Arbeitskampf:
Verdi weitet Lufthansa-Streik aus
28.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schwerpunkte waren das wichtigste Drehkreuz der Kranichlinie in Frankfurt am Main sowie Hamburg mit jeweils rund 1500 Streikenden. «Wir rechnen damit, dass der Flugverkehr Mitte der Woche stärker und Ende der Woche massiv betroffen sein wird», sagte der Hamburger Verdi-Fachbereichsleiter Dietmar Stretz.
«Catering bei der Konkurrenz einzukaufen oder das Fluggerät in anderen Werften warten zu lassen, ist richtig teuer», sagte Verhandlungsführer Erhard Ott. Lufthansa-Konkurrent Air Berlin meldete spürbar gestiegene Buchungszahlen in den vergangenen Tagen. «Wo wir können, setzen wir größere Flugzeuge ein», sagte Vorstandschef Joachim Hunold der «Bild».
Laut Lufthansa starteten bis zum späten Nachmittag rund 1200 der täglich 2000 Flüge. Im Vergleich zu sonstigen Tagen habe es «keine Auffälligkeiten» bei den Verspätungen gegeben. Zu den Kosten für die Notfallpläne äußerte sich ein Sprecher nicht. Verdi fordert für die rund 50.000 Beschäftigten am Boden und in der Kabine 9,8 Prozent mehr Geld für ein Jahr.
Die Lufthansa hat 7,7 Prozent für 21 Monate angeboten - inklusive einer Einmalzahlung - und vorgeschlagen, den Konflikt mit einem Schlichtungsverfahren zu lösen. Die Gewerkschaft erklärte, das entspreche einer Erhöhung von 3,8 Prozent auf zwölf Monate gerechnet. Verdi sei bereit, wieder zu verhandeln, wenn seitens der Lufthansa klare Signale kämen, sagte Ott. Nachdem das Management das jetzige Angebot als das Äußerste bezeichnet habe, sei es aber nun Sache der Lufthansa, sich zu bewegen. Konzernsprecher Klaus Walther wies Verdi die Schuld am Streik zu. «Verdi hat den Verhandlungstisch verlassen», sagte er. «Wir sind dialogbereit.»
Wenn der Gewerkschaftsfunktionär Bsirske den stellvertretenden Lufthansa-Aufsichtsratschef Bsirske bestreikt, müsse man sich fragen, «ob die Struktur der gewerkschaftlichen Mitbestimmung in den großen Unternehmen so noch zukunftsfähig ist». Das Kölner Institut der deutschen Wirtschaft (IW) forderte Bsirske auf, seinen Lufthansa-Aufsichtsratsposten für die Dauer der Streiks ruhen zu lassen. (AP, nz)

