28. Aug 2008 14:47
Auch Bertelsmann spürt die abflauende Konjunktur - die bisherige Jahresprognose lässt sich nicht aufrechterhalten. Gleichwohl kann sich der Konzern weitere Zukäufe vorstellen, etwa im TV- und im Bildungssektor.
Der Konzerngewinn nach Steuern lag mit 372 Millionen Euro zwar deutlich über dem Vorjahreswert von 51 Millionen Euro. Allerdings hatten im Vorjahr der teure Vergleich im US-Verfahren um die umstrittene Musiktauschbörse Napster und Wertberichtigungen bei der britischen TV-Tochter Five zu einem Gewinneinbruch geführt.Im ersten Halbjahr hatte Bertelsmann seine Clubgeschäfte in Nordamerika verkauft und die Trennung von der Musiksparte Bertelsmann Music Group (BMG) sowie einigen kleineren Clubgeschäften in Europa angekündigt. Die veröffentlichten Zahlen sowie der Vorjahresvergleich beziehen sich ausschließlich auf die fortgeführten Geschäften der fünf Sparten Fernsehen (RTL Group), Industrie- und Dienstleistungen (Arvato), Zeitschriften (Gruner + Jahr), Buchverlage (Random House) sowie den Rest der Clubgeschäfte in Europa (Direct Group).
Konzernchef Hartmut Ostrowski kündigte an, das Unternehmen wolle sich nach der Bereinigung des Portfolios nun auf Wachstumsfelder konzentrieren. Dabei brachte Ostrowski den Bildungsbereich als mögliche Option ins Spiel. «Wir sind aber überhaupt nicht unter Zeitdruck.»Für das Gesamtjahr befürchtet der Vorstand jedoch beim operativen Gewinn Werte «leicht» unter denen des Vorjahres, wie Finanzchef Thomas Rabe sagte. Im Mai hatte Bertelsmann noch bekannt gegeben, das operative Ergebnis werde zum Jahresende auf oder sogar über dem Niveau von 2007 liegen. Ostrowski sagte, vor allem im Juni und Juli hätten die konjunkturellen Schwierigkeiten in Westeuropa und Nordamerika zu einer spürbaren Abschwächung des Geschäfts geführt.
Gleichwohl will Bertelsmann wieder Akquisitionen ins Auge fassen. So ist der Konzern bereit, bis zu 15 Prozent seiner Anteile an der börsennotierten Fernsehsparte RTL Group für einen Zukauf im TV-Geschäft einzusetzen. Bertelsmann werde aber weiter eine qualifizierte Mehrheit von mindestens 75 Prozent der RTL-Anteile halten, sagte Rabe. Derzeit ist Bertelsmann im Besitz von mehr als 90 Prozent der RTL-Aktien. RTL ist mit Abstand der größte Umsatz- und Gewinnbringer des Konzerns. Einen Einstieg bei der britischen Sendergruppe ITV bezeichnete Rabe allerdings als «Spekulation». (dpa/AP/dpa-AFX)