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Spionage in der Wirtschaft: 

Zunehmend Spähangriffe auf die Konkurrenz

15. Mai 2008 20:39
Deutsche Technik im Bereich der erneuerbaren Energien ist begehrt
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In Deutschland richtet die ausländische Konkurrenz vor allem aus Russland und China ihr Augenmerk auf das Fachwissen deutscher Unternehmen. Dafür schleusen sie häufig Spitzel ein, die besonders durch Arbeitseifer auffallen.


Es war dieser Fleiß, dieser Eifer, auch am Wochenende ins Büro zu kommen, der die junge Dame letztlich verdächtig machte. Tatsächlich war der Argwohn gegen die chinesische Praktikantin bei einer baden-württembergischen Rüstungsfirma wohl berechtigt. Bei ihr Zuhause fand die Polizei 170 CDs mit sensiblen Daten, die sie offenbar im Auftrag eines Geheimdienstes bei der deutschen Firma ausgespäht hatte.

Kein Einzelfall, wie der jüngste Jahresbericht des Bundesamts für Verfassungsschutz deutlich macht. Die technologiehungrige asiatische Wirtschaftsmacht gilt zusammen mit Russland als «Hauptträger der Spionageaktivitäten in Deutschland», und die Attacken auf das Know-How deutscher Unternehmen werden dabei offenbar immer dreister.

«Die zum klassischen Aufgabenbereich fremder Nachrichtendienste gehörende Wirtschaftsspionage gewinnt im Rahmen des globalen Ringens um Marktanteile und Dominanz immer mehr an Bedeutung», heißt es im Verfassungsschutzbericht. «Wir verzeichnen zunehmende Bestrebungen, Know-How aus Deutschland illegal zu beschaffen», formuliert Verfassungsschutzpräsident Heinz Fromm.

Seine Behörde versuche deshalb, als eine Art «Service» die Wirtschaft anzuleiten, sich selbst zu helfen. Dazu hat das Amt zum Beispiel die Broschüre «Wirtschaftsspionage – Information und Prävention» aufgelegt. Dringend appelliert es darin auch an Mittelständler, wachsam zu sein und im Zweifel Kontakt zum Verfassungsschutz aufzunehmen, bevor wichtige Daten bei der ausländischen Konkurrenz gelandet sind.

Auch der Mittelstand ist für Spitzel interessant

Ziele der Bespitzelung sind laut Verfassungsschutz alle Branchen, mit denen die exportstarke deutsche Wirtschaft in der Welt Geld verdient: Automobilbau, erneuerbare Energien, Chemie, Kommunikationstechnologie, Optoelektrik, Röntgentechnologie, Rüstungsgüter, Werkzeugmaschinen, Verbundwerkstoffe oder Materialforschung. Ziel seien dabei nicht nur Großkonzerne, sondern auch innovative kleine und mittelständische Unternehmen.

Dabei machen gerade die russischen Dienste nicht einmal ein großes Geheimnis aus ihren Interessen: «Die Nachrichten- und Sicherheitsdienste der Russischen Föderation haben den gesetzlichen Auftrag, die russische Wirtschaft aktiv zu unterstützen», betont der Verfassungsschutz. Vor allem auf Telekommunikation, Hochfrequenz- und Satellitentechnik sowie Pipelinetechnologie richten sie ihren Blick.

China hat ebenfalls offenbar Interesse an allem, was irgendwie mit Technik und Elektronik zu tun hat. Das Ziel, bis 2020 die USA wirtschaftlich und militärisch einzuholen, sei nur mit Beschaffung westlicher Spitzentechnologie erreichbar, schreibt der Verfassungsschutz. «China versucht daher auch am Hochtechnologiestandort Deutschland entsprechendes Know-how auf vielfältigen Wegen zu beschaffen.»

Patriotische Non-Professionals

Dabei bediene sich die Regierung auch so genannter Non-Professionals – also nicht Agenten im eigentlichen Sinne, sondern patriotische chinesische Studenten, Wissenschaftler und Fachleute. Oder eben Praktikanten, wie die eifrige junge Mitarbeiterin bei dem südwestdeutschen Rüstungszulieferer, über die der «Spiegel» vor einigen Monaten berichtete.

Gleichzeitig beklagt der Verfassungsschutz auch die «besondere Gefahr» elektronischer Attacken auf Firmennetzwerke über das Internet. «Im Unterschied zur Beschaffung von Informationen mit menschlichen Quellen erfolgen hier die Angriffe in der Regel unbemerkt und risikolos vom Boden des angreifenden Landes aus», heißt es im Verfassungsschutzbericht.

«Außergewöhnlich gute Kenntnisse der Ausspäher»

Die meisten solcher Angriffe kämen aus China. Und die «außergewöhnlich guten Kenntnisse und technische Ressourcen der Ausspäher» deuteten darauf, dass chinesische Nachrichtendienste dahinter steckten. Lange beklagten Experten bei diesem Thema Blauäugigkeit in der deutschen Wirtschaft. Nun vermerkt der Verfassungsschutz immerhin eine «steigende Sensibilisierung der deutschen Wirtschaft und Politik».

Aus Sicht des Amts geht es nun noch darum, dass die Firmen ihre Hemmschwelle überwinden und bei den Behörden Rat suchen, was offenbar selten passiert. So gaben in einer DIHK-Umfrage zwar zehn Prozent von 320 Technologiefirmen an, sie seien Opfer von Bespitzelung gewesen, also immerhin etwa 30. «Doch keine dieser Firmen hatte jemals Kontakt zu einer Sicherheitsbehörde – Verfassungsschutz oder Polizei – aufgenommen», heißt es in der Infobroschüre des Verfassungsschutzes.

Dabei könne nur gemeinsames Handeln von Staat und Wirtschaft den Schutz stärken. «Die Abwehr von Wirtschaftsspionage ist schwieriger geworden, doch sie ist nicht aussichtslos», lautet das Fazit der Verfassungsschützer. (Verena Schmitt-Roschmann, AP)



 
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