08. Aug 2008 22:32
Der Vorsitzende des Telekommunikationsunternehmens musste Wutstürme der Anteilseigner durchstehen. Doch ein Antrag der Großaktionäre fand keine Mehrheit.
Der Redebedarf aufgebrachter Aktionäre war so groß, dass mitunter das Mikrofon abgestellt wurde. Zornige Aktionäre, die Klarheit beim milliardenschweren Kauf des Mobilfunkanbieters Debitel fordern, Nachfragen, ob Spoerr einen Teil seines Vermögens nach Südafrika transferiert habe und nicht zuletzt Klagen über den ewigen Streit zwischen Vorstand sowie Drillisch und United Internet. «Diese ständigen Streitigkeiten um Macht und Geld gehören endlich beendet», ruft ein Aktionär.Der 40-jährige Spoerr hatte alles getan, um eine Mehrheit zu organisieren. Ein Insider verrät: «Schon im Vorfeld wurde heftig in den Kulissen geschoben, damit Spoerr den Posten behalten kann.» Und Drillisch-Vorstand Vlasios Choulidis griff schon am Morgen der Entscheidung voraus: «Ich glaube nicht, dass wir die nötige Mehrheit dafür erhalten werden.» Das Anti-Spoerr-Lager hatte eine Armada an Anwälten aufgeboten, die das Aktionärstreffen mit Dutzenden Wortmeldungen und Nachfragen in die Länge zogen. So oder so: In Unternehmens- und Aktionärskreisen wird erwartet, dass Spoerr den Posten in den kommenden Monaten niederlegen könnte.
Wie kam es zu der Eskalation? Für United-Internet-Gründer Ralph Dommermuth und Drillisch-Vorstand Choulidis war Ende 2007 die Zerschlagung von Freenet beschlossene Sache. United Internet wollte die Internet-Sparte, Drillisch das Handygeschäft. Doch im Frühjahr holte der Freenet-Chef zum Gegenangriff aus: Mit dem Kauf des doppelt so großen Mobilfunkanbieters Debitel schaffte Spoerr den mit 19 Millionen Kunden drittgrößten Handy-Anbieter nach T-Mobile und Vodafone.
Die langfristige Entscheidung über den Verbleib Spoerrs fällt einer, der am Freitag gar nicht auftritt: der Investor Permira - der durch den Verkauf von Debitel nun 25 Prozent an Freenet hält. Dem Vernehmen nach stößt Spoerrs Vorgehen auch bei Permira auf Kopfschütteln - zumal keine Ergebnisverbesserung in Sicht ist.