Bespitzelungen bei der Telekom:
Ex-Sicherheitschef im Zentrum der Ermittlungen
29. Mai 2008 19:00
 |  Telekom-Chef Obermann entließ den Sicherheitschef | Foto: AP |
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Die Staatsanwaltschaft hatte eine riesige Durchsuchungsaktion in der Konzernzentrale der Telekom durchgeführt, doch zunächst war unklar, gegen wen alles ermittelt wird. Nun wurden erste Namen bekannt.
In der Bespitzelungsaffäre bei der Deutschen Telekom ermittelt die Staatsanwaltschaft Bonn nach Informationen der «Westdeutschen Allgemeinen Zeitung» gegen den früheren Konzernsicherheitschef Harald Steininger. Steininger soll unter anderem verantwortlich sein für die Bespitzelung von Aufsichtsräten.
Telekom-Chef Rene Obermann entließ Steininger sowie weitere Beschäftigte der Sicherheitsabteilung, nachdem der Fall intern bekannt wurde. Der frühere Kriminalbeamte war vor seiner Zeit bei der Telekom bereits in der Sicherheitsabteilung bei der Deutschen Bank und Sicherheitschef bei SAP, berichtet die Zeitung. Der Bonner Staatsanwalt Fred Apostel antwortete auf die Frage, ob gegen Steininger ermittelt werde, mit den Worten: «Das kann ich nicht dementieren.»
Vorwurf: Verletzung des Postgeheimnisses
Die Bonner Staatsanwaltschaft nimmt auch den Ex-Vorstandsvorsitzenden Kai- Uwe Ricke und seinen ehemaligen Aufsichtsratschef Klaus Zumwinkel ins Visier. Desweiteren werde auch ermittelt gegen weitere ausgeschiedene Mitarbeiter der Telekom AG sowie gegen einen Beschäftigten der Tochter T-Mobile. Ihnen wird unter anderem die Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses vorgeworfen. Apostel sagte außerdem, dass gegen Konzernchef Rene Obermann kein Ermittlungsverfahren eingeleitet wurde. Die Vertreter der Arbeitnehmer im Telekom-Aufsichtsrat kündigten in Berlin eine Strafanzeige gegen das Unternehmen und Unbekannt an. Im Kern geht es um den Verdacht, dass die Telekom auf der Suche nach undichten Stellen Kontakte von Managern und Aufsichtsräten zu Journalisten ausgespäht haben soll. Offiziell geht es um den Vorwurf der missbräuchlichen Verwendung von Daten und der Verletzung des Post- und Fernmeldegeheimnisses.
Keine Ermittlung gegen Obermann
Gegen Vorstandschef Obermann, der Ricke im November 2006 abgelöst hatte, wird nach Angaben von Behördensprecher Apostel nicht ermittelt. Auch andere aktuelle Vorstandsmitglieder sind nicht Gegenstand der Ermittlungen. «Wir ermitteln relativ umfassend, dazu gehören auch Vernehmungen», sagte Apostel. Die Ermittler durchsuchten auch die Zentrale von Europas größtem Telekom- Konzern, darunter auch alle Räume der Entscheidungsträger. Unterdessen gerät Obermann wegen des Umgangs mit der Affäre selbst unter Druck. Die umstrittenen Bespitzelungsaktionen fielen nach bisherigen Informationen in die Amtszeit von Obermanns Vorgänger Kai- Uwe Ricke, der von Obermann im November 2006 abgelöst wurde. Ein erster Fall war nach Telekom-Darstellung bereits im Sommer 2007 ans Licht gekommen, allerdings ohne dass die Telekom darüber bereits damals Betroffene und Öffentlichkeit informierte. «Die Telekom hat die Redaktion damals nicht informiert», sagte ein Telekom-Sprecher der «Süddeutschen Zeitung» (nz/dpa)