China auftun könnten. Gleichwohl würde damit die Politik vergrätzt.

Aufspaltung gestoppt

Die Vorbereitungen für den Verkauf laufen jedenfalls auf Hochtouren. Als solches bewerten Beobachter Informationen, die am Donnerstag aus Branchenkreisen durchsickerten. Demnach stoppte die Dresdner Bank ihre Aufspaltung in eine Investmentbank- und eine Privatkundensparte. Die Allianz und die Dresdner Bank wollten die Informationen nicht kommentieren.

Einem Bericht des «Handelsblattes» von vergangener Woche zufolge würde eine Aufspaltung der Dresdner Bank ein Zusammengehen mit der Commerzbank zwar nicht unmöglich, aber deutlich schwieriger machen. Allerdings sind sowohl die Commerzbank als auch die Chinesen Kreisen zufolge bereit, das Sorgenkind der Dresdner, die Investmentbank Dresdner Kleinwort, mitzukaufen.

Insofern heißt es in Expertenkreisen, in Sachen Zukunft der Dresdner Bank sei weiter alles offen. Hört man sich aber in Finanzkreisen weiter um, dann werden dort die etwa zeitgleichen Sitzungen der Aufsichtsräte von Commerzbank und Allianz auch als Zeichen gewertet, dass sich die Commerzbank gegen den chinesischen Mitbewerber durchgesetzt hat. Böse Zungen behaupten ohnehin, die Allianz habe die CDB nur ins Spiel gebracht, um kurz vor dem Abschluss der Verhandlungen den Preis in die Höhe zu treiben. Wie auch immer: Am Wochenende könnte die monatelange Hängepartie einen ersten Abschluss finden. (nz)

 
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