12.07.2008
Herausgeber: netzeitung.de
Bahn-Mitarbeiter vor dem entgleisten ICE 3
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Quelle: NZ Netzeitung GmbH
Die Notbremsung im Kölner Hauptbahnhof ist wahrscheinlich nicht der Grund dafür, dass ein ICE 3 entgleist ist. Schon vorher sollen Teile der kaputten Achse über die Gleise geschleift sein.
Ursache für die Entgleisung eines ICE im Kölner Hauptbahnhof ist offenbar nicht eine vom Zugpersonal eingeleitete Notbremsung gewesen. Das sagte der Kölner Oberstaatsanwalt Günther Feld dem Nachrichtenmagazin «Der Spiegel».
Die Notbremse sei nach Erkenntnissen der Ermittler gezogen worden, weil im Hauptbahnhof bereits Metallteile der kaputten Achse herausstanden und über Gleise und deren Verschraubungen schleiften. Der am Mittwoch entgleiste ICE-3 ist möglicherweise nur knapp einer Katastrophe entgangen. Die Staatsanwaltschaft prüft, ob der Zug seinen technischen Defekt schon auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke zwischen Frankfurt am Main und Köln hatte, wo er mit Tempo 300 unterwegs war.
Zugreisende hätten sich nach ersten Vernehmungsergebnissen der Staatsanwaltschaft bereits kurz hinter Frankfurt beim Zugpersonal über verdächtige Geräusche beschwert, eine Fahrstunde von Köln entfernt, schreibt der «Spiegel». Ein Fahrgast soll sich sogar noch beim Aussteigen in Siegburg, gut 15 Fahrminuten vor Köln, beim Zugpersonal gemeldet haben, schreibt das Magazin. Professoren der Technischen Hochschule Aachen seien von der Justiz mit der Untersuchung der gebrochenen Achse beauftragt worden.
Bahn untersucht Unfall «intensiv» Ein Bahnsprecher sagte, die Vorgänge würden auch vonseiten der Bahn intensiv untersucht. Nähere Erkenntnisse lägen aber noch nicht vor. Dass Fahrgäste dem Zugpersonal verdächtige Geräusche meldeten, sei bekannt. Deshalb sei die Notbremsung eingeleitet worden, sagte der Sprecher. Die Bahn reagierte mit der größten Wartungsaktion seit dem Unglück von Eschede vor zehn Jahren und rief alle Züge der gleichen Bauart zur Überprüfung in die Werkstätten. Bahnkunden müssen sich deshalb auch am Samstag auf Verspätungen und Zugausfälle einstellen. Die Deutsche Bahn kann nur rund 40 Prozent der Verbindungen mit dem Superschnellzug anbieten, erst am Montag soll sich der Verkehr weitgehend normalisiert haben.
Betroffene Fahrgäste können ihre Fahrkarten kostenfrei umtauschen oder sich erstatten erlassen. Außerdem können Tickets mit Zugbindung für die nächstgelegene Reiseverbindung gültig geschrieben werden. Reisende mit ICE-Fahrkarten, die aufgrund des geänderten Fahrplans lediglich InterCity- oder EuroCity-Züge nutzen können, erhalten den Differenzbetrag erstattet. Aktuelle Reiseinformationen gibt es im Internet auf der Seite bahn.de oder bei der Service-Hotline 08000-996633. Kunden aus dem Ausland können sich bei der Service-Hotline +49-1805-334444 informieren. (AP)