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Eisgekühlter Bommerlunder bald überall: 

Finanzinvestor kauft Schnapsbrenner Berentzen

22. Jul 2008 17:27, ergänzt 18:15
Berentzen-Mitarbeiterin: Brennen für neuen Eigner
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Die zerstrittenen Eignerfamilien von Berentzen verkaufen den 250 Jahre alten Spirituosenhersteller an einen Finanzinvestor. Der will die «alten Klassiker» zu «Lifestylemarken» wandeln und Berentzen so aus den roten Zahlen führen.

Der Finanzinvestor Aurelius übernimmt die Kontrolle beim traditionsreichen Spirituosenbrenner Berentzen. Von drei der vier Eigentümerfamilien erwerbe Aurelius 75,1 Prozent der 4,8 Millionen Stammaktien, teilten beide Unternehmen am Dienstag mit. Der Kaufpreis für den angeschlagenen Spirituosenhersteller wurde nicht mitgeteilt.

Die restlichen 24,9 Prozent der Stammaktien sollen in Familienbesitz bleiben. Deren Übernahme sei nicht beabsichtigt, so Aurelius. Berentzen hatte im vergangenen Geschäftsjahr einen Millionenverlust erlitten. Aurelius-Chef Dirk Markus erklärte das mit einem verstaubten Image, rückläufigen Marktanteilen im stagnierenden deutschen Markt und einer verfehlten Expansionspolitik mit zu vielen Marken.

Neue Strategie: Lifestyle und Wachstum im Ausland

Der designierte neue Hauptaktionär kündigte deshalb eine Neuausrichtung der Strategie an. «Wir planen, vor allem den alten Klassikern neues Leben einzuhauchen und sie als Szene- und Lifestylemarken mit hoher Präsenz am Markt zu positionieren«, sagte Aurelius-Vorstand Donatus Albrecht. Berentzen solle zudem auch im Ausland kräftig wachsen. Bisher macht Berentzen 90 Prozent seines Umsatzes in Deutschland.

Dagegen sollen einige kleinere Werke stillgelegt und absatzschwache Marken aufgegeben werden. Der Firmensitz Haselünne in Niedersachsen und der zweite Hauptstandort Minden/Westfalen blieben aber erhalten, sagte Markus weiter. Mit den Maßnahmen will Aurelius Berentzen zügig wieder in die schwarzen Zahlen führen. Im vergangenen Jahr hatte das 250 Jahre alte Familienunternehmen, das mit Apfelkorn, Bommerlunder, Doornkaat und Puschkin-Wodka bekannt geworden ist, 186 Millionen Euro umgesetzt (ohne Branntweinsteuer) und mit rund 700 Mitarbeitern einen Fehlbetrag von 11,8 Millionen Euro erwirtschaftet.

2,68 Euro für die Vorzugsaktie

Für die nicht stimmberechtigten Vorzugsaktien kündigte Aurelius ein Übernahmeangebot an. Je Papier werde man 2,68 Euro bieten, so Aurelius. In den letzten drei Monaten hatte die Aktie zwischen 2,21 Euro und 3,35 notiert.

Um den Verkauf der Berentzen-Anteile hatte es in den vergangenen Tagen erhebliche Differenzen innerhalb der Eignerfamilien gegeben. Während die Familien Pabst und Richarz das Kaufangebot von Aurelius annehmen wollten, lehnten Teile der Familie Berentzen um den ehemaligen Vorstandschef Jan B. Berentzen dieses ab. Ob das Angebot nachgebessert wurde, war am Dienstag zunächst nicht bekannt.

Friedrich Berentzen senior sagte nun: «Wir haben lange mit uns gerungen und nach einer optimalen Lösung gesucht. Mit Aurelius haben wir jetzt einen Partner gefunden, der auf der 250-jährigen Tradition unseres Unternehmens aufbaut und eine gute Heimat für Mitarbeiter, Kunden und Lieferanten bietet.»

Gewerkschaft NGG wartet ab

Die Gewerkschaft Nahrung, Genuss, Gaststätten (NGG) reagierte zurückhaltend. «Aurelius ist in unserer Branche noch nicht aufgetreten. Wir haben deswegen keine Erfahrungen mit dem Investor», sagte Sprecherin Karin Vladimirov. Auch kenne die Gewerkschaft die Pläne für Berentzen nicht. Der Münchner Finanzinvestor ist auf die Übernahme mittelständischer Unternehmen und abgestoßener Konzerntöchter spezialisiert. Berentzen ist bisher die größten Übernahme. Mit der neuen Tochter überschreitet Aurelius die Milliardenschwelle beim Umsatz. (nz/AP/dpa)

 
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