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Pleitewelle befürchtet: 

Dosenpfand killt die Mehrwegflasche

18. Aug 2008 12:34
Eine solche Einwegdose bringt 25 Cent
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Einst war die Hälfte der alkoholfreien Getränke in Mehrwegflaschen abgefüllt. Seit der Einführung des Dosenpfands ist die Quote auf ein Viertel gesunken. Unternehmen kritisieren die Zerstörung eines funktionierenden Systems.

Immer weniger Verbraucher greifen in Deutschland zu Mehrwegflaschen. Wie das Nürnberger Marktforschungsunternehmen GfK ermittelte, sank bei alkoholfreien Getränken der Anteil im ersten Halbjahr 2008 auf 27,2 Prozent. Das waren 2,6 Punkte weniger als im Gesamtjahr 2007. Vor der Einführung des Dosenpfandes im Jahr 2003 lag der Anteil bei 51,5 Prozent. Die GfK bestätigte am Montag einen entsprechenden Bericht der Zeitung «Die Welt».

Eigentlich sollte das Pfand auf Dosen und andere Einwegverpackungen die Mehrwegquote auf Dauer deutlich erhöhen. Mittlerweile sind aber Einwegflaschen aus Plastik mit einem Anteil von 63 Prozent die mit Abstand meistgenutzte Verpackungsart bei alkoholfreien Getränken. Danach folgen laut GfK-Berechnungen Plastik-Mehrweg mit 13,7 Prozent und Glas-Mehrweg mit 13,5 Prozent. Glas-Einweg, Kartons und Dosen spielen nur eine untergeordnete Rolle.

«Natürlich ist die Entwicklung bei den alkoholfreien Getränken unerfreulich», zitiert die Zeitung das Bundesumweltministerium. «Die nicht eingetretene Lenkungswirkung in Richtung Mehrweg ist aber nur ein Aspekt.» Immerhin habe das Einwegpfand die Verschmutzung der Landschaft verringert und Stoffkreisläufe optimiert. Dennoch suche das Ministerium nun den Dialog mit allen Betroffenen, um über neue Instrumente zur Stützung der Mehrwegquote zu beraten.

«Ohne Not ein Desaster angerichtet»

Die Wirtschaftsvereinigung Alkoholfreie Getränke (WAFG), die von Anfang an gegen das Dosenpfand gekämpft hat, kritisierte das System erneut. «Die Politik hat ein funktionierendes System ohne Not kaputtgemacht und damit ein Desaster angerichtet», sagte der WAFG-Hauptgeschäftsführer Werner Witting der «Welt». Der Verband befürchtet nach eigenen Angaben in den kommenden Monaten eine Pleitewelle bei mehrwegorientierten Getränkeherstellern.

«Viele mittelständische Betriebe sind bereits in Existenznot geraten, weil sie aus Kostengründen nicht einfach von Mehrweg auf Einweg umstellen können», sagte Witting. Damit gefährde das politisch erzwungene Pfand Tausende von Arbeitsplätzen. Die WAFG sieht zudem den freien Fall der Quoten noch nicht gestoppt: «Der kontinuierliche Abwärtstrend wird sich noch über Jahre hinweg fortsetzen», sagte Witting. Experten hielten Quoten von deutlich unter 20 Prozent für möglich.

Pfandpflicht seit 2003

Das Einwegpfand auf Getränkedosen und Wegwerfflaschen geht auf die Verpackungsverordnung von 1991 zurück. Die sah vor, dass der Anteil von Mehrwegflaschen dauerhaft bei mindestens 72 Prozent bleiben muss. Für den Fall, dass dies nicht gelingt, war schon damals ein Pfand von 50 Pfennig (25 Cent) vorgesehen. 1997 war es soweit: Die Quote wurde unterschritten. Der Feststellung dieser Tatsache folgten unter dem grünen Umweltminister Jürgen Trittin jahrelanger Streit und Klagen. Handel und Industrie wehrten sich vehement. Schließlich trat die Pfandpflicht am 1. Januar 2003 in Kraft. Zunächst betraf es nur einzelne Getränkesorten. Die Einwegbehälter mussten dorthin zurückgebracht werden, wo man sie gekauft hatte. Später wurden Vereinfachungen beschlossen, die bis Mai 2006 in Kraft traten.

Damit fielen zum Beispiel sogenannte Insellösungen weg, nach denen Supermarktketten die Rücknahme auf die eigene Ware beschränken konnten. Seitdem gilt: Jeder Laden muss für alle Einwegbehälter Pfand auszahlen, die er auch selbst im Sortiment hat. Dafür haben Handel und Getränkewirtschaft ein gemeinsames Rücknahmesystem. Das Pfand von 25 Cent wird für Bier, Mineralwasser, für Limo und Cola sowie für kohlensäurefreie Erfrischungsgetränke – zum Beispiel Eistee, Fitnessgetränke und aromatisierte Wässer – und Alcopops in Einwegbehältern fällig. Ausgenommen sind Säfte, Wein und Milch sowie Wegwerfpackungen, die als umweltfreundlich gelten, vor allem also Getränkekartons. (AP)

 
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