Abwehr gegen Übernahme: Conti im Land der begrenzten Möglichkeiten17. Jul 2008 13:07  |  Blick auf das ContiTech Gebäude in Hannover | Foto: dpa |
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«Rechtswidrig» sei Schaefflers Vorgehen beim Übernahmeversuch von Conti, wettert Konzernchef Wennemer - der für die Unabhängigkeit seines Unternehmens «kämpfen» will. Viele Optionen habe Conti aber nicht, geben Skeptiker zu bedenken.
In der Übernahmeschlacht zwischen den Autozulieferern Schaeffler und Continental stellen sich derzeit zwei Fragen: War das Vorgehen der Schaeffler-Gruppe, die sich 36 Prozent an Conti sicherte, ohne die Aufsichtsbehörde zu informieren, legal? Und: Wie kann Conti-Chef Manfred Wennemer jetzt reagieren?
Direkt und über komplizierte Finanzinstrumente hat Schaeffler schon Zugriff auf das 36-prozentige Aktienpaket – falls die an dem Deal beteiligten Banken bis zum Ende mitspielen. Das sorgte am Mittwoch in der Continental-Zentrale in Hannover für heftige Empörung: Schaeffler habe «durch die Hintertür» und auf rechtswidrige Weise versucht, schnell und möglichst billig die Kontrolle über Conti zu erlangen.
«Trickreich, aber legal» Schaeffler wiederum wies den Vorwurf als völlig haltlos zurück. «Die Swap-Geschäfte über etwa 28 Prozent der Conti-Aktien geben keinen Anspruch auf Übereignung und damit keinen Zugriff auf die zugrundeliegenden Aktien», erklärte Schaeffler. Daher seien sie nicht meldepflichtig - nach dem Wertpapierhandelsgesetz muss eine Beteiligung ab einer Schwelle von drei Prozent angezeigt werden. «Es handelt sich hierbei um marktübliche Vereinbarungen», so die Schaeffler-Gruppe.
StichwortSwaps – zu deutsch Tauschgeschäfte – sind an den Finanzmärkten rund um den Globus zu finden. Im Gegensatz zum direkten Kauf oder Verkauf eines Wertpapiers werden bei Swaps nur die Erträge oder Verluste aus diesen Papieren zwischen zwei Parteien getauscht. Im Fall der Übernahme von Continental nutzte die Schaeffler-Gruppe ebenfalls Swaps. Diese umfassten rund 28 Prozent aller Aktien von Continental, wie es in einer Mitteilung hieß. Experten gehen davon aus, dass diverse Banken kleinere Anteile von Continental kauften und mit Schaeffler Swap-Verträge schlossen. Nach Ansicht von Schaeffler waren die Swap-Geschäfte nicht meldepflichtig, so dass sie nicht veröffentlicht werden mussten. Bei einer jederzeit möglichen Kündigung der Swap-Geschäfte durch Schaeffler könnten die Aktien ihr dann zum direkten Kauf angeboten werden. (dpa) |
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Ein verbotenes Vorgehen sehen auch Fachleute nicht. «Das ist trickreich gemacht, aber ich sehe es als legal an», sagte der Börsenexperte Wolfgang Gerke der Nachrichtenagentur dpa. Er erwarte deshalb auch kein Eingreifen der Finanzaufsicht Bafin. Möglicherweise sei eine Gesetzeslücke ausgenutzt worden, fügte Gerke hinzu, der Präsident des Bayerischen Finanz-Zentrums in München ist und zuvor lange Jahre den Lehrstuhl für Bank- und Börsenwesen in Nürnberg innehatte.Solange es nur ein Gentlemens Agreement zwischen Schaeffler und den Banken gegeben habe, die Aktien weiterzureichen, sei rechtlich wohl nichts zu machen, meinte auch Ulrich Hocker, Hauptgeschäftsführer der Anlegerschutzverbands DSW. Die Bafin prüft nach eigenen Angaben bereits, ob Schaeffler gegen Meldepflichten verstoßen hat. «Es liegt nicht auf der Hand, ob das geschehen ist oder nicht», sagte eine Sprecherin in Bonn. Denn es gebe durchaus die Möglichkeit, «durch Optionen oder ähnliches» Meldepflichten zu umgehen, die ab einem bestimmten Umfang von Anteilsbesitz bestehen.
