«Uns wurde dann erklärt, das seien Zahlungen für Baukassen in Nigeria. Das sind Bargeldbestände auf großen Baustellen.» Bei Stichproben im folgenden Jahr sei scheinbar alles in Ordnung gewesen. In Wirklichkeit aber seien die Verantwortlichen bei ICN von Barzahlungen auf fingierte Beraterverträge ausgewichen: «Man hat versucht, uns zu täuschen, wenn wir auf einer Prüfspur waren», sagte der KPMG-Mitarbeiter. ICN-Chef Kutschenreuter und drei seiner Manager hätten «zusammengearbeitet, um die Kontrollen zu umgehen». Mauscheleien von KPMG mit Siemens bestritt der Mitarbeiter empört. Wirtschaftsprüfer seien keine Hausdetektive, «das Aufspüren von Straftaten war explizit nicht unsere Aufgabe», sagte er. Aber Vorgaben des Elektrokonzerns, über dubiose Vorgänge hinwegzusehen, «gab es definitiv nicht», betonte er. «Ich glaube nicht, dass es ein Siemens-System gegeben hat.» Erst nach der Überprüfung von Zahlungsströmen sei KPMG im November 2006 auf 100 Millionen Euro gestoßen, «wo es Anzeichen gab, dass hier der Verdacht der Bestechung vorliegen könnte». Etwa zur gleichen Zeit, als die Staatsanwaltschaft die Siemens-Zentrale durchsucht habe, hätten die KPMG-Prüfer das Siemens-Management über ihren Verdacht informiert. (AP)