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Discounter zieht nach: 

Noch ein Plus beim Milchpreis

10. Jun 2008 14:48
Der Griff nach der Milch wird (vorerst) teurer
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Sieben Cent mehr pro Liter Milch will der Discounter Plus kassieren. Doch Experten erwarten, dass der höhere Preis nicht durchzusetzen ist. Die Gegenbewegung formiert sich bereits.

Nach dem Branchenprimus Aldi hat am Dienstag auch der zur Tengelmann-Gruppe gehörende Discounter Plus eine Erhöhung der Milchpreise in den Läden um sieben Cent je Liter angekündigt. Die Discounter Aldi Nord und Aldi Süd stellten dabei den Molkereien sogar eine Erhöhung des Milchpreises von zehn Cent je Liter in Aussicht. Zu den Preisen für die Molkereien sowie für weitere Milchprodukte wollte sich eine Plus-Sprecherin am Dienstag in Mülheim dagegen nicht äußern.

Der Lebensmittelkonzern Edeka folgte beim Milchpreis den Discountern Aldi Nord und Süd und nimmt seinen Aufschlag von zunächst zehn Cent wieder um drei Cent zurück. Frische Vollmilch und H-Milch der Eigenmarke Gut & Günstig mit 3,5 Prozent Fettgehalt koste von Mittwoch an 68 Cent je Liter, die mit 1,5 Prozent 61 Cent, sagte ein Sprecher am Dienstag: «Wir werden uns in den Verhandlungen mit den Molkereien schriftlich zusichern lassen, was eins zu eins bei den Bauern landet.» Der Sprecher verwies darauf, dass andere Molkereiprodukte und Markenmilch im Preis unverändert bleiben.

«Preis wird schnell wieder bröckeln»

Am selben Tag ließ Aldi die Konkurrenz wissen, die Verbraucherpreise nur um 7 Cent zu erhöhen, aber den Molkereien 10 Cent zubilligen zu wollen. Rewe, Edeka und Lidl hatten noch am Montag die Preise für Milch um zehn Cent pro Liter angehoben. Die Butterpreise stiegen zum Teil um 20 Cent.

Der Konjunkturchef des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI) in Essen, Roland Döhrn, rechnet aber nicht mit langfristig höheren Milchpreisen. Gegenüber bild.de sagte er: «Es ist zu erwarten, dass der Preis schnell wieder bröckelt. Der Milchpreis ist ein sogenannter Signalpreis. Da ist der Wettbewerb und damit der Preisdruck unter den Handelsketten besonders hoch.»

Auch die Molkereien erwarten dem Bericht zufolge, dass Milch wieder günstiger wird. Werner Hahn, Vorstand des bundesweit fünftgrößten Milchverarbeiters Ehrmann, sagte bild.de: «Durch den Streik der Milchbauern ist derzeit irre viel Milch da, es gibt mindestens zwei Tageslieferungen mehr als sonst.» Sollte das Milch-Angebot hoch bleiben, seien «höhere Preise dauerhaft nicht möglich».

Bei Deutschlands größter Molkerei Nordmilch sei die Skepsis hoch, so der Bericht. «Der Milchpreis kann nicht einfach festgelegt werden, sondern muss sich am Markt bilden», sagte Nordmilch-Vorstand Martin Mischel zu bild.de. «Wenn nun einige Discounter den Preis für Milch erhöhen, heißt das noch lange nicht, dass sie dauerhaft überall teurer wird.» Die Bauern würden künftig aber in jedem Fall mehr Geld je Liter bekommen als bisher.

BDM droht mit neuem Streik

Der Vorsitzende des Bundesverbandes Deutscher Milchviehhalter (BDM), Romuald Schaber, reagierte empört auf die Prognosen der Experten. «Diese Aussage zeigt nur, dass die Molkereien gar nicht ernsthaft über dauerhaft höhere Preise verhandeln wollen», sagte Schaber gegenüber bild.de. Schaber drohte den Molkereien offen mit einem erneuten Streik, sollten die Preise im Handel wieder fallen. Bundeslandwirtschaftsminister Horst Seehofer (CSU) will angesichts der Drohung der Milchbauern alle Beteiligten möglichst bald an einen Tisch holen. In der kommenden Woche sei ein erstes Treffen geplant, hieß es aus Regierungskreisen. (AP/dpa)

 
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