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Folgen der Finanzmarktkrise: 

Abschreibungen der US-Banken ohne Ende

18. Jul 2008 16:38
Gebäude von Merrill Lynch in Kalifornien
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Die Aktionäre von US-Banken erleben ein Wechselbad der Gefühle. Die weltgrößte Investmentbank Merrill Lynch stürzt tiefer in die roten Zahlen als befürchtet, dagegen fiel das Minus bei der Citigroup weniger schlimm aus.

Die von der Finanzmarktkrise schwer getroffenen US-Banken Citigroup und Merrrill Lynch haben erneut tiefrote Zahlen geschrieben. Branchenprimus Citigroup verbuchte im zweiten Quartal einen Verlust von 2,5 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Freitag vor US-Börseneröffnung in New York mitteilte. Im Vorjahreszeitraum hatte die Bank noch 6,23 Milliarden Dollar verdient.

Das Minus fiel aber nicht ganz so groß aus wie von Experten befürchtet. Je Aktie fiel zwischen April und Juni ein Verlust von 54 Cent an – Analysten hatten indes mit minus 66 Cent je Anteilsschein gerechnet. Wegen der Finanzmarktkrise musste die Bank zusätzlich mehr als sieben Milliarden Dollar abschreiben. Die zu den größten US-Banken zählende Citigroup hatte bereits in den zwei Quartalen zuvor Verluste von insgesamt 15 Milliarden Dollar angehäuft. Ihre Abschreibungen und Werteinbußen wegen der Kreditkrise addieren sich mit den neuen Belastungen auf mittlerweile rund 50 Milliarden Dollar.

Im Gegenzug verschaffte sich die Bank etwa 40 Milliarden Dollar dringend benötigtes frisches Kapital. Die Citigroup trennt sich derzeit zur Bewältigung der Probleme durch die Finanzkrise von Unternehmensteilen im Gesamtwert von rund 400 Milliarden Dollar – das ist etwa ein Fünftel des heutigen Konzerns. Erst vor einer Woche verkaufte sie mit der Citibank ihr deutsches Privatkundengeschäft an die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel. Dies habe einen Gewinn nach Steuern von rund vier Milliarden Dollar eingebracht, hieß es. Die Bank plant bislang zudem die Streichung von mindestens 15.000 der weltweit rund 350.000 Stellen.

Merrill Lynch unerwartet schwach

Schlechter als erwartet fielen dagegen die Zahlen von Merrill Lynch aus. Die weltgrößte Investmentbank verzeichnete zum vierten Mal in Folge einen Milliardenverlust. Im zweiten Quartal 2008 fiel ein Minus von 4,89 Milliarden Dollar an. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 2,01 Milliarden Dollar erzielen können. Der Verlust je Aktie betrug 4,97 Dollar; Analysten hatten mit 1,91 Dollar gerechnet.

Seit die Finanzmarktkrise die Branche im Griff hat, summierten sich die Quartalsverluste bei Merrill Lynch auf insgesamt mehr als 19 Milliarden Dollar. Frisches Kapital soll die Trennung von Vermögenswerten bringen. So will die amerikanische Bank ihren Anteil von 20 Prozent am Informationsdienstleister Bloomberg für 4,43 Milliarden Dollar verkaufen. Eine Vereinbarung über den Verkauf von Financial Data Services für 3,5 Milliarden Dollar stehe kurz bevor, teilte die Bank weiter mit.

«Es war ein schwieriges und enttäuschendes Quartal», sagte Vorstandschef John Thain in einer Telefonkonferenz. Thain war früher Chef der New Yorker Börse. Er löste am 1. Dezember 2007 Stan O'Neal als Vorstandschef von Merrill Lynch ab. O'Neal musste - wie einige seiner Kollegen im Top-Management amerikanischer Banken - wegen der Rekordverluste seinen Hut nehmen.

Am Vortag hatte die US-Großbank JP Morgan Chase einen Gewinneinbruch von 53 Prozent auf zwei Milliarden Dollar berichtet. Das Ergebnis fiel mit 54 Cent pro Aktie aber besser als von Analysten erwartet aus – sie hatten 44 Cent pro Aktie prognostiziert. Auch das fünfgrößte US-Institut Wells Fargo bekam die wachsende Zahl von Kreditausfällen zahlungsunfähiger Verbraucher zu spüren. Der Gewinnrückgang fiel mit 22 Prozent auf 1,75 Milliarden Dollar aber ebenfalls geringer aus als befürchtet. (nz/AP)

 
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