Schlechter als erwartet fielen dagegen die Zahlen von Merrill Lynch aus. Die weltgrößte Investmentbank verzeichnete zum vierten Mal in Folge einen Milliardenverlust. Im zweiten Quartal 2008 fiel ein Minus von 4,89 Milliarden Dollar an. Im Vorjahresquartal hatte das Unternehmen noch einen Gewinn von 2,01 Milliarden Dollar erzielen können. Der Verlust je Aktie betrug 4,97 Dollar; Analysten hatten mit 1,91 Dollar gerechnet.
Seit die Finanzmarktkrise die Branche im Griff hat, summierten sich die Quartalsverluste bei Merrill Lynch auf insgesamt mehr als 19 Milliarden Dollar. Frisches Kapital soll die Trennung von Vermögenswerten bringen. So will die amerikanische Bank ihren Anteil von 20 Prozent am Informationsdienstleister Bloomberg für 4,43 Milliarden Dollar verkaufen. Eine Vereinbarung über den Verkauf von Financial Data Services für 3,5 Milliarden Dollar stehe kurz bevor, teilte die Bank weiter mit.«Es war ein schwieriges und enttäuschendes Quartal», sagte Vorstandschef John Thain in einer Telefonkonferenz. Thain war früher Chef der New Yorker Börse. Er löste am 1. Dezember 2007 Stan O'Neal als Vorstandschef von Merrill Lynch ab. O'Neal musste - wie einige seiner Kollegen im Top-Management amerikanischer Banken - wegen der Rekordverluste seinen Hut nehmen.
Am Vortag hatte die US-Großbank JP Morgan Chase einen Gewinneinbruch von 53 Prozent auf zwei Milliarden Dollar berichtet. Das Ergebnis fiel mit 54 Cent pro Aktie aber besser als von Analysten erwartet aus – sie hatten 44 Cent pro Aktie prognostiziert. Auch das fünfgrößte US-Institut Wells Fargo bekam die wachsende Zahl von Kreditausfällen zahlungsunfähiger Verbraucher zu spüren. Der Gewinnrückgang fiel mit 22 Prozent auf 1,75 Milliarden Dollar aber ebenfalls geringer aus als befürchtet. (nz/AP)