Netzeitung Logo
 
DruckenVersenden
 

Zahlen aus der IT-Branche: 

Anleger enttäuscht über Google und Microsoft

18. Jul 2008 10:59
Google verzeichnete weniger Klicks auf bezahlte Anzeigen.
Bild vergrößern
Die Börsen meinen es nicht gut mit Google und Microsoft: Trotz glänzender Quartalszahlen bewerten die Anleger die Lage kritisch. Bei Google sieht man die Zukunft des Kerngeschäfts mit Sorge, bei Microsoft wurde ein besserer Ausblick erhofft.

Die beiden Schwergewichte der IT-Branche Microsoft und Google haben die nervösen US-Anleger selbst mit starken Quartalszahlen enttäuscht. Trotz kräftiger Steigerungen bei Umsatz und Gewinn gaben die Aktien nachbörslich deutlich nach. Google steigerte den Gewinn im zweiten Quartal um 35 Prozent auf 1,25 Milliarden Dollar und den Umsatz um 39 Prozent auf 5,37 Milliarden Dollar. Die Anleger ließen die Aktie des Suchmaschinen-Spezialisten trotzdem im nachbörslichen Handel um bis zu zehn Prozent fallen.

Google verfehlte noch höhere Markterwartungen, unter anderem beim Gewinn je Aktie. Zudem sehen Experten Anzeichen für eine Abschwächung des rasanten Wachstums des Internet-Konzerns. Die Zahl der Klicks auf bezahlte Anzeigen neben Google-Suchergebnissen – bisher das Kerngeschäft von Google – ging im Vergleich zum ersten Quartal um ein Prozent zurück.

Im Vergleich zum zweiten Quartal 2007 klickten US-Verbraucher die Anzeigen zwar 19 Prozent mehr an – noch im dritten Quartal 2007 hatte die Wachstumsrate bei 45 Prozent gelegen. Google selbst führt das schwächere Wachstum dagegen unter anderem auf Maßnahmen gegen ungewollte Zufallsklicks zurück. Zuletzt hatte es auch Berichte gegeben, dass Google Probleme habe, Geld mit seiner Internet-Videoplattform Youtube zu verdienen.

Google spürt Konjunkturschwäche

Analysten hatten seit einigen Monaten gewarnt, die schwache US-Konjunktur könne auch auf das Google-Geschäft mit Internet-Werbung durchschlagen. Google-Chef Eric Schmidt räumte ein, das wirtschaftliche Umfeld sei mehr zu einer Herausforderung geworden. Stanford-Analyst Clayton Moran sagte zu den Zahlen, es sei das erste Mal, dass Google von dem wirtschaftlichen Abschwung in Mitleidenschaft gezogen worden sei. «Das Wachstum hat sich etwas verlangsamt.»

Derweil profitiert Microsoft weiter von guten Geschäften mit seinem Betriebssystem Windows. Der Überschuss stieg in dem Ende Juni abgeschlossenen vierten Geschäftsquartal um 42 Prozent auf 4,3 Milliarden Dollar, wie das Unternehmen am Donnerstag nach US-Börsenschluss in Redmond (Bundesstaat Washington) bekannt gab. Der Umsatz legte im Jahresvergleich auch dank der Dollar-Schwäche um 18 Prozent auf 15,8 Milliarden Dollar zu.

Es war vor allem der Ausblick auf das angebrochene Geschäftsjahr, der die Anleger enttäuschte. Im laufenden Quartal erwartet Microsoft einen Gewinn je Aktie von 0,47 bis 0,48 Dollar bei einem Umsatz von bis zu 14,9 Millionen Dollar. Experten hatten mit mehr gerechnet. Auch mit seinem Gewinn je Aktie im vergangenen Quartal verfehlte Microsoft die Schätzungen der Analysten knapp. Die Aktie fiel nachbörslich zeitweise um fünf Prozent.

Microsoft will mit AOL anbandeln

Microsoft scheiterte zuletzt mehrfach mit dem Versuch einer milliardenschweren Übernahme des Internetunternehmens Yahoo. Der Software-Konzern sucht nach neuen Wachstumsfeldern im Web und wollte mit dem Kauf von Yahoo der großen Dominanz des Rivalen Google bei lukrativen Anzeigen im Umfeld von Internet-Suchergebnissen ein Ende machen.

Microsoft-Finanzchef Chris Liddell nannte am Donnerstag eine Einigung mit Yahoo auch auf lediglich einen Teilkauf inzwischen weniger wahrscheinlich. Microsoft werde daher bei der Internet-Suche auf eigene Faust wachsen. Microsoft nahm laut Berichten unterdessen Gespräche mit dem zum Time-Warner-Konzern gehörenden Internetportal-Betreiber AOL auf. Thema sei ein möglicher Zusammenschluss im Online-Geschäft.

In der noch relativ kleinen Online-Sparte von Microsoft fiel im vergangenen Quartal erneut ein Verlust an. Auch der Bereich rund um die Spielekonsole Xbox lag zuletzt im Minus, schaffte es aber im Gesamtjahr die schwarzen Zahlen. Der wichtige Konzernbereich rund um die Windows-Betriebssysteme mit der neuesten Version Vista steigerte den Quartalsumsatz um fast 15 Prozent. Microsoft profitierte dabei auch von einem starken Wachstum des PC-Marktes vor allem durch den Boom bei Notebooks. Der gesamte Konzern erzielte im Geschäftsjahr 2007/2008, das am 30. Juni endete, einen um 26 Prozent gestiegenen Überschuss von 17,7 Milliarden Dollar. Der Umsatz wuchs um 18 Prozent auf 60,4 Milliarden Dollar.

Bei IBM läuft es rund

Als weitere Unternehmen der IT-Branche legten der Chiphersteller AMD und der Serveranbieter IBM ihre Ergebnisse vor. Bei AMD verdoppelte sich der Verlust im zweiten Quartal im Jahresvergleich fast auf 1,2 Milliarden Dollar. AMD führt das Minus größtenteils auf das Geschäft mit Chips für mobile Geräte und TV- Technik zurück. Mit dem 46-jährigen Dirk Meyer, der bisher für das operative Geschäft zuständig war, soll nun ein neuer Konzernchef das Ruder herumreißen. Der langjährige AMD-Boss Hector Ruiz soll den Vorsitz im Verwaltungsrat behalten.

Bei IBM brummt dagegen das Geschäft. Das Unternehmen steigerte dank eines starken internationalen Geschäfts Umsatz und Gewinn überraschend kräftig. Unter dem Strich verdiente IBM besonders dank seiner erfolgreichen Servicesparte 2,8 Milliarden Dollar und damit 22 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Umsatz stieg auch wegen des schwachen Dollar um knapp 13 Prozent auf 26,8 Milliarden Dollar. IBM rechnet nun für das Gesamtjahr mit mehr Gewinn als bisher. (nz/dpa)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Verbindlichkeiten bei Pariser Club: 
Argentinien zahlt Staatsschulden zurück
Großprojekte in Infrastruktur: 
Brasilien umwirbt deutsche Investoren
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.