07.08.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Allianz spürt die Finanzkrise deutlich.
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Finanzkrise hat die Allianz voll erwischt: Vor allem Verluste der Tochter Dresdner Bank verhagelten dem Konzern im zweiten Quartal erneut die Bilanz. Die Allianz senkt deshalb ihre Gewinnziele.
Der Versicherungskonzern Allianz gibt wegen der anhaltenden Finanzkrise seine Gewinnziele auf. Wegen der anhaltend schwierigen Marktbedingungen könne das 2006 gesetzte Ziel einer durchschnittlichen operativen Ergebnissteigerung von zehn Prozent bis 2009 nicht aufrecht erhalten, teilte das Unternehmen überraschend am Mittwochabend in München mit.
«Wir erwarten auch für 2009 ein Anhalten dieser schwierigen Marktbedingungen», sagte Vorstandschef Michael Diekmann laut Mitteilung. «In diesem Umfeld ist eine verlässliche Ergebnisprognose insbesondere im Bankgeschäft nicht möglich.» An der Börse fielen die Aktien der Allianz zum Handelsstart um fast vier Prozent und lagen damit am Ende der Dax-Liste.
Verluste der Dresdner Bank belasteten die Bilanz im zweiten Quartal erneut: Mit 566 Millionen Euro fiel der operative Quartalsverlust der Tochter sogar noch höher aus als von Analysten befürchtet. Ein Jahr zuvor war noch ein operativer Gewinn von 427 Millionen Euro erwirtschaftet worden. Damit schrieb die Bank im dritten Quartal in Folge tief rote Zahlen, die nun sogar noch höher ausfielen als in den beiden Quartal zuvor.
Was wird aus der Dresdner?Auf das Ergebnis der Dresdner Bank drückten neue Wertberichtigungen auf forderungsbesicherte Wertpapiere in Höhe von 286 Millionen Euro. Beim kriselnden Investmentbanking belief sich der Handelsverlust auf 627 Millionen Euro nach 351 Millionen Euro Gewinn ein Jahr zuvor. Ein Aktienhändler nannte die Lage der Bank «desaströs». Die Rolle der Allianz bei der Konsolidierung der Bankenlandschaft sei nun geschwächt.
Zuletzt wurde darüber spekuliert, dass die China Development Bank an einem Einsteig bei der Dresdner Bank interessiert sei. Ein Sprecher der Bank hatte dies nicht kommentiert. Diekmann hatte bei der Hauptversammlung im Mai gesagt, dass es Gespräche über eine Fusion oder den Verkauf der Banksparte gibt, ohne weitere Details zu nennen. Berichten zufolge würde die Allianz die Tochter gern in ein Bündnis mit der Commerzbank einbringen.
Unter der Finanzmarktkrise litt bei der Allianz allerdings auch das Lebensversicherungsgeschäft. Das operative Ergebnis des Bereichs Lebens- und Krankenversicherung ging wegen des rückläufigen Kapitalmarktergebnisses um 7,3 Prozent auf 703 Millionen Euro zurück. Im Bereich Vermögensverwaltung schrumpfte der Gewinn um 13,5 Prozent auf 325 Millionen Euro. Hier drückte vor allem der starke Euro auf das Ergebnis.
Konzernweit schmolz der Überschuss um 28 Prozent auf 1,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis sank um 36 Prozent auf 2,1 Milliarden Euro, die Umsätze schrumpften um 10 Prozent auf 22 Milliarden Euro. Damit verfehlte die Allianz zum Teil die Erwartungen der Analysten.
Gewinnrückgang auch ohne Bank«Das schwierige Marktumfeld hat die Ergebnisse im zweiten Quartal belastet», sagte Allianz-Chef Diekmann. «Aber die Kennzahlen des Unternehmens bleiben stark und wir haben ein solides Ergebnis erreicht.» Dennoch wagte er wegen der Unsicherheiten bei der Dresdner Bank keine neue Gewinnprognose.
Nur ohne die Tochter wollte Diekmann noch ein Ziel nennen: In den Bereichen ohne die Bank rechne er für 2008 und 2009 mit einem laufenden operativen Ergebnis von mindestens 9 Milliarden Euro, sagte der Allianz-Chef. Im vergangenen Jahr hatte die Allianz ohne die Bank operativ rund 10,1 Milliarden Euro verdient. Diekmann sagte, er gehe davon aus, dass das Versicherungs- und Vermögensverwaltungsgeschäft stabil genug sei, um dieses Ziel zu erreichen. (nz/dpa-AFX/AP)