Zukunft für Bergleute nach Zechensterben :
Das Problem wird mit jeder Schließung größer
Nummer eins, Walsum, hinterlässt 1375 Beschäftigte an den drei Schachtstandorten Walsum, Rheinberg und Voerde. Die gleiche Zahl ist schon in den vergangenen 18 Monaten gegangen. Die meisten von ihnen sind echte Bergleute. Ihre Weiterbeschäftigung wird schwierig. Die RAG DSK verteilt zwar die meisten auf andere Zechen. «Das Problem vergrößert sich allerdings mit jeder Schließung», sagt Betriebsratschef Michael Hörning. Und das nächste Aus zum Jahresende für das Bergwerk Lippe in Gelsenkirchen steht schon fest. «Wir müssen hier und da mit einem Personalüberhang leben. In der Spitze mit bis zu 2500 Bergleuten.» Bis 2012 will die RAG DSK vor allem die jüngeren Bergmänner in andere Branchen vermitteln. Die Älteren sollen unter Tage weitermachen, um mit 50 Jahren Anspruch auf die «Anpassung» zu haben, den Vorruhestand.
Holger Frank kommt gerade mit dem Förderkorb hoch. Er ist aus der Wetterabteilung und muss bis Jahresende Schächte eindämmen. Mit seinen 42 Jahren muss er noch acht Jahre unter Tage arbeiten. «Es geht einem schon ans Herz. 15 Jahre lang habe ich mit den Leuten super zusammengearbeitet.» Jetzt kommt er nach Prosper Haniel in Bottrop. «Prosper soll die längste Zeche sein», glaubt er. Das wäre dann 2018.
Wer nicht auf eine andere Zeche wechselt, für den sucht die RAG DSK fieberhaft nach anderen Arbeitgebern. Manche gehen zum Beispiel zu Thyssenkrupp. «Unsere Jungs sind alle gut ausgebildet. Es ist ja nicht so, dass die mit nacktem Oberkörper und Presslufthammer unter Tage Kohle abbauen», sagt Betriebsrat Hörning. «Das sind Mechatroniker, Schlosser und Elektroniker.»
Ganz arm dran sind jedoch die Bergleute aus Zulieferfirmen, wie Thyssen Schachtbau oder Daniel Heilmann. Sie werden seit Jahr und Tag wie andere Bergleute eingesetzt. «Wir machen aber jetzt mit dem vielen Personal fast alles selber», sagt Hörning. Außerdem gibt es kaum noch Streckenvorbau. Die Aufträge werden weniger. Viele könnten noch vor der Anpassung ihren Job verlieren. (Wolfgang Dahlmann, dpa)

