Stellenabbau bei Siemens:
Gewerkschaft kündigt Widerstand an
08. Jul 2008 17:13
 |  Noch weht die Siemensflagge | Foto: dpa |
|
Die Ankündigung von Siemens-Chef Löscher, allein in Deutschland über 5000 Stellen abzubauen, ruft die Gewerkschaften auf den Plan. Die IG Metall will über «unterschiedliche Formen des Protestes und des Widerstands» beraten.
Die IG Metall Bayern hat Widerstand gegen die Pläne zum Abbau tausender Arbeitsplätze beim Siemens-Konzern angekündigt. Die Gewerkschaft und die Betriebsräte wollten möglichst bald gemeinsam über das weitere Vorgehen beraten, sagte der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, am Dienstag in München. «Sollte es nötig werden, sind in der Folge unterschiedliche Formen des Protestes und des Widerstands möglich», erläuterte er.
Vor allem werde die Gewerkschaft darauf dringen, jede einzelne Stelle, die abgebaut werden soll, genau zu prüfen. «Pauschalkürzungen per Rasenmäher sind mit uns nicht zu machen», kündigte Neugebauer an. Die Arbeitnehmervertreter und die IG Metall wollten jeden einzelnen vor der Streichung stehenden Arbeitsplatz im Detail überprüfen. Sollte diese Prüfung ergeben, dass tatsächlich in einzelnen Bereichen Stellen abgebaut werden müssten, dürfe es nicht zu betriebsbedingten Kündigungen kommen.
«Unvermeidlichen Stellenabbau»
Neugebauer kritisierte die Siemens-Pläne, weltweit 16.750 Arbeitsplätze zu streichen, als überzogen. «Siemens steht wirtschaftlich gut da, die Auftragsbücher sind voll. Der geplante Stellenabbau ist vor diesem Hintergrund weder nachvollziehbar noch akzeptabel», sagte er. Dagegen sprach Siemens-Personalvorstand Siegfried Russwurm sprach von einem «unvermeidlichen Stellenabbau». Am Standort Erlangen sollen nach vorläufigen Plänen etwa 1.350 Stellen wegfallen, in München 1.000 Jobs, in Nürnberg 550 und in Berlin 350 Stellen. Dabei handle es sich um erste grobe Schätzungen. Siemens wolle mit Arbeitnehmervertretern schnell Verhandlungen aufnehmen, um den Stellenabbau so sozialverträglich wie möglich zu gestalten. «Betriebsbedingte Kündigungen können wir nicht ausschließen, aber sie sind immer das letzte Mittel», sagte Russwurm.
IG Metall: Keineswegs nur «Lehmschicht» betroffen
Er verwies auf Möglichkeiten wie Altersteilzeit und Transfergesellschaften. Der Personalvorstand nannte keine Zahlen, wie viele Führungskräfte von den Plänen betroffen sind. Die IG Metall warf Siemens vor, Aussagen, wonach der geplante Personalabbau überwiegend das mittlere und obere Management treffen werde, seien falsch und irreführend. «Tatsächlich betreffen die Pläne zu rund 75 Prozent Beschäftigte, die unter den Tarifvertrag der IG Metall fallen, beispielsweise Service-Techniker und Verwaltungskräfte», kritisierte Neugebauer.Dieter Scheitor, der für die IG Metall im Siemens-Aufsichtsrat sitzt, erklärte, die Gewerkschaft wolle sich in Verhandlungen um den Erhalt deutscher Arbeitsplätze bemühen. «Den Versuch werden wir auf jeden Fall machen», sagte er. Ende Juli werde der Gesamtbetriebsrat auf einer Tagung über das weitere Vorgehen entscheiden. Zu einem möglichen Arbeitskampf sagte Scheitor: «Die Mittel und Optionen muss man dann sehen.»
Am härtesten betroffen von dem Stellenabbau ist der Industriesektor. Dort will der Vorstand neben Einsparungen in der Verwaltung auch bei Problemsparten wie der Verkehrstechnik (Mobility) Stellen streichen. In der Zugsparte sollen 1.800 Jobs in der Konstruktion und Fertigung gestrichen werden. Russwurm schloss auch Werksschließungen nicht aus. Im Gesundheitssektor will der Konzern in der Verwaltung 2.800 Stellen abbauen, davon 600 in Deutschland. Im Energiesektor sollen weltweit 3.950 Arbeitsplätze wegfallen. (nz/AP/dpa)