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Vor der Hauptversammlung: 

Showdown bei Tui wird «sehr spannend»

06. Mai 2008 11:59
Tui-Zentrale in Hannover
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Der Zweikampf der Großaktionäre bei dem Reisekonzern aus Hannover strebt der Entscheidung am Mittwoch zu. Ungewiss ist, wie viele Kleinanleger und Fonds der schärfste Kritiker von Konzernchef Frenzel hinter sich bringen kann.

Das Wettrennen um die Macht beim Reise- und Schifffahrtskonzern Tui strebt einem dramatischen Finale entgegen. Der Ausgang des Kampfes der beiden Großaktionäre auf der Hauptversammlung an diesem Mittwoch ist dabei völlig offen. Auf der einen Seite steht der streitbare norwegische Tankerkönig und Kritiker von Konzernchef Michael Frenzel, John Fredriksen, mit seinem Anteil von knapp zwölf Prozent. Auf der anderen Seite hält der russische Stahlmilliardär Alexej Mordaschow etwas über zehn Prozent. Er will mit Frenzel den russischen Reisemarkt erobern und hat für seinen Partner jetzt auch einen Sitz im Aufsichtsrat. «Es wird dieses Mal wirklich sehr spannend», meinen Experten.

Ungewiss sind vor allem die Mehrheitsverhältnisse auf der Hauptversammlung. Als einigermaßen sicher gilt zwar, dass rund 30 Prozent der Stimmen hinter Mordaschow und Frenzel stehen. Aber wie viele Kleinaktionäre und Fonds Fredriksen hinter sich bringen konnte, weiß niemand genau. Neben den zwei erkennbaren Fronten gebe es so viele zersplitterte Einzel-Lager, dass die Entscheidung unvorhersehbar sei, sagt Nord/LB-Expertin Martina Noß.

Tui-Chef Michael Frenzel
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Worum es bei der Auseinandersetzung letzten Endes tatsächlich geht, ist nicht leicht zu durchschauen. Eigentlich erübrigen sich strategische Fragen, nachdem Frenzels Zwei-Säulen-Strategie erledigt und der Verkauf der lukrativen Schifffahrtstochter Hapag-Lloyd beschlossene Sache ist, meinen Experten. Die Abspaltung von Hapag-Lloyd war eine Forderung der Investoren, die in den vorigen Jahren stets zum erbitterten Streit auf den Aktionärstreffen geführt hatte. Jetzt ist sie erfüllt.

Nach Meinung von Fredriksen aber liegt weiterhin viel im Argen bei der Tui, was eine gedeihliche Entwicklung des Aktienkurses und damit seines eigenen Investments stört. Und so fordert er etwa den Kopf von Aufsichtsratschef Jürgen Krumnow, der seit November 2004 im Amt ist. Fredriksen bezweifelt, dass der Aufsichtsrat in seiner jetzigen Zusammensetzung unabhängig und in der Schifffahrt erfahren genug ist, um den Verkauf von Hapag-Lloyd so abzuwickeln, dass alle Aktionäre maximalen Nutzen davon haben.

Sturz von Krumnow wäre beispielloser Vorgang

Einige Mitglieder wie die Hoteliersfamilie Riu unterhielten auch geschäftliche Beziehungen zur TUI-Reisesparte und seien damit nicht frei von Interessenkonflikten, kritisiert der Norweger und beansprucht selbst zwei Sitze in dem Kontrollgremium. Krumnow, der als Frenzel-Vertrauter gilt, habe dessen Strategie immer abgesegnet, obwohl in den vergangenen Jahren Wert in großem Umfang vernichtet worden sei. Ein Sturz des Aufsichtsratschefs in der Hauptversammlung wäre ein beispielloser Vorgang in einem Dax-Konzern.

Die lukrative Tochter wird verkauft: Hapag-Lloyd
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Immerhin hatte Fredriksen bei seinem Feldzug gegen die Zwei-Säulen-Strategie von Frenzel schon genug Rebellen um sich scharen können, um den Beschluss zur Abspaltung von Hapag-Lloyd herbeizuführen. In der Vergangenheit hatte Frenzel dies stets abwehren können und sich dabei auf starken Beistand aus der Reisewirtschaft, aber auch der Belegschaft stützen können. Die Tourismusanbieter begrüßten die Abspaltung und Konzentration aufs Reisegeschäft, die Arbeitnehmer lehnen ihn aber strikt ab. Sie fürchten um Jobs bei der Tochter, auf die internationale Reedereien früher schon ein Auge geworfen haben.

Kein «politischer Preis» für Hapag-Lloyd

Vor der Hauptversammlung muss Frenzel deutlich machen, dass er im Sinne aller handeln wird. Er wird voraussichtlich wiederholen, dass er den Verkauf von Hapag-Lloyd rasch und zum höchst erzielbaren Preis abwickeln will – auch ohne Rücksicht auf Stellen. Eine «politische Lösung» werde es nicht geben, und schon gar keinen «politischen Preis», versicherte er bereits. Die Bundesregierung äußerte sich besorgt.

Der frühere Tui-Vorstand und Touristik-Professor an der Fachhochschule Wernigerode, Karl Born, fühlt sich an einen Western erinnert: Irgendwann komme es darin zum großen Showdown – einem «High Noon» auf der Hauptversammlung. Aber nach seiner Vermutung dürfte Frenzel am Mittwochabend «mal wieder als Lucky Luke nach Hause reiten» – als Gewinner. (Eva Tasche, dpa)


 
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