22.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Stromzähler
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Das Wechseln des Stromanbieters muss einfacher gehen, meint die Kontrollbehörde. Sie droht deshalb zahlreichen Versorgern mit Strafgeldern und erhöht damit den Druck.
Die Stromkonzerne machen ihren Kunden den Wechsel zu einem anderen Energieversorger nach Ansicht der Bundesnetzagentur nach wie vor unnötig schwer. Die Aufsichtsbehörde hat deshalb knapp 40 Unternehmen Zwangsgelder in einer Gesamthöhe von rund 1,7 Millionen Euro angedroht, wie sie am Freitag in Bonn mitteilte.
Die Unternehmen hätten die Vorgaben der Behörde zur kundenfreundlichen Gestaltung ihrer Geschäftsprozesse nicht vollständig oder fehlerhaft umgesetzt, rügt die Behörde. Ziel ist ein möglichst reibungsloser Zugang von Anbietern zu Stromnetzen. Die Anbieter hatten nach Aufstellung der Vorgaben im Juli 2006 eine Frist bis 1. August 2007, noch vorhandene unnötige Hürden zu beseitigen. Doch in den vergangenen Monaten stellte die Netzagentur noch etliche Unzulänglichkeiten fest.
Die betroffenen Stromnetzbetreiber haben nun einen Monat Zeit, die Vorgaben der Behörde zu Wechseln endgültig umzusetzen. Die Behörde betonte, die festgestellten Mängel führten in den meisten Fällen nicht dazu, «dass deswegen der vom Verbraucher veranlasste Wechsel des Stromlieferanten scheitert». «Sie verursachen aber in jedem Fall erheblichen und unnötigen Mehraufwand beim neuen Lieferanten des Kunden und geben häufig Anlass für gesonderte Nachfragen und Beschwerden», sagte der Präsident der Netzagentur, Matthias Kurth.
Eine Milliarde weniger für die NetzbetreiberWie die «Frankfurter Allgemeinen Zeitung» zudem berichtet, hat die Behörde die von den Stromnetzbetreibern beantragten Gebühren zur Nutzung ihrer Netze deutlich gekürzt. Die Agentur habe die beantragten Kosten gegenüber dem Vorjahr um insgesamt eine weitere Milliarde Euro reduziert. Die Kürzungen der von den Netzbetreibern geltend gemachten Kosten summierten sich damit seit Beginn des Verfahrens vor zwei Jahren auf insgesamt rund 3,4 Milliarden Euro.
Die Betreiber der Netze verlangen von Stromanbietern Netzentgelte für die Durchleitung von Strom. Seit längerem werfen Kritikern den Netzbetreibern vor, durch überhöhte Gebühren Strom in Deutschland unnötig zu verteuern. Sie fordern deshalb eine Verstaatlichung der Netze. In Deutschland sind die Übertragungsnetze in der Hand von nur vier Großkonzernen: RWE, Vattenfall, Eon und EnBW. (nz)