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Disput um Strategie: 

Tui-Großinvestor greift Management scharf an

07. Mai 2008 15:34
Logo von Tui in Hannover
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Konzernführung und kritische Aktionäre haben den Machtkampf um die Zukunft von Tui auf der Hauptversammlung mit unverminderter Schärfe fortgesetzt. Im Vorfeld legte das Unternehmen überraschend Quartalszahlen vor.

Beim Reise- und Schifffahrtskonzern Tui hat sich der Machtkampf zwischen Großaktionär John Fredriksen und der Konzernführung auf der Hauptversammlung verschärft. Der norwegische Reeder griff durch seinen Vertrauten Tor Olav Troim die Tui-Spitze massiv an und warf ihr schlechte Unternehmensführung und Vetternwirtschaft bei der Besetzung im Aufsichtsrat vor. Fredriksen war aus gesundheitlichen Gründen nicht zum Aktionärstreffen gekommen.

«Wir sind keine Heuschrecken und Unruhestifter » sagte Troim. «Wir wollen Werte für die Aktionäre schaffen und wir wollen Arbeitsplätze erhalten.» Tui-Chef Frenzel warf er vor, keinen klaren Kurs zu fahren und in den vergangenen Jahren Werte vernichtet zu haben. «Er hat das Unternehmen schwach gemacht.»

Der Chef des Aufsichtsrates, Jürgen Krumnow, habe jahrelang eine schlechte Leistungsbilanz des Unternehmens toleriert und somit dem Unternehmen geschadet. Deshalb müsse er gehen, forderte Troim. An seiner Stelle solle ein anderer deutscher Unternehmensführer das Kontrollgremium leiten. Zudem kritisierte Troim Interessenkonflikte im Aufsichtsrat. Die Hoteliers und anderen Reiseunternehmer, die dort säßen, hätten gleichzeitig lukrative Geschäftsbeziehungen zu Tui. Troim bekam nicht wenig Beifall.

Allerdings zog Troim vor den über 2000 Aktionären und Gästen die Forderung nach zwei Sitzen in dem Kontrollgremium zurück – ein Mandat würde reichen. Das Wichtigste für die Gruppe um Fredriksen bleibe aber die Ablösung von Krumnow. Der zweite Großaktionär, der Russe Alexej Mordaschow, unterstützt dagegen den Kurs der Tui-Führung.

Kontrolleure als Sparringspartner

Frenzel und Krumnow wiesen die Vorwürfe zu Beginn der Sitzung zurück. Der Tui-Vorstandschef nahm in seiner Rede den Aufsichtsrat in Schutz. Dieser sei stets ein kritischer Sparringspartner gewesen. Nicht jede wichtige Entscheidung sei einvernehmlich getroffen worden. Er kritisierte wie auch Krumnow die Personaldiskussionen, die nicht im Interesse des Unternehmens sei und Kräfte binde.

Frenzel versicherte den Aktionären noch einmal eindringlich, dass er den geplanten Verkauf der Reederei-Tochter Hapag-Lloyd zügig voranbringen werde. In dem Streit um die von Fredriksen betriebene Abspaltung der Sparte und Verwendung des Erlöses unterstrich er: «Wir werden unsere Aktionäre angemessen am Erlös beteiligen.» Die Vorbereitung für die Trennung der Schifffahrtssparte vom Konzern laufe planmäßig.

Streit um schnellen Hapag-Lloyd-Verkauf

Fredriksens Vertrauter Troim übte allerdings nun auch Kritik an einem schnellen Verkauf. Zwar hatte Fredriksen selbst die Abspaltung der Tochtergesellschaft gefordert. Angesichts des schwachen Finanzmarktes sei für Hapag-Lloyd im Augenblick kein fairer Preis zu erzielen, sagte Troim. Fredriksen setze sich deshalb dafür ein, die Sparte vom Tui-Konzern abzulösen, weiterzuentwickeln und an die Börse zu bringen. Die Abspaltung der Containerlinie steht bei dem Aktionärstreffen nicht zur Abstimmung. Troim forderte, dass die Aktionäre über die Abspaltung selbst und über die Verwendung des Hapag-Lloyd-Erlöses abstimmen sollten.

Der anhaltende Machtkampf lockte ungewöhnlich viele Aktionäre nach Hannover. Die Präsenz lag bei 71,49 Prozent der Stimmrechte. 2007 waren es noch rund 47 Prozent gewesen, in den Jahren zuvor jeweils rund um 40 Prozent. Die hohe Präsenz machte die Abstimmung zu den kritischen Anträgen, vor allem zur Abwahl von Krumnow besonders spannend. Es wäre in einem Dax-Konzern ein bisher einmaliger Vorgang.

Am Morgen hatte Tui zudem überraschend Zahlen für das traditionell negative erste Quartal vorgelegt. Das bereinigte Ergebnis vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen auf Unternehmenswerte (Ebita) fiel vor allem dank Hapag-Lloyd mit minus 196 Millionen Euro weniger negativ aus als ein Jahr zuvor, als minus 248 Millionen Euro in den Büchern standen.

Der Umsatz der Sparten stieg vor allem durch die Integration des Reiseveranstalters First Choice um 24 Prozent auf rund 5,1 Milliarden Euro. Das erste Quartal ist bei Tui traditionell mit Verlusten belastet, weil der Konzern Vorleistungen für die Reisesaison im Sommer erbringen muss. Für das Gesamtjahr 2008 geht der Vorstand von einer «Verbesserung der Ertragskraft des Konzerns» aus. (nz/dpa/dpa-AFX)

 
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