Netzeitung Logo

 
DruckenVersenden
 

Zeugenaussage im Schmiergeldprozess: 

Siemens und die Nigeria-Connection

18. Jun 2008 15:41
Ex-Finanzchef Neubürger hatte eine interne Prüfung zugesagt - nichts geschah
Bild vergrößern
Schon vor Jahren sollen Wirtschaftsprüfer den ehemaligen Finanzchef des Konzerns auf Bargeldzahlungen nach Nigeria hingewiesen haben. Dies sagte ein Bilanzprüfer im Prozess aus.

Der frühere Siemens-Finanzchef Heinz-Joachim Neubürger soll schon im Oktober 2003 von Wirtschaftsprüfern über mögliche Schmiergeldzahlungen in Millionenhöhe informiert worden sein. Weil Neubürger eine interne Überprüfung zugesagt habe, «war das für uns erledigt», sagte ein Bilanzprüfer der Prüfgesellschaft KPMG am Mittwoch als Zeuge vor dem Landgericht München. «Das Abstellen dieses Sachverhalts ist dann Aufgabe des Unternehmens», betonte er.

In der Siemens-Telefonsparte ICN sei seine Kollegin im Oktober 2003 auf Bargeldzahlungen über vier Millionen Euro nach Nigeria gestoßen, für die keine Belege vorgelegen hätten. «Dass es sich um Schmiergeldzahlungen handelte, war zu dem Zeitpunkt nicht bewiesen, war aber auch nicht auszuschließen», sagte der Zeuge. Neben Neubürger habe KPMG auch den Vorsitzenden des Aufsichtsrats-Prüfausschusses, Karl-Hermann Baumann, informiert. «Damit haben wir unsere Berichtspflicht erfüllt», sagte der Wirtschaftsprüfer.

Neubürger gehört zu den 300 Beschuldigten, gegen die die Staatsanwaltschaft im Siemens-Korruptionsverfahren ermittelt. Die neue Konzernführung hat inzwischen dubiose Zahlen über 1,3 Milliarden Euro quer durch den Konzern festgestellt. Neubürger habe sich bei KPMG darüber beschwert, «wir würden auf den Gängen behaupten, bei Siemens würde bestochen», sagte der Zeuge. KPMG solle dem Verdacht still nachgehen und dann mit ICN-Chef Michael Kutschenreuter besprechen. Auch die Rechtsabteilung des Konzerns werde den Fall unter die Lupe nehmen, habe Neubürger den Prüfern mitgeteilt.

«Man hat versucht uns zu täuschen»

«Uns wurde dann erklärt, das seien Zahlungen für Baukassen in Nigeria. Das sind Bargeldbestände auf großen Baustellen.» Bei Stichproben im folgenden Jahr sei scheinbar alles in Ordnung gewesen. In Wirklichkeit aber seien die Verantwortlichen bei ICN von Barzahlungen auf fingierte Beraterverträge ausgewichen: «Man hat versucht, uns zu täuschen, wenn wir auf einer Prüfspur waren», sagte der KPMG-Mitarbeiter.

ICN-Chef Kutschenreuter und drei seiner Manager hätten «zusammengearbeitet, um die Kontrollen zu umgehen». Mauscheleien von KPMG mit Siemens bestritt der Mitarbeiter empört. Wirtschaftsprüfer seien keine Hausdetektive, «das Aufspüren von Straftaten war explizit nicht unsere Aufgabe», sagte er. Aber Vorgaben des Elektrokonzerns, über dubiose Vorgänge hinwegzusehen, «gab es definitiv nicht», betonte er. «Ich glaube nicht, dass es ein Siemens-System gegeben hat.» Erst nach der Überprüfung von Zahlungsströmen sei KPMG im November 2006 auf 100 Millionen Euro gestoßen, «wo es Anzeichen gab, dass hier der Verdacht der Bestechung vorliegen könnte». Etwa zur gleichen Zeit, als die Staatsanwaltschaft die Siemens-Zentrale durchsucht habe, hätten die KPMG-Prüfer das Siemens-Management über ihren Verdacht informiert. (AP)

 
Drucken
VersendenSocial Bookmark Mister Wong Yigg Google del.icio.us Oneview Webnews
 
Zu weiteren Bildergalerien
Zu weiteren Bildergalerien
 
Wirtschaftssysteme rund um den Globus: 
Die Varianten des Kapitalismus
Erwartungen an den Weltfinanzgipfel: 
Große Runde, kleiner gemeinsamer Nenner
Live Top 5
netzeitung.de auf Ihrer iGoogle-Seite
Sie müssen JavaScript aktiviert und Flash 8 installiert haben, um diese Seite in vollem Umfang nutzen zu können.
Immobiliensuche
Immobilien
immonet
Aus anderen Ressorts

Geschäftsführer: Dr. Robert Daubner | Chefredakteurin: Domenika Ahlrichs | Impressum | Datenschutz
NZ Netzeitung GmbH · Karl-Liebknecht-Str. 29 · 10178 Berlin · Tel.: 030 23 27 6840 · Fax: 030 23 27 6874
Alle Rechte © 2008 NZ Netzeitung GmbH
 
Vermarktung: DZH Online Media Sales Group GmbH
 
IT & Security by Procado
 
[ai:ti]-Quotes&Charts: IT Future AG
Quellen der Börsendaten: IT Future AG, Standard&Poor's Comstock Inc. und weitere.