Spekulationen über Immobilienfinanzierer: 

netzeitung.deUS-Regierung berät vor dem Banken-Abgrund

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Spekulationen über Immobilienfinanzierer 

Lupe US-Regierung berät vor dem Banken-Abgrund

Sie sind zentrale Player auf dem Wohnungsmarkt. Und sie machen horrende Verluste. Es könnte alles noch schlimmer sein, als befürchtet. Deshalb sorgt ein Gerücht für ziemliches Aufsehen.

Spekulationen um eine drohende Pleite der zwei größten amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac haben bei der US-Regierung die Alarmglocken schrillen lassen: Finanzminister Henry Paulson und die Aufsichtsbehörden intensivierten am Freitag ihre Krisengespräche auf höchster Ebene. Im Mittelpunkt stehe eine Unterstützung der beiden Institute in ihrer «gegenwärtigen Form», sagte Paulson. In den Medien wurde über eine womöglich nötige staatliche Übernahme zur Rettung der Immobilien-Finanzierer spekuliert. Ihre Aktien befanden sich am Freitag an der Börse praktisch im freien Fall.

US-Branchenführer Fannie Mae und Nummer zwei Freddie Mac stehen hinter mehr als der Hälfte aller Hypotheken in den USA. Schon jetzt belasten ihre Probleme die ohnehin gebeutelten Finanzmärkte massiv. Ein Ausfall wäre laut Experten kaum verkraftbar. Die dramatische Entwicklung weckt böse Erinnerungen an das Schicksal der Investmentbank Bear Stearns, die im Frühjahr wegen drohender Insolvenz unter dem Druck der Regierung und der Behörden ihrem Notverkauf zustimmen musste.

Fannie Mae und Freddie Mac hätten eine «wichtige öffentliche Aufgabe», betonte Paulson. Mit den Äußerungen wollte er die Märkte beruhigen. Die Aktien erholten sich zwar etwas von ihren schlimmsten Verlusten zu Handelsbeginn, Händler zeigten sich aber enttäuscht von den ihrer Ansicht wenig konkreten Aussagen des Ministers.

Völlige Verstaatlichung verworfen
Sollte die öffentliche Hand einspringen, würden die Aktien praktisch wertlos und der US-Steuerzahler müsste für weitere Ausfälle bei Hypothekenkrediten geradestehen, berichtete die «New York Times». Eine völlige Verstaatlichung sei letztlich verworfen worden, da sich durch die enormen Außenstände beider Banken die Staatsschulden zu stark erhöhen würden. Schon jetzt besitzen die vom Staat gegründeten Institute allerdings gewisse Garantien, die sie bei Kapitalengpässen unter staatliche Kontrolle stellen würden.

Das Problem: Machen Insolvenzgerüchte erst einmal die Runde, dreht sich die Abwärtsspirale immer schneller. Für die Institute wird es immer teurer, sich Kredite und frisches Kapital zu verschaffen. Der Ex-Präsident der regionalen Notenbank von St. Louis, William Poole, hatte die Finanzierer als praktisch zahlungsunfähig bezeichnet.

Verluste von 11 Milliarden Dollar
In den vergangenen neun Monaten schrieben die Institute zusammen Verluste von rund 11 Milliarden Dollar. Fannie Mae besorgte sich zudem eine milliardenschwere Kapitalspritze, Freddie Mac war damit bislang erfolglos. Seit Beginn der US-Immobilienkrise brachen die Aktienkurse der beiden Gesellschaften um rund 90 Prozent ein. Zum Wochenschluss fielen die bereits am Vortag massiv abgestürzten Papiere weiter deutlich: Fannie verlor bis Mittag (Ortszeit) rund 30 Prozent auf 9,22 Dollar, Freddie 28 Prozent auf 5,74 Dollar. (dpa)