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Investment aus Moskau: 

Russen mischen deutsche Touristik auf

22. Jul 2008 11:05
Vural Öger (l.) und Alexander Lebedew
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Ein Großteil der russischen Auslandsurlauber reist in die Türkei. Da ist das geplante Investment des russischen Milliardärs Lebedew nur logisch: Er will Öger Tours übernehmen - nicht der einzige Russe, der in der deutschen Touristik aktiv ist.

Russische Investoren gewinnen bei deutschen Touristikunternehmen an Einfluss. Der Milliardär Alexander Lebedew übernimmt 76 Prozent an Deutschlands sechstgrößtem Reiseveranstalter Öger Tours, wie er selbst der Moskauer Wirtschaftszeitung «Kommersant» sagte. «Die Dokumente sind unterzeichnet, aber das Geld ist noch nicht überwiesen», wird der frühere KGB-Offizier in dem Blatt zitiert. Dem Geschäft müssten noch die deutschen Kartellbehörden zustimmen.

Außerdem hat der Russe angeblich die Option erhalten, im Laufe zweier Jahre die restlichen 24 Prozent übernehmen zu können. Der auf Türkeireisen spezialisierte Veranstalter Öger hatte nach eigenen Angaben im vergangenen Jahr 1,25 Millionen Gäste. Lebedew ist bereits mit 49 Prozent an der deutschen Fluggesellschaft Blue Wings beteiligt, die mit Öger Tours kooperiert. Außerdem hält Lebedews Holding NRK 100 Prozent an der russischen Gesellschaft Red Wings sowie etwa 30 Prozent an der früheren Staatslinie Aeroflot.

«Kommersant» zufolge kauft Lebedew über die schweizerische Firma Alpstream AG, die zu NRK gehört, von Vural Öger die Anteile. Nach Schätzungen von Experten liegt der Kaufpreis bei 125 Millionen Euro. Eine Öger-Sprecherin bestätigte der Tageszeitung «Die Welt», dass dem Unternehmen ein Angebot vorliege, das geprüft werde. Dem Blatt zufolge betrachtet der russische Investor das touristische Know-how von Öger Tours als wertvolle strategische Ergänzung zu den Flugbeteiligungen, weil bereits ein Drittel der russischen Auslandstouristen in der Türkei und in Ägypten Urlaub machen.

Kampf der Tui-Aktionäre

Mit dem Investment ist Lebedew nicht der einzige Russe, der in der deutschen Tourismusbranche aktiv ist. Erst am Montag hatte der Tui-Großaktionär Alexej Mordaschow mitgeteilt, dass er seinen Anteil an dem hannoverischen Reise- und Schifffahrtskonzern auf mehr als 15 Prozent ausgebaut habe. Damit schließt der Stahlmagnat zu dem bislang größten Tui-Aktionär John Fredriksen auf, der bereits mehr als 15 Prozent an Tui hält und seit Monaten Front gegen die Konzernspitze macht. Mordaschow hingegen gilt als Unterstützer der Tui-Führungsmannschaft.

In dem Streit geht es um die Aufstellung des Konzerns mit seinen beiden Säulen. Auf Fredriksens Drängen hin hatte Tui damit begonnen, die Reedereitochter Hapag-Lloyd abzuspalten und den Verkauf einzuleiten. Jetzt spricht sich der Norweger aber gegen einen Verkauf aus, weil derzeit kein guter Preis zu erzielen sei. Mordaschow stellte sich dagegen erneut hinter das Management des Konzerns. Die geplante Trennung von Hapag-Lloyd sei im Sinne der Aktionäre, da dadurch die finanzielle Flexibilität von Tui gestärkt werde.

Fredriksen will Tui in eine Schifffahrts- und eine Touristik-Sparte aufgespalten sehen, um sich dann bei der Reederei zu engagieren. Während Fredriksen weitere Investitionen in die Touristik ablehnt, sieht Mordaschow auf dem internationalen Tourismusmarkt weiterhin großes Wachstumspotenzial. Dies gelte besonders für Schwellenländer wie Russland. Dort baut der Russe zusammen mit Tui ein eigenes Reisegeschäft auf. (nz/dpa)

 
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