Nach Verkauf der Citibank:
Franzosen setzen Deutsche Bank unter Druck
11. Jul 2008 16:34
 |  Bürokomplex der Deutschen Bank in Frankfurt | Foto: dpa |
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Da war es nur noch – eine. Wie bei den «Zehn kleinen Negerlein» schwinden die Chancen der Deutschen Bank, durch Zukauf zu wachsen. Jüngste Möglichkeit: die Citibank, die jetzt an Franzosen geht. Es bleibt eigentlich nur noch ein lohnendes Objekt.
Es tut sich was in der deutschen Bankenbranche - doch einmal mehr haben Ausländer die Nase vorn. Die beiden führenden deutschen Geldhäuser, Deutsche Bank und Commerzbank, haben zwar kräftig am Fusionskarussell mitgedreht, doch am Ende bekam die französische Genossenschaftsbank Crédit Mutuel im Bietergefecht um die Citibank Deutschland den Zuschlag - nach Einschätzung von Branchenkennern allein deshalb, weil sie mehr Geld auf den Tisch legte.
«Immer dann, wenn sich eine Chance zur Konsolidierung des deutschen Bankenmarktes bietet, ist keine deutsche Bank da», sagt Bankenprofessor Dirk Schiereck. Im Jahr 2000 übernahm die schwedische SEB die frühere Gewerkschaftsbank BfG (Bank für Gemeinwirtschaft), 2005 wurde die italienische UniCredit Mutter der HypoVereinsbank, nun schnappte sich Crédit Mutuel die deutsche Privatkundentochter der Citigroup.«Ich verstehe nicht, warum deutsche Banken nicht bereit sind, auch mal einen strategischen Preis zu bezahlen. Finanziell zu stemmen wäre das in jedem Fall gewesen», sagt Schiereck. Der letzte große Coup in der deutschen Finanzbranche liegt mehr als sieben Jahre zurück: 2001 schluckte die Allianz die Dresdner Bank, doch die belastet den Versicherungskonzern derart, dass er die von der Finanzmarktkrise gebeutelte Tochter wieder loswerden will.
Auch Lob für Ackermanns Verzicht
Bei der deutschen Citibank war die Deutsche Bank dem Vernehmen nach bis zum Schluss im Rennen. Am Ende sei der deutsche Branchenprimus aber nicht bereit gewesen, den hohen Preis zu zahlen, sagt ein Finanzexperte: «Die Deutsche Bank hat Übernahmedisziplin gezeigt.» Noch Anfang dieser Woche hatte Konzernchef Josef Ackermann betont, sein Institut werde nicht um jeden Preis zukaufen: «Ich möchte mir nicht den Ruf einhandeln, Entscheidungen getroffen zu haben, die die künftigen Generationen in der Bank belasten.»Der Wirtschaftswissenschaftler Martin Faust hält es für richtig, dass die Deutsche Bank nicht bis zum Äußersten gegangen ist: «Die Citibank schwächelt im Markt, ihr Image ist nicht das beste.» Ein Bankenanalyst bekräftigt: «Der Preis wäre deutlich zu hoch gewesen.» Die nicht an der Börse notierte Crédit Mutuel sei im Vorteil gewesen, weil sie den Kaufpreis von 4,9 Milliarden Euro nicht vor Aktionären rechtfertigen müsse, sagt er. Die Deutsche Bank selbst wollte sich zu dem gesamten Prozess am Freitag nicht äußern.
Nun noch die Postbank
Den deutschen Großbanken bleibt nun noch die Postbank als lohnendes Übernahmeobjekt im umkämpften deutschen Privatkundenmarkt – und diese Chance sollten sie nach Meinung etlicher Experten nutzen, um das starre deutsche Bankensystem endlich aufzulockern und die hiesigen Banken insgesamt international wettbewerbsfähiger zu machen. Ackermann hat seit Jahresbeginn wiederholt betont, dass die Deutsche Bank Interesse an ergänzenden Zukäufen hat und dabei auch die Postbank genannt. Akquisitionen müssten aber dauerhaft Wert für die Aktionäre schaffen.Nach Ansicht von Finanzexperten ist davon auszugehen, dass die Deutsche Bank auch beim Bieterprozess um die Postbank «nicht undisziplinierter sein wird als bei anderen». Auch ein Bankenanalyst rechnet mit Zurückhaltung: «Von der Strategie her würde ein Kauf die Deutsche Bank nicht wirklich weiterbringen, zudem käme im aktuellen Umfeld eine dafür nötige Kapitalerhöhung nicht gut an», sagte er.
Citibank-Preis kommt Post gelegen
Dass die Citibank so teuer über den Tisch ging, werten Experten als Vorteil für die Deutsche Post: Der Bonner Konzern darf auf einen höheren Verkaufspreis für seine Banktochter hoffen. Hauptfrage beim Thema Postbank bleibt jedoch, ob die Post im derzeit schwierigen Marktumfeld überhaupt verkaufen will und zu welchen Konditionen. «Zeitlich könnte es gut sein, dass die Post einen Verkauf zunächst einmal auf Eis legt, bis die Rahmenbedingungen besser sind», sagt NordLB-Analyst Michael Seufert.Das wiederum erhöht die Chancen für die diskutierte Dreierlösung aus Commerzbank, Dresdner Bank und Postbank: Commerzbank und Dresdner feilen noch an einem Zusammenschluss ihrer beiden Häuser und sind wohl noch nicht so weit, um bei einem raschen Verkauf der Postbank einzusteigen.
Die Post sei nicht in Zeitnot, betont Analyst Seufert. Daher könne sie abwarten, bis sich Commerzbank und Allianz einigen. Bankenprofessor Faust hält den Spielraum dennoch für begrenzt: «Die Post muss zu einer schnellen Entscheidung kommen: Der Markt will eine klare Entscheidung. Auch für die Postbank selbst ist es nicht gut, wenn sie zu lange in der Schwebe hängt.» (Von Jörn Bender, dpa und Kathrin Schulte-Bunert, dpa-AFX)