21. Jul 2008 16:25
User von Online-Auktionshäusern sind oft frustriert: In letzter Minute wird man noch überboten, und als Verkäufer erzielt man womöglich nicht den erhofften Preis. Doch es gibt auch Websites, die ganz anders laufen.
Bei Auktionsportalen wie etwa Ebay läuft es dagegen genau umgekehrt. Wer etwas anzubieten hat, eröffnet eine Auktion – mit der Folge, dass häufig der Preis hochgetrieben oder der Interessent in letzter Sekunde noch überboten wird und der Anbieter auf der anderen Seite das Risiko eingeht, womöglich seine Ware unter dem erhofften Preis abgeben zu müssen.Darüber hat sich auch der langjährige SAP-Berater Thomas Michels immer wieder geärgert – und schließlich vor drei Jahren ein eigenes Portal namens Push The Price.de gestartet, das nach dem Ausschreibungsprinzip Rückwärtsauktionen anbietet. Auf diese Weise arbeitet auch - allerdings nur für Handwerker und Dienstleister - das Portal Myhammer.
Auf PushThePrice.de eröffnet nicht der Verkäufer die Auktion, sondern der Benutzer, der eine bestimmte Ware sucht und damit angibt, wie viel er maximal dafür bezahlen will. Auch die Versandkosten und die Zahlungsweise definiert der Auktionsinhaber. Das geringste Gebot erhält am Schluss den Zuschlag: «Das Motto lautet 'Wer bietet weniger'», erläutert Michels das Konzept im Gespräch mit der Netzeitung. Seit einem Jahr betreibt er von seiner rheinland-pfälzischen Heimat Bodenheim aus die gleichnamige Firma. Sie ist für die Website verantwortlich, die vor wenigen Wochen in verändertem Design neu durchstartete.
Von Ebay unterscheidet sich Push The Price aber nicht nur durch das Auktionsprinzip – das Angebot ist für sämtliche Nutzer vollkommen kostenlos, auch Provisionen nach erfolgreicher Auktion werden nicht verlangt. «Das ist ein Anreiz, um gegen die Platzhirsche bestehen zu können», räumt Michels ein, der die Website derzeit über Bannerwerbung finanziert. Wobei sich der Existenzgründer durchaus vorstellen kann, irgendwann einmal auch besondere Features einzurichten, die dann kostenpflichtig wären.
Derzeit arbeitet Michels an weiteren Funktionen, die in den nächsten Wochen hinzukommen sollen, etwa eine Nachrichtenfunktion, mit der die registrierten Nutzer Mitteilungen, die das System während laufender Auktionen generiert, und Nachrichten potenzieller Auktionspartner verwalten können. Außerdem soll es demnächst ein Händlertool geben, so dass Gewerbetreibende nicht mehr mühsam manuell die Gesuche durchforsten müssen, wenn sie ihre Ware verkaufen wollen.Wie lange eine Auktion läuft, legt der Suchende zu Beginn fest. Standardmäßig sind 30 Tage eingestellt, doch die Laufzeit lässt sich auch auf 14 Tage kürzen oder auf bis zu 90 Tage verlängern, «für Artikel, die schwerer zu finden sind», erklärt Michels. Derzeit lohnt sich eine längere Dauer ohnehin noch: Mit rund 9500 Usern ist die Zahl der Nutzer noch überschaubar, so dass bei länger laufenden Auktionen die Chance steigt, dass ein Anbieter ein Gebot abgibt.
Laut Michels wächst das Interesse an der Website aber rapide, der Betreiber hat nicht nur Nutzer aus Deutschland, sondern auch aus Österreich, der Schweiz und sogar den Niederlanden und den USA ausgemacht. Damit ist Potenzial für Wachstum gegeben – Push The Price-Internetadressen im Ausland hat er sich schon gesichert.