Machtkampf bei Airbus: 

netzeitung.de«Die Menschen nicht gegeneinander ausspielen»

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Airbus 350: In dem Konzern tobt ein Machtkampf (Foto: dpa<br/>Quelle: NZ Netzeitung GmbH)

Lupe Airbus 350: In dem Konzern tobt ein Machtkampf
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Französische Manager haben die deutsche Seite des Vorstands von Airbus scharf attackiert. Die Deutschen hätten in dem Konzern die «meisten Schlüsselposten» übernommen, wettern sie.

Sogar die Gefahr von Prügeleien deutscher und französischer Airbus-Werker wird an die Wand gemalt. Anonyme Airbus-Manager fordern eine Rückkehr zu nationalen Verantwortlichkeiten. Präsident Nicolas Sarkozy greife nicht ein, weil er wegen der Übernahme der EU-Ratspräsidentschaft am 1. Juli keinen Streit mit Bundeskanzlerin Angela Merkel wolle. Von deutscher Seite werden die Vorwürfe als «völlig realitätsfern» zurückgewiesen.

Merkel und Sarkozy hatten im Juli 2007 die Abschaffung der deutsch-französischen Doppelspitzen bei EADS und Airbus durchgesetzt, um den langjährigen Streit im Konzern beizulegen. An diesem Dienstag wollen Bundeswirtschaftsminister Michael Glos und sein für Flugzeugbau zuständiger Koordinator Peter Hintze mit dem französischen Verkehrsminister Dominique Bussereau in Berlin über die Airbus-Probleme sprechen. Von der französischen Regierung war zunächst kein Kommentar zu erhalten.

«An der Nase herumführen lassen»
«Wir haben uns von den Deutschen an der Nase herumführen lassen», sagte der sozialistische Abgeordnete Gerard Bapt. Während Airbus in Frankreich bereits 2000 und in Großbritannien 850 Stellen abgebaut habe, seien in Deutschland alle Jobs geschützt.

EADS-Konzernchef «Louis Gallois ist isoliert; die Deutschen sind überall am Ruder.» Nach dem Sanierungsplan «Power8» sollen in Frankreich 4200 (21.500) und in Deutschland 3500 (19.250) Stellen wegfallen. In Deutschland ist die Stellenzahl aber einschließlich der Leiharbeiter zuletzt sogar gestiegen.

Offensive von 15 Managern
Hinter der französischen Offensive steht offenbar eine Gruppe von 15 Airbus-Managern (G15), die in einem anonymen Brief an Politiker und Gewerkschafter zum Kampf für Frankreichs Interessen aufgerufen hat. Das Schreiben wurde im Internet veröffentlicht. «Die Machtkämpfe gehen ungebremst weiter», heißt es darin. «EADS ist heute für Frankreich ein Fehlschlag, der unsere Industrie in die Katastrophe führt.» Die Organisation des Konzerns müsse dringend neu geregelt werden. «Jede nationale Einheit muss wieder ihre Verantwortung auf industriellem, sozialem und finanziellem Gebiet übernehmen, wenn es darum geht, die Folgen klar identifizierter Fehler auszugleichen.»

Die Deutschen hätten mit den Finanzen, der Airbus-Führung, dem Aktionärskomitee und den Sparten Rüstung und Eurocopter die «meisten Schlüsselposten» und die «Führung der Gruppe» übernommen. Gallois könne als Chef eines «im Wesentlichen von Daimler befohlenen Konzerns» nichts gegen die Deutschen durchsetzen. Die Folge: Ende November 2007 habe Airbus nur noch 21.368 Franzosen, aber 29.696 Deutsche beschäftigt.

Kritik der IG Metall
Das Airbus-Werk Hamburg sei für die neuen Verzögerungen beim Super-Airbus A380 verantwortlich, schreiben die G15-Manager. Doch von EADS geschickte Prüfer seien von den Deutschen in Hamburg handgreiflich aus dem Werk gedrängt worden. In Toulouse gebe es «die Gefahr körperlicher Konfrontation» der Franzosen mit den 2500 Deutschen, die dort die A380-Verkabelung nachbessern müssen.

Diese Darstellung wurde von der IG Metall Küste bestritten. «Man soll die Menschen nicht gegeneinander ausspielen», sagt ihr Sprecher Daniel Friedrich. Probleme gebe es wegen der «Unfähigkeit des Managements» bei der Stellenplanung, die von den Gewerkschaften als unberechtigt angesehen werde. Bei der Fertigungsstrategie liefen Theorie und Praxis auseinander. Peter Hlawaty von der IG Metall Küste nannte die Beziehungen zu den Franzosen «ausgezeichnet».

Konzern hält nichts von «Verschwörungstheorien
Die Industrie- und Handelskammer am Airbus-Sitz Toulouse (CCI) warf den Deutschen in einem Brief an das Pariser Finanzministerium, aus dem die Zeitung «Le Parisien» zitierte, «Manipulation» und «Täuschung» vor. Anlass ist das Scheitern des Verkaufs von Airbus- Werken in Deutschland und Frankreich. Die Deutschen hätten ihre Werke nie verkaufen wollen, heißt es. Sie hätten Scheinverhandlungen geführt und gleichzeitig den Verkauf französischer Werke hintertrieben, um den Aufbau eines neuen französischen Pols der Luft- und Raumfahrt in Toulouse zu verhindern.

«Mit Verschwörungstheorien wird man der Realität nicht gerecht», sagte ein Airbus-Sprecher zu den französischen Debatten. «Power8» werde auch in Deutschland voll umgesetzt. Dabei müssten aber die Gesetze und die Mitbestimmungsregeln eingehalten werden. Gallois habe in einem Interview zu den Vorwürfen alles gesagt. Er hatte darin zwar den langsamen Stellenabbau wegen der deutschen Sozialprozeduren beklagt, aber französischen Befürchtungen über eine Ausdehnung des deutschen Einflusses widersprochen. «Es stimmt, dass ein Funken in der Luft ist», sagte Gallois. Doch Airbus-Chef Tom Enders führe Airbus zu recht als integriertes Unternehmen und besetze Posten auch mit Franzosen. «Hören wir mit diesen sterilen Debatten auf, die ein schlechtes Klima schaffen», sagte Gallois. (Von Hans-Hermann Nikolei, dpa)