20. Aug 2008 17:07
Der Mischkonzern strebt in den kommenden Jahren an die Börse - aber nicht mehr unter Vorstandschef Müller. Er bat überraschend darum, seinen Vertrag zum 31. Dezember vorzeitig aufzulösen.
Evonik ist aus dem Kohlekonzern RAG hervorgegangen und gilt mit seinen drei Sparten Chemie, Energie und Immobilien nach dem für die nächsten Jahre angestrebten Börsengang als Dax-Kandidat. Das Unternehmen beschäftigt rund 43.000 Menschen. Den Angaben zufolge will Müller die Vorbereitung des Börsengangs bereits dem Nachfolger überlassen, damit dieser beim Amtsantritt keine von anderen gestaltete Lösung vorfinde. Hinzu kämen persönliche Gründe nach 40 Jahren in Führungspositionen mit hohem Arbeitsaufwand.Müller hatte mit seinem Konzept der Trennung des Industriekonzerns aus Chemie, Energie und Immobilien von den Zechen der alten RAG die Grundlage für ein sozialverträgliches Ende des hochdefizitären deutschen Steinkohlebergbaus gelegt. Wenn voraussichtlich 2018 die letzte Zeche schließt, werden die milliardenschweren Dauerlasten des Bergbaus über eine Stiftung aus dem Erlös des Evonik-Börsengangs finanziert.
Müller war von 1998 bis 2002 parteiloser Wirtschaftsminister im ersten rot-grünen Kabinett unter Bundeskanzler Gerhard Schröder. 2003 hatte er den Vorstandsvorsitz der damals noch deutlich größeren und stark zersplitterten RAG AG übernommen. In eineinhalb Jahren hatte er 280 konzerneigene Firmen mit einem Umsatz von 4,5 Milliarden Euro ohne betriebsbedingte Kündigungen abgegeben.Zugleich legte er mit der Übernahme von 50,1 Prozent der traditionsreichen Degussa den Grundstein für die heutige ertragreiche Chemiesparte. 2006 wurde Degussa ganz gekauft und von der Börse genommen. Vom Evonik-Umsatz von 14,4 Milliarden Euro (2007) entfallen etwa drei Viertel auf die mit Abstand wichtigste Sparte.
Anfang Juni dieses Jahres hatte der britische Finanzinvestor Capital Partners (CVC) 25,01 Prozent von Evonik für den unerwartet hohen Preis von 2,4 Milliarden Euro übernommen. Dies wurde auch als Erfolg Müllers gewertet. «Wir sind am Kapitalmarkt angekommen», hieß es in der Botschaft an die Mitarbeiter. Andererseits hat Müller sein wohl wichtigstes persönliches Ziel nicht erreicht: Chef der Kohle- Stiftung wurde unter anderem wegen Widerstandes aus der NRW- Landesregierung nicht Müller, sondern der ehemalige BP-Manager Wilhelm Bonse-Geuking. Bonse-Geuking habe nach Müllers Rücktrittsgesuch auch sehr schnell den Chemiker Engel als Nachfolger vorgeschlagen, hieß es aus dem Unternehmen. Engel gilt als durchsetzungsstarker und pragmatischer Mann des Ruhrgebiets mit einer Stärke für den Vertrieb. Der gebürtige Duisburger hatte sich mit der geräuschlosen und erfolgreichen Integration des Spezialchemieunternehmens Degussa in den RAG-Konzern für den Spitzenjob qualifiziert. (dpa)