Milchpreis sinkt um drei Cent:
Bauern beäugen Preisverfall gespannt
11. Jun 2008 21:32
 |  Milchbauern: Melkkühe oder Melkmaschinen der Nation? | Foto: AP |
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Eine Woche nach Ende des Lieferboykotts stellt sich die Frage erneut. Haben die Bauern wirklich die Macht im Milchgeschäft, wie es jüngst noch aussah? «Die Bereitschaft, noch einmal voll durchzustarten, ist jedenfalls da.»
Eine Woche nach Ende des Lieferboykotts bröckeln die Preiserhöhungen für Milch schon wieder. Nach mehreren anderen Handelsketten senkte der Discounter Lidl die erst am Montag um zehn Cent erhöhten Preise am Mittwoch nach eigenen Angaben wieder.
Die meisten Discounter und Supermärkte verlangen nun sieben Cent je Liter mehr. Der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM) drohte angesichts des wieder entfachten Preiskampfes mit einem neuen Boykott. Der Deutsche Bauernverband sprach von «Mogelpackungen».
Lidl folgt Aldis Schritt
Einen Tag nach der Ankündigung des Branchenriesen Aldi, den Verkaufspreis nur um sieben Cent zu erhöhen, zog Lidl nach. Zu den Gründen machte eine Konzern-Sprecherin keine Angaben. Auch zu der genauen Höhe des Milchpreises wollte sie sich nicht äußern. Am Dienstag hatten zudem bereits Edeka und Rewe ihre Erhöhungen je Liter Milch wieder um drei Cent zurückgenommen. Auch die ursprüngliche Preiserhöhung für Butter um 20 Cent wurde bei Rewe nach Angaben eines Sprechers am Mittwoch wieder rückgängig gemacht.
BDM-Chef Schaber: Boykott-Bereitschaft besteht
Beim BDM sorgten die neu entfachte Preisschlacht für Empörung. «Wir werden uns die Entwicklung genau anschauen», sagte BDM-Chef Romuald Schaber. Sollten die Preise weiter nach unten gehen, sei auch ein neuer Lieferstopp nicht auszuschließen. «Die Bereitschaft der Bauern, noch einmal voll durchzustarten, ist jedenfalls da», betonte er. Der Deutsche Bauernverband warnte die Lebensmittelhändler, in einen neuen Preiswettlauf einzutreten. «Mogelpackungen» bei Preiserhöhungen würden nicht akzeptiert. Für alle Milchprodukte müssten höhere Preise gezahlt werden.
Lidl hatte ersten Schritt zur Einigung getan
Die Milchbauern hatten ihren zehntägigen Lieferstreik im Kampf um höhere Milchpreise in der vergangenen Woche beendet, nachdem Lidl als erstes großes Handelsunternehmen Preiserhöhungen um zehn Cent für Milch und 20 Cent für Butter angekündigt hatte. Zahlreiche Lebensmittelhändler erklärten daraufhin, sich marktkonform verhalten zu wollen. Der Milchindustrie-Verband (MIV) rechnet auch weiterhin mit stark schwankenden Preisen und forderte daher neue EU-Subventionen für die Landwirte. «Wir brauchen eine nachhaltige und dauerhafte Lösung, sonst bleiben die Preise unter Druck», sagte MIV-Geschäftsführer Michael Brandl. Zur Stabilisierung der Lage sollte die EU-Kommission daher für den Export über neue Hilfen für die Milchbauern in Deutschland nachdenken.
BDM: Exportbeihilfen helfen wenig
Der BDM hält dagegen von Exportbeihilfen wenig: «Das kann höchstens für punktuelle Entlastungen sorgen», sagte Verbands-Chef Schaber. Entscheidend sei der Markt und hier helfe nur, auf Dauer weniger zu produzieren. «Es müssen alle nationalen Möglichkeiten ausgeschöpft werden, um flexible Quotenregelungen zu erreichen», forderte er.Große Hoffnung setzt Schaber daher vor allem auf den von Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer angekündigten Milch-Gipfel, der noch im Juni stattfinden soll. Der Schwung, der jetzt durch die wochenlangen Proteste in die Diskussion gekommen sei, müsse schnellstmöglich ausgenutzt werden, sagte er. (AP)