Gewinneinbußen beim Energiekonzern:
Kundenschwund setzt RWE mächtig zu
15. Mai 2008 15:42
 |  RWE-Boss Jürgen Großmann | Foto: dpa |
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Der größte Stromproduzent Deutschlands leidet noch an dem geringeren Erlös für seine Anteile an American Water. Zudem verloren die Essener Kunden - im Gegensatz zum großen Konkurrenten.
RWE hat zum Jahresauftakt einen Ergebnisrückgang verbucht und die Erwartungen der Analysten verfehlt. Der Betriebsgewinn sank von 2,76 Milliarden Euro im Vorjahreszeitraum auf 2,5 Milliarden Euro, wie die Nummer 2 nach Eon unter den deutschen Energieversorgern mitteilte. Die zuletzt revidierte Prognose bestätigte der Konzern in Essen dennoch.
Vor allem ein im Vergleich zum guten Vorjahresquartal schwächeres Handelsgeschäft trug zu diesem Ergebnis bei. Zudem seien die seit Januar geltenden Kürzungen der Netzentgelte und verschärfte Rahmenbedingungen im CO2-Emissionshandel zu Buch geschlagen.
Umsatz leicht gestiegen
Der Umsatz stieg laut RWE leicht von 12,99 auf 13,4 Milliarden Euro. Branchenbeobachter waren im Schnitt von 13,26 Milliarden Euro ausgegangen. Beim Betriebsergebnis hatten sie jedoch mit einem weniger starken Rückgang - auf einen Wert von 2,6 Milliarden Euro - gerechnet. Belastet von einer Firmenwertabschreibung für die Wassertochter American Water reduzierte sich der Überschuss von 1,57 auf 0,81 Milliarden Euro. Der für die Dividende wichtige nachhaltige Gewinn stieg von 1,38 auf 1,42 Milliarden Euro, Analysten hatten mit 1,43 Milliarden Euro gerechnet.
Händler: «Unspektakuläre» Bilanz
Ein Händler sprach von einer «unspektakulären» Bilanz. Die Gewinnkennzahlen lägen zwar leicht unter den Erwartungen, eine größere Kursbewegung sollte dies jedoch nicht auslösen, da der Überschuss lediglich durch Abschreibungen auf den American Water-Anteil belastet worden sei. Den größten Rückgang verzeichnete der Versorger beim Handelsergebnis, wo der betriebliche Gewinn von 371 auf 81 Millionen Euro zurückging. Im Vorjahresquartal hatte RWE im Gashandel und im kontinentaleuropäischen Stromhandel außergewöhnlich gut abgeschnitten. Die Kosten für Emissionsrechte stiegen von 26 auf 307 Millionen Euro.
Mehrbelastungen waren angekündigt
Vorstandschef Jürgen Großmann hatte bereits im Februar für die kommenden Jahre Mehrbelastungen von 1,0 bis 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Der Rückgang des Ergebnisses im Vertrieb beruhte nach RWE-Angaben vor allem aus der Absenkung der deutschen Netzentgelte. Finanzvorstand Rolf Pohlig sagte in einer Telefonkonferenz, man habe Im ersten Quartal 200.000 Kunden verloren. Im gesamten Vorjahr waren netto 250.000 Kunden abgesprungen. Pohlig hob hervor, die Zahl der Wechsel sinke. Im April sei sie im Vergleich zu Januar um 75 Prozent zurückgegangen.
«Kunden halten, aber nicht um jeden Preis»
Pohlig sagte: «Wir wollen Kunden halten, aber nicht um jeden Preis.» Erfolg zeige das neue Festpreisangebot, bei dem der Preis auf drei Jahre festgelegt werde. Insgesamt 400.000 Kunden nutzten dies inzwischen, allerdings sei die Mehrheit Wechsler aus alten RWE-Verträgen. Eprimo, die Internet-Vertriebstochter des Unternehmens, habe im ersten Quartal 40.000 Verträge abgeschlossen und komme nun auf rund eine Viertelmillion Stromkunden.Der Konkurrent Eon hatte sich Ende April als Gewinner im Wettbewerb um neue Energiekunden bezeichnet. Der Versorger hatte 2007 im Saldo einen Zuwachs von 200.000 Kunden verzeichnet. Während auch der größte Energieversorger im Stammgeschäft Kunden verlor, konnte die neue Vertriebstochter «E wie Einfach» rund eine halbe Millionen Strom- und 250.000 Gaskunden unter Vertrag nehmen.
American Water-Verkauf veranlasste Reduzierung der Prognose
Das RWE-Management zeigte sich zuversichtlich, den Ergebnisrückgang in den kommenden Quartalen kompensieren zu können. Es bestätigte die vor drei Wochen im Zuge des Börsengangs der US-Wassertochter American Water revidierte Prognose. Deutschlands größter Stromproduzent rechnet demnach mit einem Gewinn, der aufgrund der Einmalbelastung durch American Water leicht unter dem Vorjahreswert liegen wird. Im Februar war das Unternehmen noch von einem Zuwachs von mehr als zehn Prozent ausgegangen.
800 Millionen Dollar weniger für American Water
Aus dem Verkauf von 36 Prozent des US-Wasserversorgers flossen RWE 1,2 Milliarden US-Dollar, umgerechnet 0,8 Milliarden Euro, zu. Ursprünglich hatte die Gesellschaft mit einem Erlös von rund 2 Milliarden Dollar gerechnet. Das betriebliche Ergebnis soll wie zuvor geplant mindestens das Niveau von 2007 erreichen, der Umsatz soll über Vorjahresniveau liegen. Das nachhaltige Nettoergebnis will RWE um über 10 Prozent steigern. (dpa/AP)