26. Jun 2008 09:46
Der von der Konzernleitung angekündigte Stellenabbau bei Siemens wird verschiedenen Berichten zufolge höher ausfallen als zunächst befürchtet. Hauptsächlich betroffen sein soll die «Lehmschicht»: das obere und mittlere Management.
Der Bezirksleiter der IG Metall Bayern, Werner Neugebauer, sagte am Mittwochabend in München laut Mitteilung, «uns sind keine Zahlen bekannt». Der Gesamtbetriebsrat habe zum Komplex des geplanten Konzernumbaus einen Fragenkatalog mit über 200 Fragen erstellt, den die Firmenleitung beantworten solle. «Die Firmenleitung arbeitet noch daran.» Der Gesamtbetriebsrat habe zudem einen Rechtsanwalt eingeschaltet, «um die zeitnahe, umfassende und vollständige Information der Arbeitnehmervertretung beim Arbeitgeber juristisch einzufordern».In der «Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung» war unter Berufung auf die IG Metall zuletzt von bis zu 10.000 bedrohten Stellen die Rede. In Branchenkreisen wird derzeit davon ausgegangen, dass der Konzern Anfang Juli verkünden wird, wieviele Beschäftigte von den Einsparplänen im In- und Ausland betroffen sein werden. Derzeit stünden die Zahlen noch nicht fest, hieß es. In Deutschland rechnet laut «Welt» ein Arbeitnehmervertreter mit dem Abbau von 3000 bis 4000 Jobs. Die Kürzungen sollen vor allem Stabsabteilungen betreffen, die nach dem von Löscher verordneten Konzernumbau überflüssig geworden sind.
Siemens vollzieht unter der Führung Löschers einen tiefgreifenden Konzernumbau. Dabei wurden die Führungsgremien verkleinert und das Geschäft in den drei Säulen Energie, Gesundheit und Industrie zusammengefasst, denen 15 Sparten untergeordnet sind. Diese Verschlankung der Strukturen will Siemens nun auch beispielsweise in der Personalorganisation nachvollziehen.
Erst kürzlich hatte Chef Löscher noch einmal deutlich gemacht, dass Einsparungen nicht immer nur von den Arbeitnehmern in den Fabriken verlangt werden könnten, sondern dass auch Vertrieb und Verwaltung ihren Teil dazu beitragen müssten. Insgesamt hat Siemens derzeit rund 435.000 Mitarbeiter, knapp ein Drittel davon in Deutschland. (dpa)