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NZ-Reihe «Alternative Wirtschaftslenker»: 

Bleistifte mit sozialer Ader

20. Aug 2008 11:07
Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell
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Faber-Castell stellt seine holzgefassten Stifte hauptsächlich in Brasilien her. Lohndumping? Ausbeutung? Mitnichten. Das fränkische Adels-Unternehmen garantiert weltweite Sozialstandards, berichtet Matthias Breitinger.

Der Graf zeigt sich bescheiden, wenn man ihn auf sein soziales Engagement in seinem Unternehmen anspricht: «Die Menschen anständig zu behandeln, ist doch eine Selbstverständlichkeit.» Da gebe es doch nichts, was zu besonderem Schulterklopfen veranlassen müsste, sagt Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell. Die Fairness-Stiftung sah das anders und vergab ihren Deutschen Fairness-Preis im Herbst 2007 an den Adligen, der in achter Generation den nach seiner Dynastie benannten Stiftehersteller leitet.

Was eine «Selbstverständlichkeit» sein sollte, ist eben beileibe nicht in jedem Unternehmen der Welt gang und gäbe: faire Löhne, hygienische Arbeitsbedingungen oder die Gleichbehandlung aller Beschäftigten – kurzum: die Wertschätzung der Mitarbeiter. Und das an allen Standorten von Faber-Castell, vom deutschen Firmensitz im fränkischen Stein bei Nürnberg bis zu den Werken in Südamerika oder in Malaysia.

Engagiert, aber mit Blick auf die Gewinne

Dazu hat der gelernte Jurist schon vor acht Jahren mit der IG Metall eine Sozialcharta abgeschlossen, die an den Produktionsstätten weltweit gilt. Sie garantiert allen Mitarbeitern bestimmte Mindeststandards, die auf Vorgaben der Internationalen Arbeitsorganisation ILO beruhen. Dazu zählen das Verbot von Kinderarbeit und von Diskriminierung, Versammlungsfreiheit oder die Zahlung von Mindestlöhnen.

Blauäugig wäre, wer nun dächte, dass im größten Firmenwerk im brasilianischen Sao Carlos das gleiche Lohnniveau herrschte wie in Deutschland. Schließlich handelt es sich auch bei Faber-Castell um ein Wirtschaftsunternehmen, das Gewinne erzielen muss, auch wenn man als Familienbetrieb nicht enorme Renditen herausschlagen muss wie so mancher börsennotierte Konzern. Doch nur ertragreiche Unternehmen könnten ihren sozialen Verpflichtungen nachkommen, hebt der 67-jährige Firmenchef hervor, und er klingt wie viele andere Manager, wenn er sagt: «Wir müssen in den jeweiligen lokalen Märkten gegen lokale Wettbewerber konkurrenzfähig sein.»

Business as usual also – aber nicht ganz. Das Lohngefälle innerhalb der Firmengruppe mag immens sein, im Vergleich zu den Gegebenheiten vor Ort sind die Bedingungen bei Faber-Castell aber überdurchschnittlich: Im brasilianischen Werk erhalten die Beschäftigten das Dreifache des im Land üblichen Lohns, wie die «Frankfurter Rundschau» kürzlich meldete. Die Zeitung zitierte einen Gewerkschafter, der die Bedingungen bei Faber-Castell Brasilien als «recht gut» lobt, aber anmerkt, dass in China «noch dicke Bretter zu bohren» seien.

Eine Frage der Kultur

Auch Graf von Faber-Castell selbst weiß, dass die Sozialcharta nicht immer leicht umzusetzen ist. «Die Führungskräfte vor Ort müssen mitmachen und sich mit der Sozialcharta identifizieren», erklärte der Adlige einmal in einem Interview. So sei der chinesische Asien-Chef anfangs nicht von der Idee begeistert gewesen, Gewerkschaften im Werk in Malaysia zuzulassen.

Auch wollten die Beschäftigten selbst nicht immer die zugesicherten Standards haben – etwa wenn junge Mitarbeiterinnen in Asien sich an der Begrenzung von Überstunden stören, weil sie lieber in möglichst kurzer Zeit viel Geld verdienen wollen. Das ist alles eben eine Frage der Kultur und bedarf eines mitunter vorsichtigen Vorgehens. Schließlich sind beispielsweise Gewerkschaften in Asien politisch anders verankert als hierzulande. Daher sind die brisanten Themen auch je nach Werk und Land unterschiedlich: Hier geht es etwa um eine bessere Vereinbarung von Familie und Beruf, dort um ein kostenloses Frühstück für die Belegschaft.

Noch schwieriger ist eine Kontrolle der Sozialstandards bei den vielen Zulieferern. Da Faber-Castell oftmals nur einen geringen Anteil am Gesamtumsatz eines Lieferanten hat, kann der Stifteproduzent wenig Druck ausüben. Allerdings hat er in Brasilien auch schon einmal die Verträge aufgekündigt, weil bekannt wurde, dass der Lieferant Kinder beschäftigt.

Die Einhaltung der garantierten Standards wird regelmäßig geprüft. Dazu wurde eigens ein Managementsystem geschaffen, in das die Gewerkschaft IG Metall eingebunden ist. Gerade dieser Umstand wird hervorgehoben, wenn Faber-Castell als vorbildliches Unternehmen gelobt wird. Die Arbeitnehmervertreter in Deutschland wissen, dass es auch dem hiesigen Standort nützt, wenn es den Kollegen in Asien oder Lateinamerika besser geht – bei geringeren Lohnunterschieden sinkt das Risiko, Jobs an Billigstandorte zu verlagern.

Der Einsatz fürs Soziale ist dem Image der Marke Faber-Castell sicherlich förderlich. Doch der Graf betont stets, dass ihm das gar nicht so wichtig sei. Auch die für die internationale Personalentwicklung verantwortliche Managerin Martina Szautner sagte der «FR»: Ob und wie sich das Engagement ökonomisch auszahlt, dazu wolle ihr Chef «keine Statistik sehen». «Es ist gut und richtig, das reicht ihm.»

Anton Wolfgang Graf von Faber-Castell vor dem Schloss seiner Vorfahren in Stein bei Nürnberg
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Der 67-Jährige, seit drei Jahrzehnten an der Spitze des 1761 gegründeten Unternehmens, nimmt gern Bezug auf die Familientradition, wenn er über seine soziale Verantwortung spricht. Schließlich habe schon Lothar von Faber 1844 die zweitälteste Betriebskrankenkasse Deutschlands und sieben Jahre später einen von Deutschlands ersten Kindergärten eingerichtet. Zudem errichtete sein Vorgänger Werkswohnungen und Schulen. Außerdem sei er zu gutem Benehmen erzogen worden, betont der stets weltgewandt auftretende Graf: «Meine Eltern haben mir beigebracht, Angestellte immer respektvoll zu behandeln.» Einmal erzählte er: «Wenn ich als kleiner Bub auch nur versucht habe, unser Hauspersonal von oben herab zu behandeln, wurde ich von den Eltern sofort getadelt.»

 
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