23.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Schaeffler will bei Conti nicht nur Besucher bleiben
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Conti-Chef Wennemer kämpft weiter gegen Schaeffler. Dabei hätte die Übernahme durch die Franken durchaus etwas für sich, meint Matthias Breitinger . Und das hat nichts damit zu tun, dass jetzt sogar Wirtschaftsminister Glos sich positiv äußert.
Den Aufschrei, vor allem in Niedersachsen, kann man sich bildhaft vorstellen: «Halt dich das raus, Michel ist ja logisch, dass du der Schaeffler-Gruppe gegen Conti den Rücken stärkst. Schaeffler und du, ihr seid ja beide aus Franken!» Das ganze wohl nicht ohne den Hinweis darauf, dass eben jener Michael Glos in seinem Amtstitel den Präfix «Bundes-» trägt und deshalb neutral bleiben sollte.
Das mag ja sein. Aber der als «fränkischer Müllermeister» verspottete Bundeswirtschaftsminister hat schon so viel Häme ertragen müssen, dass man an dieser Stelle einmal ruhig schreiben darf: Sie haben Recht, Herr Glos! Recht in ihrer positiven Einstellung gegenüber dem Angebot der Schaeffler-Gruppe für den hannoverischen Autozulieferer Continental. Schließlich ergibt eine Übernahme unternehmerisch durchaus Sinn. Gemeinsam wächst die Macht gegen die starke Autoindustrie, und Schaeffler und Conti unterscheiden sich in ihrem Portfolio so weit, dass sich beide vernünftig ergänzen.
Dass Schaeffler gerade jetzt mit einem Übernahmeangebot ankommt, weil der Aktienkurs von Continental stark gesunken und nun besonders niedrig ist, kann gerade das Conti-Management den Franken nicht vorwerfen so funktioniert Marktwirtschaft eben, und die Hannoveraner haben das in der Vergangenheit bei Zukäufen selbst auch nicht anders gehandhabt. Insofern ist die Abwehrhaltung, die dem Herzogenauracher Familienunternehmen nun aus dem Norden entgegenschlägt, wenig nachvollziehbar.
Da steht Conti einer Beteiligung durchaus positiv gegenüber doch als Schaeffler mehr als die gebotenen 20 Prozent will, schlägt Conti-Chef Manfred Wennemer wie wild um sich. Unterstellt den Franken gar Rechtsbruch. Warum so aufgeregt, Herr Wennemer? Weil Sie als Konzernchef vor allem den Aktionären gegenüber verpflichtet sind und sich bei der Übernahme mehr herausholen ließe als die von Schaeffler angebotenen rund 70 Euro je Aktie? Sicher, der Preis mag zu niedrig sein. Große Conti-Investoren sehen einen fairen Kurs bei 80 bis 100 Euro. Damit ist wohl noch Luft nach oben unklug wäre die Übernahme indes nicht.
Betriebsrat aufgeschlossenWenn man nicht auf Minister Glos verweisen will (der zu Recht einwirft, dass der Politik in dem Geschäft keine Rolle zukomme, da es sich um eine «rein unternehmerische Entscheidung» handele), dann genügt ein Blick auf Äußerungen der Beschäftigten. Die haben nämlich gegen Schaeffler gar nichts einzuwenden vorausgesetzt, es gibt Zusagen für Arbeitsplätze und eine langfristige Perspektive für die Standorte. Schaeffler will zumindest garantieren, dass Conti nicht zerschlagen wird. Firmenchef Jürgen Geißinger teilte dem Conti-Gesamtbetriebsrat bereits mit, dass es nicht zu Jobverlagerungen oder Stellenabbau kommen werde.
Das wird auch der niedersächsische IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine vernommen haben, der Mitglied des Conti-Aufsichtsrats ist und Schaeffler äußerst skeptisch gegenüber steht. Kritiker des fränkischen Unternehmens weisen denn auch darauf hin, dass bei früheren Übernahmen sich Schaeffler auch nicht dauerhaft an Zusagen gehalten habe konkret geht es dabei um den Wälzlagerhersteller FAG Kugelfischer.
Hubertus von Grünberg, der dem Conti-Aufsichtsrat vorsitzt, steht Schaeffler indes aufgeschlossen gegenüber. Harte Kämpfe gegen die Übernahme will er nicht ausfechten, hat er bereits öffentlich bekundet. Dass er damit dem Vorstandsvorsitzenden in den Rücken gefallen ist, ist das eine. Die Vernunft einer Übernahme ist das andere: Auch in der Bundesregierung beobachtet man das Vorgehen aus Franken mit Wohlwollen. Besser ein deutsches Familienunternehmen als ein ausländischer Investor oder Staatsfonds, heißt es in Berlin.
Nun spielt ein Autozulieferer sicherlich keine Schlüsselrolle wie Konzerne der Energie- oder Telekommunikationsbranche, so dass der Bund bei einem Einstieg aus dem Ausland hellhörig werden müsste aber in einem Land, in dem die Autoindustrie seit Jahrzehnten einen der wichtigsten Industriezweige darstellt, verfolgt auch die Politik mit Recht genau, was in der Branche passiert. Dort steht womöglich schon in Kürze die Conti-Übernahme durch Schaeffler an. Warum auch nicht.