17.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Die Wagen wurden nach dem Vorfall überprüft
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Nach dem Entgleisen eines ICE in Köln sind immer noch viele Fragen offen: Hat die Bahn von sich aus die Überprüfung der ICE 3 angeordnet oder folgte sie einer Weisung? Und wer hat wirklich die Notbremse gezogen?
Eine Sprecherin des Eisenbahnbundesamtes (EBA) hat am Donnerstag den Wortlaut eines Schreibens bestätigt, das am vergangenen Freitag der Bahn zugesandt worden war. In dem Schreiben hatte das Bundesamt angeordnet, die ICE-3-Züge aus dem Betrieb zu nehmen und zu überprüfen.
Der in Köln entgleiste ICE sei demnach nur knapp einer Katastrophe wie in Eschede entgangen. Glücklicherweise habe sich der Unfall bei Schrittgeschwindigkeit ereignet, schrieb das EBA an die Bahn. Wäre Dasselbe bei einer möglichen Streckengeschwindigkeit von bis zu 300 Stundenkilometern passiert, «hätte sich mit nicht unerheblicher Wahrscheinlichkeit eine Katastrophe wie zum Beispiel in Eschede ereignen können».
Darüberhinaus hieß es in dem Schreiben, ein unveränderter Weiterbetrieb der Triebzüge der Baureihen 403/406 sei «mit erheblichen Gefahren für Leib und Leben verbunden». Und: Der Bruch einer Radsatzwelle führe unweigerlich zum Entgleisen des Zuges. «Das Leben einer Vielzahl von Menschen ist unmittelbar in äußerster Gefahr.«
Katastrophe wie in Eschede Der Fall in Köln habe sich glücklicherweise bei kaum mehr als Schrittgeschwindigkeit ereignet, schreibt das Amt und fährt fort: »Wäre dasselbe Ereignis bei Streckengeschwindigkeit von bis zu 300 km/h aufgetreten, hätte sich mit nicht unerheblicher Wahrscheinlichkeit eine Katastrophe wie z.B. in Eschede ereignen können.«
Obwohl das Schreiben erst am Freitag verfasst und der Bahn zugesandt worden war, untermauert das keineswegs die Behauptung der Bahn, sie habe von sich aus die Überprüfung der Wagen bereits am Donnerstagabend angeordnet. Das Fachblatt «Eisenbahn-Kurier» hat auf seiner Homepage den Bescheid des EBA vom 11. Juli veröffentlicht. Daraus ergibt sich, dass die Behörde mit dem Schreiben vom Freitag einen mündlichen Bescheid vom Vortag fixierte.
Notbremser waren beide BahnmitarbeiterUnklarheiten gab es auch darüber, wer tatsächlich die Notbremse bei der Abfahrt aus dem Kölner Bahnhof gezogen und damit eine größere Katastrophe verhindert hatte. Während die Bahn stets betonte, zwei Bahnmitarbeiter hätten nahezu zeitgleich die Notbremse gezogen, hatten Reisende angegeben, ein Fahrgast habe den Zug gestoppt. Die Kölner Staatsanwaltschaft teilte daraufhin mit, einer der Zugbegleiter sowie ein Bahnmitarbeiter, der privat mit dem ICE reiste, hätten die Notbremsen gezogen. (nz/dpa/AP)