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Entscheidung in Hannover: 

Tui-Spitze behauptet sich gegen Fredriksen

07. Mai 2008 23:18, ergänzt 23:23
Darf im Amt bleiben: Tui-Aufsichtsratschef Krumnow
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Nach der mit Spannung erwarteten Abstimmung auf der Hauptversammlung kann Tui-Oberaufseher Krumnow aufatmen. Er behält seinen Posten. Auch Vorstandschef Frenzel verbuchte einen Erfolg.

Nach einer brisanten Hauptversammlung ist die Gruppe um den größten Tui-Aktionär John Fredriksen am Mittwochabend mit ihrem Bemühen um die Abwahl von Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow gescheitert. In einer bis zuletzt spannenden Abstimmung setzten sich die Unterstützer Krumnows mit einer knappen Mehrheit durch. Allerdings stimmten 42,76 Prozent der anwesenden Stimmrechte für die Ablösung. «Wir hoffen, dass damit wieder Ruhe einkehrt», sagte Aufsichtsratsmitglied Dieter Kuhnt nach der Verlesung des Ergebnisses. Krumnow dankte den Aktionären für die Unterstützung.

Die Konzernspitze und das Lager um den zweitgrößten Investor, den russischen Stahlmagnaten Alexej Mordaschow, hatten sich schon vor dem Aktionärstreffen hinter Krumnow gestellt. Auch der Antrag eines Aktionärs, der Vorstandschef Michael Frenzel das Vertrauen entziehen lassen wollte, scheiterte. 71,6 Prozent waren dagegen. 69,2 Prozent stimmten für die Entlastung des Vorstandschefs. Bei Krumnow waren es 68,8 Prozent. Beides ist verhältnismäßig wenig.

Fredriksens Vertrauter Tor Olav Troim outete sich nach der Entscheidung als schlechter Verlierer und kündigte weiteren Druck auf Krumnow an. «Wir kommen wieder», sagte Troim am späten Mittwochabend. Sie wollten sich bemühen, weitere Aktien zu kaufen, um damit die Unterstützung für die Konzernspitze zu schwächen. Bei dem schwachen Ergebnis müsste Krumnow eigentlich zurücktreten, meinte Troim.

Rebellische Aktionäre, scharfe Vorwürfe und eine teils aufgeheizte Personaldebatte hatten die Hauptversammlung geprägt. «Noch nie war eine Hauptversammlung der Tui so sehr im öffentlichen Blickpunkt wie diese», sagte Vorstandschef Frenzel. In den Redebeiträgen wurden die beiden Lager unter den Aktionären deutlich. Es ging um den geplanten Verkauf der Reedereitochter Hapag-Lloyd, die Verwendung der Verkaufserlöse und die künftige Entwicklung des Konzerns. Kritiker warfen Frenzel abermals vor, er habe Werte vernichtet und fahre einen Schlingerkurs. «Da kommt kein Aktionär mehr mit», sagte ein Kleinanleger.

Hapag-Lloyd zügig abstoßen

Frenzel will nach dem Beschluss des Aufsichtsrats zur Trennung von Hapag-Lloyd die Tochter zügig verkaufen und im Reisegeschäft expandieren. Dies wird von den Aktionären aus dem touristischen Umfeld begrüßt. Dazu gehört auch der zweitgrößte Anteilseigner Alexej Mordaschow, der mit Tui den russischen Reisemarkt erobern will. Dessen Partner Wladimir Jakuschew sitzt seit kurzem im Aufsichtsrat. Die Gegner kritisierten, zu der Personalie hätten die Aktionäre befragt werden sollen.

Fredriksen, der aus gesundheitlichen Gründen nicht nach Hannover gekommen war, griff durch seinen Vertrauten die Konzernspitze massiv an und warf ihr schlechte Unternehmensführung und Vetternwirtschaft bei der Besetzung im Aufsichtsrat vor. Troim zog vor den mehr als 2000 Aktionären und Gästen zwar die Forderung nach zwei Sitzen in dem Kontrollgremium zurück - ein Mandat würde reichen. Dies war ihm bereits angeboten worden. Das Wichtigste für die Gruppe um Fredriksen bleibe aber die Ablösung von Aufsichtsratschef Krumnow.

«Keine Heuschrecken und Unruhestifter»

«Wir sind keine Heuschrecken und Unruhestifter», sagte Troim. «Wir wollen Werte für die Aktionäre schaffen und wir wollen Arbeitsplätze erhalten.» Krumnow habe jahrelang eine schlechte Leistungsbilanz des Unternehmens toleriert. Deshalb müsse er gehen, so Troim. An seiner Stelle solle ein anderer deutscher Unternehmensführer das Kontrollgremium leiten.

Frenzel sagte, der Aufsichtsrat sei stets ein kritischer Sparringspartner gewesen. Er kritisierte wie auch Krumnow die Personaldebatte, die nicht im Interesse des Unternehmens sei und unnötig Kräfte binde. Der Tui-Chef versicherte den Aktionären, dass er den geplanten Hapag-Lloyd-Verkauf zügig voranbringen werde. Und: «Wir werden unsere Aktionäre angemessen am Erlös beteiligen.» Der Vorstand sei überzeugt, dass die Trennung mit optimalem Ergebnis umgesetzt werden könne und am Ende des Prozesses ein gestärktes Unternehmen stehe, so Frenzel. Der Vorstand sehe sich in der Pflicht, den tatsächlichen Marktwert der Containerschifffahrt zu realisieren und dabei die Interessen aller zu wahren.

Troim wandte sich gegen einen schnellen Verkauf. Angesichts des schwachen Finanzmarktes sei für Hapag-Lloyd kein fairer Preis zu erzielen. Fredriksen setze sich deshalb dafür ein, die Sparte vom Konzern abzulösen, weiter zu entwickeln und an die Börse zu bringen. Bei einem Verkauf müsse zudem die Hauptversammlung entscheiden.

«Tanz ums goldene Kalb»

Für die Belegschaftsaktionäre sah sich Christian Großmann an den «Tanz ums goldene Kalb» erinnert. Die Beschäftigten würden «verängstigt, verunsichert und zunehmend demotiviert durch dieses Spektakel», sagte er. Rund 100 Demonstranten forderten vor dem Gebäude der Hauptversammlung, Hapag-Lloyd nicht an einen ausländischen Investor zu verkaufen. Die Arbeitnehmer fürchten um die Jobs.

Der anhaltende Machtkampf lockte ungewöhnlich viele Aktionäre nach Hannover. Die Präsenz lag bei 71,49 Prozent der Stimmrechte. 2007 waren es noch rund 47 Prozent gewesen, in den Jahren zuvor jeweils rund 40 Prozent.

 
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