Stellenabbau beim Technologiekonzern:
Siemens will nicht betriebsbedingt kündigen
22. Jul 2008 16:16
 |  Siemens: Stellenabbau ohne betriebsbedingte Kündigung | Foto: dpa |
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Der Konzern hält daran fest, insgesamt fast 17.000 Stellen abzubauen. Nach der Einigung mit den Arbeitnehmer-Vertretern muss er aber etwa über Altersteilzeit dahin kommen. Auch der Verkauf einer Sparte wird gestrichen.
Der Siemens-Konzern hat den Arbeitnehmern beim geplanten Stellenabbau Zugeständnisse gemacht und will auf betriebsbedingte Kündigungen verzichten. Darauf hätten sich Vertreter der IG Metall, des Gesamtbetriebsrats und der Unternehmensleitung geeinigt, teilte die Gewerkschaft in Frankfurt mit. Sie bestätigte damit einen entsprechenden Bericht der «Süddeutschen Zeitung».
Bis Ende September 2010 sollen außerdem keine deutschen Standorte von Siemens verlagert oder geschlossen werden. Ein Sprecher des Konzerns betonte allerdings, am Umfang der Einschnitte ändere sich nichts. Weltweit sollten weiter 16.750 Stellen wegfallen, davon 5250 in Deutschland. Einzelheiten sollen am Mittwoch nach Rücksprache mit den Betriebsräten bekanntgeben werden.
Altersteilzeit, Auflösungsverträge und Umschulungen
Um auf die geplante Zahl zu kommen, muss Siemens nun unter anderem mit Altersteilzeitregelungen und freiwilligen Auflösungsverträgen auskommen. Ausscheidenden Mitarbeitern sollen laut IG Metall Umschulungen angeboten werden. Berthold Huber, der Erster Vorsitzende der Gewerkschaft, wertete die Einigung als Erfolg. «Mit der Zusicherung, dass der Konzernumbau ohne betriebsbedingte Kündigungen erfolgt, kommt Siemens der wichtigsten Forderung der IG Metall nach.» Die vielfältigen Proteste von den Beschäftigten, von Betriebsräten und der IG Metall hätten Bewegung gebracht, so Huber. Für Mittwoch geplante Protestaktionen der Mitarbeiter in Krefeld und Erlangen wurden abgesagt.
Kein Verkauf von Industrie Montage Service
Siemens rückte laut IG Metall auch von seinen Plänen ab, das Segment Industrie Montage Services (SIMS) zu verkaufen. Das Unternehmen hat sich demnach verpflichtet, den Service und den Vertrieb in der Fläche zu erhalten und auszubauen. In der Verkehrstechniksparte «Mobility» werde zwar kein deutscher Standort geschlossen, allerdings werde es im Zuge der Sanierung in diesem Bereich zu einem größeren Stellenabbau kommen. Nach Angaben aus Branchenkreisen vom Samstag könnte der Standort Prag mit rund 1000 Beschäftigten entweder verkauft oder geschlossen werden. Über die weiteren Schritte im Bereich IT Solutions and Services (SIS) soll neu beraten werden. Der Schutz vor betriebsbedingten Kündigungen gilt aber auch hier.
Kosten sollen um 1,2 Milliarden sinken
Derzeit wird das Abkommen noch dem Gesamtbetriebsrat bei einem Treffen in Krefeld vorgestellt. Am Mittwoch wollen sich laut Siemens dann Personalvorstand Siegfried Russwurm und die Betriebsräte näher äußern. Hintergrund des Stellenabbaus sind geplante Kostensenkungen in Verwaltung und Vertrieb von 1,2 Milliarden Euro bis 2010 sowie der Umbau von Geschäftsbereichen. (dpa)