Arbeitskampf bei Lufthansa: 

netzeitung.deStreikbrecher erfreuen überraschte Touristen

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Nicht im Streik sind diese Beschäftigte der Lufthansa (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Nicht im Streik sind diese Beschäftigte der Lufthansa
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«Das kann doch nicht alles gewesen sein» - die Kundschaft an den Flughäfen erlebt den ersten Tag des Lufthansa-Streiks ohne besonderen Stress. Doch hinter den Kulissen zeigt der Ausstand schon Wirkung.

Verpufft der verdi-Streik oder ist dies nur die Ruhe vor dem Sturm? Diese Frage stellten sich Tausende Lufthansa-Passagiere am Montag auf dem Frankfurter Flughafen. Bis zum frühen Nachmittag lief der Betrieb weitgehend reibungslos. Sätze wie: «Das kann doch noch nicht alles gewesen sein», waren zu hören. Konzernsprecher Klaus Walther musste den wartenden Reportern lediglich von «ein paar Einschränkungen beim Catering» berichten. Gleichwohl war für das Management Großkampftag: «Hinter den Kulissen spüren wir den Streik sehr wohl», hieß es.

Im Terminal 1, der Heimat der Lufthansa: Gegen 13 Uhr sind so gut wie alle Schalter besetzt. Von Verspätungen sind nicht mehr Passagiere betroffen als an jedem x-beliebigen Vormittag in der Hauptreisezeit. «Ich bin total erleichtert», sagt Claudia Waskönig, die den zwölfjährigen Theo und Emil (7) in den Flieger nach Mailand setzen will. «In Italien werden sie von Verwandten abgeholt. Deshalb wäre es richtig blöd, wenn die Jungs erst Stunden später ankämen.»
«Hotline war eine große Hilfe»
Auch Katja Elsner bereitete der Gedanke an Flughafen-Chaos Kopfzerbrechen. «Ich hab mir vorher echt total Sorgen gemacht», sagt die 19-Jährige, die ein Praktikum in Indien absolvieren will und fürchtete, in Bombay den Anschlussflug in die Provinz zu verpassen. «Ich dachte: Ausgerechnet, wenn ich mal so weit fliegen will, wird gestreikt.» Ein Anruf bei der Lufthansa-Hotline beruhigte sie dann aber: «Dort sagte man mir, dass alle Langstreckenflüge planmäßig stattfinden. Das war eine große Hilfe.» Im Terminal selbst stehen Mitarbeiter der Airline Rede und Antwort und zeigen orientierungslosen Ankömmlingen den Werk zum richtigen Schalter. Gestresst wirken sie nicht, einige tragen T-Shirts mit der Aufschrift: «I am not on strike» (Ich streike nicht).

Günther Zimmermann und seinen Sohn Oliver beruhigt der Blick auf die riesige Anzeigetafel: «Bisher sieht es so aus, als ob unsere Maschine nach Mexiko pünktlich starten kann», sagt der 14-Jährige, der sich auf einen Besuch bei seinem Onkel freut. Fast schon verdächtig ruhig kommt seinem Vater die Lage im Terminal und an den Lufthansa-Schaltern vor: «Hier ist ja alles wie immer. Nach den Berichten der letzten Tage hatte ich eigentlich erwartet, dass hier einiges drunter und drüber geht.» Aber vielleicht, so vermutet der erfahrene Passagier, sei dies ja nur die Ruhe vor dem Sturm.

Ab Mittwoch soll Flugverkehr massiv getroffen werden
Die Wut der Beschäftigten ist dagegen auf der Hamburger Lufthansa-Werft zu spüren. Wer dort arbeiten wollte, musste an erbosten Streikenden vorbei. «Immer geradeaus. Da gibt's Arbeit satt für die Streikbrecher», ruft ein Streikposten einem Autofahrer zu, der sich vor dem einzigen offenen Werkstor eingereiht hat. Mehrere Dutzend verdi-Mitglieder mit Streikwesten, Fahnen und Trillerpfeifen lassen die Autos nur im Schritttempo passieren. Insgesamt 1500 Mitarbeiter bestreikten seit den frühen Morgenstunden das Gelände, wie verdi mitteilt. «Wir werden heute und die kommenden Tage so weitermachen», sagt der zuständige Fachbereichsleiter von verdi Hamburg, Dietmar Stretz, und kündigt an: «Wir rechnen damit, dass der Flugverkehr Mitte der Woche stärker und Ende der Woche massiv betroffen sein wird.» Hamburg ist zwar ein verhältnismäßig kleiner Flughafen, aber der Standort für die beiden wichtigen Bereiche Lufthansa Technik und Logistik.
«Gute Arbeit, gutes Geld»
Ulrich Meyer, Betriebsrat von Lufthansa Technik, sieht deshalb folgenschwere Auswirkungen auf den Konzern zukommen: «Irgendwann werden die Teile knapp werden.» Von der Logistikzentrale in Hamburg aus würden Flugzeugteile in alle Welt geliefert. «Wenn die Teile nicht bereitgestellt werden, wird es nach drei bis vier Tagen eng.» Für ihn sind die Forderungen der Mitarbeiter mehr als berechtigt. «Wenn ums Sparen geht, sind wir immer zum Mithelfen bereit. Wir wollen auch irgendwann mal was vom Gewinn abhaben.» Auf seinem roten T-Shirt steht daher auch ein kämpferischer Spruch: «Gute Leute, gute Arbeit, gutes Geld.«

Der Streik bei der Lufthansa kostet das Unternehmen nach Darstellung der Gewerkschaft verdi «richtig viel Geld», auch wenn Auswirkungen für die Reisenden bislang relativ gering geblieben seien. Ziel des Ausstands sei nicht, die Passagiere zu behindern, sondern wirtschaftlichen Druck aufzubauen. «Catering bei der Konkurrenz einzukaufen oder das Fluggerät in anderen Werften warten zu lassen, ist richtig teuer», erklärte verdi-Verhandlungsführer Erhard Ott am Montag.

Ausweitung am Nachmittag
Zudem seien die Buchungen schon seit der Urabstimmung enorm zurückgegangen, betonte Ott. Zwar sei die Zahl der ausgefallenen Flüge noch relativ gering: «Der Notfallplan der Lufthansa kostet das Unternehmen aber richtig viel Geld.» Den Angaben zufolge folgten mehr als 4000 Beschäftigte aus allen Geschäftsfeldern der Lufthansa bis zum Mittag dem Streikaufruf. Ab dem Nachmittag kämen die Beschäftigten der Spät- und Nachtschichten dazu. Betroffen seien nahezu alle deutschen Standorte des Unternehmens. (AP)