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Übernahme-Gebot für Continental: 

Aufsichtsratsboss geht auf Distanz zum Vorstand

22. Jul 2008 18:42
Aufsichtsratschef von Grünberg: Vernunft angesagt
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Der Chef des Kontrollgremiums rät Vorstand Wennemer von einem Kampf um jeden Preis ab. Vernunft sei angesagt, so von Grünberg. Der Vorstand argumentiert auch mit Gewerkschafts-Argumenten gegen die Übernahme.

Im Übernahmekampf um den Autozulieferer Continental ist Conti-Aufsichtsratschef Hubertus von Grünberg auf Distanz zu Vorstandschef Manfred Wennemer gegangen. Kurz vor einer Sitzung des Aufsichtsrats in Hannover warnte von Grünberg vor einem «Kampf um jeden Preis».

Es sei «Vernunft angesagt», sagte von Grünberg dem «manager magazin». Die große Frage sei, für wie sicher man einen Erfolg der Schaeffler-Gruppe halte, die für Continental ein Übernahmeangebot vorgelegt hat. «Wenn die Übernahme wahrscheinlich ist, dann bevorzuge ich, dass wir keine verbrannte Erde hinterlassen.»

Führungskräfte unterstützen Wennemer

Unterstützung bekam Wennemer dagegen von den Conti-Führungskräften. «Wir haben einfach kein Vertrauen», sagte der Sprecher der leitenden Angestellten Thorsten Reese. Sie schenkten den Zusicherungen Schaefflers, dass Conti im Falle einer Übernahme nicht zerschlagen werde und ein eigenständiger Konzern mit Sitz in Hannover bleibe, keinen Glauben. «Die können uns das Blaue vom Himmel versprechen», sagte Aufsichtsratsmitglied Reese.

Auch der Gesamtbetriebsrat äußerte «große Sorge» um Arbeitsplätze und Standorte. In einem offenen Brief an Maria-Elisabeth Schaeffler und ihre Unternehmensgruppe verlangen die Arbeitnehmer-Vertretet ein klares Bekenntnis zum Erhalt der Arbeitsplätze. Außerdem müsse es die Zusage geben, dass die Continental-Reifensparte nicht verkauft und der Konzern nicht zerschlagen werde, sagte Bruns. «Wir haben nichts gegen einen Investor aus einem deutschen Familienunternehmen», fügte sie hinzu. Aber die Art und Weise des Einstiegs habe bei den Arbeitnehmern Skepsis ausgelöst.

Von Grünberg setzt auf vertragliche Garantien

Von Grünberg sagte dazu, für eine Zerschlagung der Continental AG stehe er nicht zur Verfügung. Schaeffler sichere aber zu, Conti nicht zerschlagen zu wollen. «Schaeffler will das sogar vertraglich garantieren.» Zudem sagte von Grünberg, er könne sich «besonders im Autoteilegeschäft Finanzierungsformen außerhalb der börsennotierten Aktiengesellschaft gut vorstellen»

Dagegen ist der Vorstand wesentlich misstrauischer. Bei einem erfolgreichen Vorstoß von Schaeffler drohe eine Zerschlagung von Conti, ein Verkauf der Reifensparte und die Gefährdung von Jobs, hieß es. «Wir werden die Unabhängigkeit dieses Unternehmens verteidigen und dafür kämpfen.»

Dem Vorstand ist auch der Preis zu niedrig

Der angebotene Preis - Schaeffler bietet 70,12 Euro pro Aktie - ist aus Sicht des Conti-Vorstands deutlich zu niedrig. Medienberichten zufolge lehnen auch große Aktionäre das Angebot ab. Branchen-Analysten halten einen Preis zwischen 80 und 100 Euro für gerechtfertigt.

Von Grünberg sagte dem «manager magazin», er und Wennemer müssten die Angemessenheit des Schaeffler-Angebots sorgfältig prüfen. Die Meinungsverschiedenheiten zwischen ihm und dem obersten Manager Wennemer seien dabei nicht grundlegend. Conti müsse sich so schnell wie möglich wieder auf operative Aufgaben konzentrieren. «Ein derartiges Übernahmeangebot lenkt den Vorstand zu sehr ab», sagte von Grünberg.

Grünberg sieht sich nicht als «Architelt im Hintergrund»

Den Verdacht, er sei bei dem Übernahmeversuch der «Architekt im Hintergrund» gewesen, nannte er falsch. «Ich schätze Frau Schaeffler, ich weiß, dass sie ehrgeizig ist», sagte von Grünberg. «Aber der Angriff auf Conti war nicht vorhersehbar.»

Von Grünberg gehörte bei der Schaeffler-Gruppe bis vor wenigen Jahren zum Beirat. Zudem kennt er Schaeffler-Geschäftsführer Jürgen Geißinger noch aus gemeinsamen Zeiten beim Zulieferer Teves, den später Conti geschluckt hatte.

Schaeffler beharrt auf 30-Prozent-Anteil

Schaeffler will nach eigenen Angaben mehr als 30 Prozent der Conti-Anteile übernehmen. Der Conti-Vorstand ist nur zu einer Beteiligung von 20 Prozent bereit, was wiederum Schaeffler ablehnt.

Schaeffler hat direkt und über sogenannte Swap-Geschäfte bereits Zugriff auf ein Aktienpaket von rund 36 Prozent, falls die an dem Deal beteiligten Banken bis zum Ende mitspielen. Damit hätte Schaeffler wegen der geringen Präsenz auf Hauptversammlungen faktisch das Sagen bei der Conti. Wennemer hatte das Vorgehen Schaefflers als rechtswidrig bezeichnet. (dpa/AP)

 
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