Gewinnsprung im ersten Halbjahr: 

netzeitung.deVW entkommt dank neuer Modelle der Flaute

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Produktion bei Volkswagen (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Produktion bei Volkswagen
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Ein Blick auf die Zahlen zeigt, dass VW seine Kostenstruktur im Griff hat: Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz um drei, der Vorsteuergewinn dagegen um 25 Prozent. An der Börse erntete der Konzern viel Lob.

Der Autobauer Volkswagen hat trotz sich eintrübender Bedingungen auf den Automärkten im ersten Halbjahr 2008 seinen Wachstumskurs fortgesetzt. Umsatz und Gewinn legten weiter zu, die Gewinnerwartungen des Marktes wurden deutlich übertroffen. «Dies zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind», sagte VW-Chef Martin Winterkorn bei der Zahlenvorlage am Mittwoch in Wolfsburg.

In den ersten sechs Monaten dieses Jahres hatte VW den operativen Gewinn um 22 Prozent auf 3,434 Milliarden Euro gesteigert. Analysten hatten im Schnitt nur mit 3,147 Milliarden Euro gerechnet. Der Umsatz stieg um 3 Prozent auf 56,5 Milliarden Euro. Hier hatten die Analysten 56,3 Milliarden Euro erwartet. Der Vorsteuergewinn stieg um 25 Prozent auf 3,783 Milliarden Euro. Unterm Strich blieb ein Überschuss von 2,572 Milliarden Euro, 31 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Als einen Grund für die guten Halbjahreszahlen nannte der Konzern sein «Modellfeuerwerk». Volkswagen erschließe neue Marktsegmente und baue sein Produktangebot gezielt weiter aus. «Durch die erfolgreiche Modelloffensive, schlankere Prozesse und unsere strikte Kostendisziplin ist Volkswagen in der Lage, profitabel zu wachsen», sagte Finanzvorstand Hans Dieter Pötsch. In diesem Jahr feierten unter anderem der Passat CC und der neue Scirocco Marktpremiere, VW-Tochter Audi präsentierte den A4 Avant und das A3 Cabriolet.

Sorgenkind Seat mit weniger Umsatz
Den unerwartet starken Gewinnanstieg im ersten Halbjahr verdankt der Konzern vor allem VW und Audi. Skoda und Seat blieben indes hinter den Erwartungen zurück. Im Vergleich zum Vorjahr legten aber alle Sparten beim Gewinn zu, beim Umsatz verbuchte nur Sorgenkind Seat einen Rückgang.

Die Pkw-Marke Volkswagen legte beim Gewinn knapp ein Drittel auf 1,295 Milliarden Euro zu. Belastungen durch den starken Euro seien hier durch höhere Volumen und geringere Fixkosten überkompensiert werden, hieß es. Damit liegt die Marke VW, die lange als ertragsschwach galt, nahezu gleichauf mit Audi: Die Ingolstädter Tochter erwirtschaftete einen operativen Gewinn von 1,299 Milliarden Euro, 28 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2007.

Das Wachstum der tschechischen Tochter Skoda wurde dagegen von der starken Krone gebremst. In Euro umgerechnet legte der operative Gewinn nur um 7 Prozent auf 381 Millionen Euro zu. Die Analysten hatten hier mit 408 Millionen Euro gerechnet. Sorgenkind Seat schrieb zwar keine roten Zahlen, ein operatives Ergebnis von 2 Millionen Euro bedeutet aber ein deutliches Minus gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Der Finanzdienstleistungsbereich übertraf das Niveau des Vorjahres um 12 Millionen und erreichte ein operatives Ergebnis von 523 Millionen Euro. Auch Lamborghini und Bugatti hätten sich gut entwickelt, hieß es.

Vom jüngst übernommenen schwedischen Lkw-Bauer Scania verspricht sich VW bereits im laufenden Jahr einen positiven Gewinnbeitrag. VW hatte wie angekündigt am Dienstag seinen Anteil an Scania auf 68,6 Prozent erhöht. Der Lkw-Hersteller soll nun ab Juli als neunte Marke des Konzerns in der Bilanz konsolidiert werden. Die Nutzfahrzeugsparte verbuchte im ersten Halbjahr einen Gewinnsprung: Das operative Ergebnis stieg um mehr als 75 Prozent auf 215 Millionen Euro.

Börsianer sehen Ausblick mit Skepsis
Für das Gesamtjahr bekräftigte Winterkorn das Ziel, Absatz, Umsatz und operativen Gewinn gegenüber 2007 zu erhöhen. Insgesamt werde die weltweite Autonachfrage wegen der schwachen Märkte in Westeuropa und Nordamerika aber langsamer wachsen als im Vorjahr. In Westeuropa und den USA sei sogar mit einem Rückgang der Zulassungszahlen zu rechnen, hieß es. In Südamerika, wo VW stark vertreten ist, geht der Konzern davon aus, dass sich das Wachstum des Marktes etwas verlangsamt. Die Region werde aber neben Russland, Indien und China auch 2008 einer der Wachstumsträger für die globale Autoindustrie bleiben.

Händler lobten die Halbjahreszahlen, zeigten sich beim Ausblick allerdings zum Teil etwas skeptisch. «Die Zahlen sind deutlich besser als erwartet ausgefallen. Das ist gut», sagte Händler Christoph Schmidt von der Wertpapierhandelsbank Fleischhacker. Ihm fehle aber eine präzise Prognose. Die Aussage von VW, im Jahr 2008 mehr verdienen zu wollen als 2007, sei ungenau. Nach sechs Monaten habe VW bereits mehr als die Hälfte des Vorjahreswertes erreicht. «Jetzt lautet die Frage, ob die zweite Jahreshälfte stärker oder schwächer ausfallen wird.» Der VW-Aktienkurs war bereits vor Veröffentlichung der Zahlen erstmals über 200 Euro gesprungen und danach weiter auf über 202 Euro gestiegen. (nz/AP/dpa/dpa-AFX)