Tagesthema Euro 2008: 

netzeitung.deImpulse - aber kein neues «Sommermärchen»

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Mit Fanartikeln zur EM dekoriertes Schaufenster (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Mit Fanartikeln zur EM dekoriertes Schaufenster
Foto: dpa
Quelle: NZ Netzeitung GmbH

Wenn am Samstag in Basel die Fußball-EM angepfiffen wird, hoffen nicht nur deutsche Fans auf einen Titel ihrer Elf. Auch Gastwirte wollen von einer neuen Kicker-Euphorie profitieren. Der Einzelhandel gibt sich skeptischer.

Flachbildfernseher, Fanartikel, Deutschlandfahnen und Bier: Kurz vor der Fußball-Europameisterschaft verzeichnen einzelne Branchen eine steigende Nachfrage. Konjunkturexperten setzen insbesondere auf die positive Stimmung, die in Zeiten hoher Inflation und schwächelnder Weltwirtschaft Impulse geben kann. Doch mit den Erwartungen zur WM im eigenen Land vor zwei Jahren sind die jetzigen Hoffnungen kaum zu vergleichen.

Beispiel Einzelhandel: «Die Branche wird davon kaum profitieren. Wir müssen froh sein, wenn sich positive und negative Effekte die Waage halten», sagt Sprecher Hubertus Pellengahr. «Sommermärchen können eben nicht wiederholt werden.» Einzelnen Unternehmen werde es schon gelingen, sich etwas «von dem EM-Kuchen herauszuschneiden». So werden Fanartikel und Knabbersachen sicher gut verkauft. «Das sind aber überwiegend Ein-Euro-Artikel und nicht die großen Umsatzbringer. Damit wird niemand reich», betont Pellengahr.

Auch der Warenhauskonzern Karstadt rechnet nicht mit nennenswerten Auswirkungen auf das Geschäft. Fußballtrikots waren zwar schon zu Weihnachten begehrt. Jetzt werde zunehmend das gesamte Niedrigpreissortiment wie Fähnchen, Trillerpfeifen und Schminke gut verkauft. «Wir erwarten aber nicht so einen hohen Umsatz wie zur vergangenen WM», betont Sprecher Martin Schleinhege.

Adidas und Bierbrauer: Ohne deutsche Siege läuft nichts
Bitkom, der Verband der Informations- und Telekommunikationsbranche, geht von einem positiven EM-Effekt aus. Viele Verbraucher würden das Fußballereignis zum Anlass nehmen, sich einen neuen Flachbildfernseher zuzulegen. In diesem Jahr werde der Absatz voraussichtlich auf 5,3 Millionen Geräte ansteigen, hieß es. Zu der wachsenden Nachfrage würden allerdings andere große Sportereignisse wie die Olympischen Spiele oder die Tour de France ebenso beitragen. Mehr Absatz könnte es bei Handys mit Fernsehempfang geben.

Der Adidas-Konzern rechnet derweil mit einem Absatz von gut einer Million Trikots der deutschen Kicker. Die Verkaufszahlen seien aber auch von den sportlichen Leistungen der Nationalmannschaft abhängig, heißt es. Die Bahn hat bereits mehr als 180.000 «Fan-Bahncards» an den Mann gebracht. Sie verlängern sich pro Sieg des DFB-Teams um einen Monat.

Deutschlands Bierbrauer spekulieren unter anderem durch die EM sogar mit einem vergleichbaren Jahr wie 2006. Bereits im Mai hätten die Händler ihre Biervorräte kräftig aufgestockt. Wichtig für einen hohen Absatz sei die richtige Mischung aus gutem Wetter und Feierlaune. «Dazu muss auch die Nationalelf beitragen», sagt Sprecher Marc-Oliver Huhnholz. 2006 konnte der jahrelange Abwärtstrend beim Bierkonsum gestoppt werden. Damals stieg der Pro-Kopf-Verbrauch wieder leicht von 115,3 auf 116 Liter an. Dazu habe sicher der Durst der Fußballfans während der WM beigetragen.

Hotels in Grenzregion profitieren kaum
Gastwirte sowie Betreiber von Biergärten und Strandbars erwarten gute Umsätze «in den sonst schwierigen Sommermonaten», wie Stephan Büttner vom Branchenverband Dehoga betont. Hotels und Pensionen werden allerdings kaum mehr Übernachtungsgäste verzeichnen, auch nicht in den Grenzregionen zur Schweiz und Österreich. Sie profitieren nur in ihren Bars und Restaurants, wenn sie dort die Spiele auf großen Bildschirmen übertragen. Die WM vor zwei Jahren hatte den Hoteliers noch rund 4,7 Millionen zusätzliche Übernachtungen beschert.

Die Reiseanbieter verzeichnen nur bedingt steigende Buchungszahlen durch die EM. Europas zweitgrößter Tourismuskonzern Thomas Cook nutzt das Fußball-Ereignis allerdings für eigene Marketingzwecke und bietet im Juni unter dem Motto «EM unter Palmen» günstige Hotels auf den Balearen, den Kanaren, in der Türkei, in Griechenland und Marokko an. Tui berichtet von «erfreulichen Buchungseingängen» in den Städten in Österreich und der Schweiz. Deutlich mehr profitieren werden ohnehin die beiden Gastgeberländer. (dpa/nz)