Conti schlägt zurück Damit zur zweiten Frage: Wie kann Conti nun reagieren? Konzernchef Wennemer hat bereits angekündigt, man werde «die Unabhängigkeit dieses Unternehmens verteidigen und dafür kämpfen». Doch was kann der Dax-Konzern konkret tun? Faktisch hat sich Schaeffler erst einmal eine gute Ausgangslage verschafft.
Daten & FaktenSchaeffler ist der weltweit zweitgrößte Wälzlagerhersteller, aber wesentlich kleiner als Conti. Schaeffler hat rund 66.000 Beschäftigte und erzielte 2007 einen Umsatz von 8,9 Milliarden Euro. Conti hat nach der Übernahme der Siemens-Sparte VDO rund 150.000 Beschäftigte und strebt 2008 einen Umsatz von mehr als 26,4 Milliarden Euro an. |
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Als erste Abwehrmaßnahme hat Wennemer die Bafin-Karte gezogen: also das Einschalten der Aufsichtsbehörde wegen der bereits oben diskutierten möglichen Verstöße gegen Meldevorschriften. Ein stumpfes Schwert. Eventuell spekuliert Wennemer auch darauf, dass an dem Schaeffler-Deal beteiligte Banken von den Franken abrücken, weil sie nicht wussten, dass es sich um eine konzertierte Aktion handelte.Zum genauen Vorgehen hält sich Conti – logischerweise – bedeckt. Es würden alle Optionen geprüft, heißt es lediglich. Doch die Zahl der Möglichkeiten ist begrenzt. Zunächst einmal fehlt ein anderer großer Aktionär als Gegengewicht, wie das Land Niedersachsen bei VW. Theoretisch wäre auch denkbar, dass ein befreundeter Investor für alle oder einen Teil der Aktien bietet, die für Schaeffler über die Swap-Geschäfte reserviert sein sollen. Sollte der Investor auch nur einen Cent mehr bieten als Schaeffler, müssten die Banken an den Meistbietenden verkaufen, so die «Financial Times Deutschland». Außer, ein Vertrag sichere Schaeffler den Zugriff – was das Herzogenauracher Unternehmen aber bestreitet.
Kartellrechtlich kaum zu beanstanden
 |  Manfred Wennemer | Foto: dpa |
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Doch es stellt sich die Frage, wo ein solcher freundlicher Investor herkommen soll. Das gilt erst recht für einen so genannten Weißen Ritter, also ein freundlich gesonnener Großinvestor, der wie Schaeffler ein Komplettangebot abgeben würde. Auch da ist aber kein mögliches Unternehmen in Sicht, zumal angesichts der angespannten Lage an den Finanzmärkten. Aus Kartellgründen dürfte auch Konkurrent Bosch, der weltgrößte Autozulieferer, kaum in Frage kommen, ebenso wenig ein Autokonzern, da damit Conti als Zulieferer für andere Autohersteller blockiert wäre.
Als weitere Abwehrstrategien nennt die «FTD» die Ausgabe neuer Aktien oder den Rückkauf eigener Papiere. Beides hat die Hauptversammlung zuletzt genehmigt, und beides würde Schaeffler die Übernahme zumindest erschweren. Auf ein Übernahmeverbot durch die Kartellbehörde sollte Wennemer eher nicht hoffen: Branchenexperten sehen hier wenig Erfolgschancen, da es kaum Überschneidungen bei der Produktpalette gebe.Eines erscheint jedenfalls klar: Das Conti-Management wurde von der fränkischen Attacke auf dem falschen Fuß erwischt und muss sich jetzt zügig eine Verteidigungsstrategie überlegen. Kritiker halten Wennemer in der Sache zudem vor, es gehe ihm nur um seinen eigenen Job als Konzernchef. Die «industrielle Logik», die der Conti-Chef beim Schaeffler-Angriff nach eigener Aussage nicht erkennen kann, sei durchaus vorhanden: Gemeinsam seien Zulieferer stärker und könnten sich besser der Macht der Autoindustrie erwehren.
Für das Web ediert von Matthias Breitinger |