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Bahnunfall in Köln: 

«Radsatzwelle erst beim Anfahren gebrochen»

20. Jul 2008 14:06
An den ICE-3 wurden keine Schäden gefunden
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Die Bahn hat die Prüfung aller ICE-3-Züge abgeschlossen und fahndet weiter nach der Unfallursache. Fachleute haben bereits eine klare Vermutung geäußert. Derweil zeigt sich, dass viele Deutsche das Vertrauen in die ICEs verloren haben.

Eineinhalb Wochen nach dem Unfall eines ICE-3 in Köln hat die Bahn die außerplanmäßige Kontrolle aller baugleichen Züge abgeschlossen. «Bei den über 60 untersuchten Fahrzeugen wurden keine Auffälligkeiten festgestellt», teilte Bahnsprecher Jürgen Kornmann am Sonntag mit. Fachleute vermuten, dass der Bruch einer Radsatzwelle bei dem Unfall nicht auf einen Materialfehler, sondern auf eine äußere Beschädigung zurückzuführen ist.

Bei dem Unfall am Kölner Hauptbahnhof war eine Radsatzwelle gebrochen, daraufhin wurden diese Bauteile von insgesamt 61 ICE-3 mit Ultraschall auf mögliche Risse und Unregelmäßigkeiten überprüft. Es kam zu erheblichen Behinderungen im Fernverkehr. Bereits seit dem vergangenen Mittwoch sei der Verkehr auf allen ICE-3-Strecken aber wieder sichergestellt worden, so die Bahn am Sonntag.

Experten vermuten äußere Beschädigung als Unfallursache

«Zur Unfallursache können wir noch nichts sagen», sagte Kornmann weiter. Die Untersuchungen dauerten an. Kornmann bestätigte einen Bericht der Zeitung «Bild am Sonntag», wonach die Untersuchungsstelle des Bundesverkehrsministeriums den Fall inzwischen übernommen hat. Außerdem sei das Bundesamt für Materialforschung eingeschaltet worden. Auch die Staatsanwaltschaft Köln hatte Ermittlungen aufgenommen.

Experten vermuten äußere Einwirkungen als Ursache des Achsbruchs. Günter Löffler von der TU Dresden sagte dem «Spiegel»: «Alles spricht für eine äußere Beschädigung der Radsatzwelle, etwa durch lose Metallteile des Bahn-Unterbodens oder Gegenstände auf dem Gleis.» Das würde auch erklären, warum Reisende schon vor dem Unfall auf der Strecke zwischen Frankfurt und Köln Geräusche gehört hätten, sagte der Inhaber des Lehrstuhls für die Technik spurgeführter Fahrzeuge. Die Welle selbst sei vermutlich erst beim Anfahren des Zuges gebrochen, weil dabei die höchste Belastung auftrete.

Expertenkreise bestätigten am Wochenende, dass die bisherigen Erkenntnisse in diese Richtung deuteten. «Der Spiegel» schrieb, auch Ingenieure der Deutschen Bahn hielten diese Erklärung für wahrscheinlich. Bahnsprecher Kornmann wollte dies mit Verweis auf die noch nicht abgeschlossene Untersuchung nicht kommentieren.

Musste Tiefensee ein Machtwort sprechen?

«Der Spiegel» berichtete weiter, die Bahn habe sich der außerplanmäßigen Überprüfung zunächst widersetzt. Nachdem auch das Eisenbahnbundesamt (EBA) das Unternehmen erst nicht zu der aufwendigen Wartungsaktion habe bewegen können, sei Bundesverkehrsminister Wolfgang Tiefensee aktiv geworden. Er habe Spitzenbeamte aus seinem Haus aufgefordert, das Bahn-Management zum Einlenken zu bewegen. Das Ministerium wollte den Bericht am Samstag nicht kommentieren.

Bahnsprecher Kornmann wollte zu den Abläufen im einzelnen ebenfalls nicht Stellung nehmen. Er widersprach aber der Darstellung, der Konzern habe zu den Überprüfungen erst gezwungen werden müssen. Es habe nach dem Unfall auf Fachebene Diskussionen über die notwendigen Maßnahmen gegeben. Man habe sich dann gemeinsam mit dem EBA auf die Überprüfungen geeinigt. Die Bahn verwahre sich gegen den Eindruck, sie habe nicht konstruktiv an einer Lösung mitgearbeitet. Das EBA hatte in vergangenen Woche erklärt, es könne keine Rede davon sein, dass der Bahnvorstand erst durch die Aufsichtsbehörde zu den Maßnahmen habe gedrängt werden müssen.

Vertrauen verloren

Nach dem Unfall von Köln haben einer Umfrage zufolge nur noch knapp ein Drittel (31 Prozent) der Deutschen volles Vertrauen in die Zuverlässigkeit der Hochgeschwindigkeitszüge. Vier Prozent der 1.011 Befragten erklärten laut Untersuchung des Meinungsforschungsinstituts polis/Usuma für «Focus», sie vertrauten dem ICE überhaupt nicht mehr. (AP/dpa)

 
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