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Kampf um Yahoo: 

Milliardäre lehren Firmen das Fürchten

16. Mai 2008 16:49
Icahn ist nicht der einizige Milliardär, der Firmen jagt
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Sie machen das, wovon Kleinaktionäre nur träumen können: Sie pöbeln Firmenchefs an und zwingen sie zu neuen Strategien. Einige Milliardäre verdienen gerade mit ihrer Aggressivität viel Geld – vielleicht auch im Fall Yahoo.

Mit einem Frontalangriff auf den Internet-Konzern Yahoo macht US-Milliardär Carl Icahn seinem Image als Schrecken der Konzernchefs derzeit wieder einmal alle Ehre. Aggressive Investoren wie der 72-Jährige haben es mit ihren umstrittenen hemdsärmeligen Methoden zu großem Reichtum gebracht. In den Vereinigten Staaten sind die spektakulären Milliardenschlachten um Unternehmen beinahe an der Tagesordnung. Aber auch in Deutschland suchen die Firmen-Jäger immer wieder nach Beute.

Icahns Raubzüge sind legendär. Seinen für viele zweifelhaften Ruf erwarb er sich mit Machtkämpfen wie beim einstigen Ölriesen Texaco und der früheren US-Fluggesellschaft TWA. Gerade zwang der streitbare Multimilliardär den Software-Spezialisten BEA Systems in eine Übernahme durch den Oracle-Konzern. Den kriselnden Handy-Riesen Motorola bearbeitete er zuletzt, bis der Konzern seine Aufspaltung ankündigte und Icahn Sitze im Verwaltungsrat einräumte.

Nicht immer geht Icahn als Sieger vom Platz: Beim US-Medienriesen Time Warner musste er klein beigeben - mancher Konzernchef klopfte den Managern dort danach anerkennend auf die Schulter. Nun hat sich der alte Haudegen den erst 39-jährigen Yahoo-Chef Yerry Yang als Gegner ausgesucht. Mit aller Macht will Icahn den Internet-Konzern doch noch zur Übernahme durch den Softwareriesen Microsoft zwingen - und wieder kräftig Kasse machen. Sein geplanter Einsatz bisher: 2,5 Milliarden Dollar in Form von Yahoo-Aktien.

Paradebeispiel Kerkorian

Zwei Jahrzehnte älter als Icahn und ebenso berüchtigt ist Kirk Kerkorian. Der 90-jährige Kasino-Krösus (MGM Mirage) machte dem einstigen DaimlerChrysler-Konzern schwer zu schaffen und zog die Autobauer wegen ihrer Fusion vor Gericht - wenn auch erfolglos. Jüngst stieg er bei Ford ein. Klopft Kerkorians Beteiligungsgesellschaft Tracinda in Vorstandsetagen an, geraten sonst coole Topmanager ins Schwitzen. Dabei benannte Kerkorian die Holding ganz menschelnd nach seinen beiden Töchtern Tracy und Linda. Wie Icahn zählt Kerkorian laut «Forbes-Liste» zu den 50 reichsten Menschen der Welt.

Auf den deutschen Reise- und Schifffahrts-Konzern Tui hat es gerade ein ganzes Rudel von Firmen-Jägern abgesehen. Eine Gruppe um den einschlägig bekannten norwegischen Tanker-König John Fredriksen scheiterte zwar zuletzt auf der Hauptversammlung mit ihrer Rebellion. Sie drohte aber zugleich unmissverständlich an: «Wir kommen wieder!»

Auch viele deutsche Firmen betroffen

Bekannter Jagd-Gefährte von Fredriksen nicht nur bei Tui ist Guy Wyser-Pratte. Der US-Amerikaner sorgte bereits bei vielen deutschen Firmen für Aufsehen. Jüngste Beispiele: Der Industriekonzern Kuka, der Handyzulieferer Balda und der Bahntechnik-Konzern Vosslo und der Fotodienstleister Cewe Color. Berüchtigt ist Wyser-Pratte für seine martialischen Sprüche und Methoden. Er folge der «Gefechtstaktik der Marines», soll er einmal gesagt haben.

Das Vorgehen der in den USA «corporate raider» (Firmen-Räuber) genannten Investoren ist meist gleich: Sie halten nach finanziell angeschlagenen oder an der Börse schwachen Firmen als Beute Ausschau, beteiligen sich mit einem oft nur geringen Prozentsatz und gehen dann in die Offensive. Neben internem Druck auf Manager gehören gezielte PR-Attacken zu ihren Methoden. Meist suchen sie sich andere Aktionäre als Verbündete, drohen Klagen an und verlangen Sitze im Aufsichtsrat.

Firmenjäger als Wohltäter

Und manchmal sind diese Art der «Heuschrecken» auch ganz plötzlich wieder weg - wenn sie nichts erreichen können oder den Kurs solange nach oben getrieben haben, dass sie lukrativ aussteigen können. Besonders in den USA haben die «corporate raider» daher zahlreiche Bewunderer. Viele Aktionäre profitieren vom Kursplus durch die Finanzhaie.

Das halten sich natürlich Akteure wie Icahn gern zu gute. Und weil in den USA neben dem Geschäftserfolg auch das gesellschaftliche Ansehen wichtig ist, gibt so mancher Firmenjäger von seiner Beute zudem reichlich ab: Icahn etwa finanziert Stipendien, Universitäten und Wohnhäuser für allein erziehende Mütter mit ihren Kindern.(Roland Freund, dpa)


 
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